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news/APA/Freitag, 13.05.22, 11:42:24

Ukrai­nes Wei­zen­ex­port dürf­te heu­er nicht völ­lig einbrechen

Der Wei­zen­ex­port der Ukrai­ne dürf­te trotz des Über­falls Russ­lands nicht völ­lig zusam­men­bre­chen, jedoch um die Hälf­te abneh­men, wie aus neu­en Daten des US-Agrar­mi­nis­te­ri­ums her­vor­geht. Bes­se­re Ern­te­aus­sich­ten in den USA und vor allem in Kana­da könn­ten den Aus­fall kom­pen­sie­ren. Auf glo­ba­ler Ebe­ne bleibt die Ver­sor­gungs­la­ge aber den­noch ange­spannt. Inzwi­schen kos­tet eine Ton­ne Wei­zen auch bei Lie­fe­rung im Dezem­ber über 400 Euro, ein Anstieg über zehn Pro­zent bin­nen eines Monats.
APA/A­PA/d­pa-Zen­tral­bil­d/­Pa­trick Pleul

„Auf glo­ba­ler Ebe­ne rech­net das US-Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um heu­er mit einer um fast ein Pro­zent gerin­ge­ren Wei­zen­ern­te ver­gli­chen mit vori­gem Jahr. Da die Welt­be­völ­ke­rung gemäß UN-Pro­jek­tio­nen jedoch etwa im sel­ben Maß zuneh­men wird, ver­schärft sich in vie­len Län­dern die Gefahr des Hun­gers der Men­schen”, fass­te Wifo-Agrar­öko­nom Franz Sina­bell gegen­über der APA die Zah­len des Mai-Reports zusammen.

Für Deutsch­land und Frank­reich, wo zuletzt eben­so wie zuvor in Indi­en Dür­re­schä­den gemel­det wur­den, gibt der Bericht vor­erst Ent­war­nung. In der EU dürf­te die Ern­te dank einer leich­ten Flä­chen­aus­wei­tung nur um etwas mehr als ein Pro­zent abneh­men. Für Indi­en erwar­ten die Ame­ri­ka­ner der­zeit kei­nen mas­si­ven Ern­te­ver­lust, son­dern eben­falls nur eine Abnah­me von einem Pro­zent, jedoch dürf­ten die Lager­vor­rä­te deut­lich sin­ken. In Nord­afri­ka dürf­te die Ern­te heu­er um 16 Pro­zent gerin­ger aus­fal­len als im Vorjahr.

Der Krieg in der Ukrai­ne trieb die Getrei­de­prei­se welt­weit extrem nach oben. In Deutsch­land leg­ten die Ein­fuhr­prei­se laut Reu­ters im März um 53,6 Pro­zent zum Vor­jah­res­mo­nat zu, wie das deut­sche Sta­tis­tik­amt am Frei­tag mit­teil­te. „Eine höhe­re Ver­än­de­rungs­ra­te hat­te es zuletzt im Mai 2011 gege­ben”, hieß es. Damals betrug das Plus sogar 74 Pro­zent, als es unter ande­rem wet­ter­be­dingt Ern­te­aus­fäl­le gab. Die Stei­ge­run­gen zie­hen sich durch alle Getrei­de­ar­ten: Wei­zen etwa kos­te­te 65,3 Pro­zent mehr als ein Jahr zuvor, Gers­te, Rog­gen, Hafer eben­falls. Mais ver­teu­er­te sich mit 37,4 Pro­zent nicht ganz so stark.

„Die Prei­se für impor­tier­tes Getrei­de haben sich aller­dings bereits vor dem Ukrai­ne-Krieg deut­lich ver­teu­ert”, erklär­ten die Sta­tis­ti­ker. Seit Jän­ner 2021 lag der Auf­schlag dem­nach durch­wegs im zwei­stel­li­gen Bereich. „Die Grün­de für den Preis­an­stieg sind viel­fäl­tig: eine hohe welt­wei­te Nach­fra­ge und ein ver­knapp­tes Ange­bot auf­grund schlech­ter Wet­ter­be­din­gun­gen in wich­ti­gen Anbau­län­dern wie den USA, Kana­da, Aus­tra­li­en oder Süd­ame­ri­ka, hohe Dün­ge­mit­tel­prei­se und stei­gen­de Trans­port- und Ener­gie­kos­ten”, so das deut­sche Bun­des­amt. „Der Ukrai­ne-Krieg hat den Preis­an­stieg noch zusätz­lich verstärkt.”

So ste­cken in der Ukrai­ne nach Anga­ben der UN-Orga­ni­sa­ti­on für Ernäh­rung und Land­wirt­schaft (FAO) knapp 25 Mil­lio­nen Ton­nen Getrei­de fest. „Es ist eine nahe­zu gro­tes­ke Situa­ti­on, die wir im Moment in der Ukrai­ne sehen”, sag­te FAO-Exper­te Josef Schmid­hu­ber. Die Getrei­de­men­ge kön­net eigent­lich expor­tiert wer­den, „kann aber das Land nicht ver­las­sen, ein­fach wegen der feh­len­den Infra­struk­tur und der Blo­cka­de der Häfen”.