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news/APA/Mittwoch, 22.06.22, 12:48:23

Stei­gen­de Opfer­zahl nach Erd­be­ben in Afghanistan

Bei einem hef­ti­gen Erd­be­ben in der afgha­nisch-paki­sta­ni­schen Grenz­re­gi­on sind nach jüngs­ten Anga­ben min­des­tens 920 Men­schen ums Leben gekom­men und mehr als 600 ver­letzt wor­den. Es wird eine deut­lich höhe­re Opfer­zahl befürch­tet. Ein Spre­cher der regie­ren­den Tali­ban sprach von Dut­zen­den zer­stör­ten Häu­sern in den Pro­vin­zen Pak­ti­ka und Chost. Vie­le Tie­re verendeten. 
APA/Bakhtar News Agency/-

Afgha­ni­sche Medi­en berich­te­ten, ein Dorf sei kom­plett zer­stört wor­den. Erschwert wur­den die Ret­tungs­ar­bei­ten durch den Zugang zur abge­le­ge­nen Berg­re­gi­on. Die mili­tant-isla­mis­ti­schen Tali­ban, die seit August 2021 wie­der in Afgha­ni­stan herr­schen, rie­fen eine Not­sit­zung des Kabi­netts zusam­men. Meh­re­re Hub­schrau­ber wur­den in die Unglücks­re­gi­on geschickt. Ein Regie­rungs­spre­cher rief Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen zur Unter­stüt­zung auf. Bereits am Mitt­woch tra­fen Hel­fer des Roten Halb­monds ein.

Ein Augen­zeu­ge berich­te­te der Deut­schen Pres­se-Agen­tur von der Zer­stö­rung in den betrof­fe­nen Gebie­ten. „Über­all herrscht ein gro­ßes Cha­os. Ich habe in einer Stun­de 100 Lei­chen gezählt”, sag­te der Jour­na­list Rahim Chan Chushal. „Das Grau­en ist groß. Die Eltern kön­nen ihre Kin­der nicht fin­den und die Kin­der ihre Eltern nicht. Jeder fragt sich, wer tot ist und wer lebt. Die Häu­ser sind aus Lehm, und des­halb wur­den sie alle durch die star­ke Erschüt­te­rung zer­stört.” Die Bau­wei­se in der armen und wirt­schaft­lich schwa­chen Regi­on ist aus Kos­ten­grün­den nicht erd­be­ben­si­cher, vie­le Fami­li­en leben dicht zusam­men. Zudem dürf­te das Beben die Bewoh­ner in der Nacht über­rascht haben.

Die US-Erd­be­ben­war­te (USGS) ver­mel­de­te für das Beben kurz vor 23.00 Uhr am Diens­tag (Orts­zeit) die Stär­ke 5.9 sowie ein etwas schwä­che­res Nach­be­ben. Dem­nach befand sich das Zen­trum des Bebens rund 50 Kilo­me­ter süd­west­lich der Stadt Chost nahe der Gren­ze zu Paki­stan in rund zehn Kilo­me­tern Tie­fe. Paki­sta­ni­sche Behör­den hat­ten das Beben mit einer Stär­ke von 6.1 registriert.

Paki­sta­ni­schen Anga­ben zufol­ge waren die Erschüt­te­run­gen in wei­ten Tei­len des angren­zen­den Lan­des – so auch in der Haupt­stadt Islam­abad und selbst in Laho­re im Osten des Lan­des – zu spü­ren. Man­cher­orts brach Panik aus, über Schä­den oder Ver­letz­te in Paki­stan war nach ers­ten Anga­ben jedoch nichts bekannt. Paki­stans Pre­mier­mi­nis­ter Sheh­baz Sharif drück­te im Inter­net sei­ne Betrof­fen­heit aus und stell­te Hil­fe für die Men­schen im Nach­bar­land in Aus­sicht. Papst Fran­zis­kus hat für die Opfer des ver­hee­ren­den Bebens in Afgha­ni­stan gebetet.

Immer wie­der kommt es zu schwe­ren Erd­be­ben in der Regi­on am Hin­du­kusch und den Nach­bar­län­dern, wo die Ara­bi­sche, Indi­schen Plat­te und die Eura­si­sche Plat­te auf­ein­an­der tref­fen. 1998 erschüt­ter­te ein Beben den Nor­den Afgha­ni­stans, meh­re­re Tau­send Men­schen star­ben. In Paki­stan star­ben 2005 bei einem gewal­ti­gen Erd­be­ben mehr als 75.000 Men­schen, über 3,5 Mil­lio­nen Men­schen wur­den obdach­los. Im Nach­bar­land Iran star­ben bei einem Beben 2003 mehr als 40.000 Men­schen, die his­to­ri­sche Stadt Bam wur­de größ­ten­teils zerstört.