news/APA/Freitag, 03.07.20, 19:38:27

Macron ernennt Jean Castex zum neu­en fran­zö­si­schen Pre­mier

Frank­reichs Prä­si­dent Emma­nu­el Macron wagt den poli­ti­schen Neu­an­fang und wech­selt sei­nen Pre­mier­mi­nis­ter aus. Der 42-Jäh­ri­ge ernann­te am Frei­tag den poli­ti­schen Funk­tio­när Jean Castex zum neu­en Regie­rungs­chef. Zuvor waren der belieb­te Pre­mier Édouard Phil­ip­pe und die gesam­te Regie­rung zurück­ge­tre­ten. Der Schritt kam nicht über­ra­schend.
APA/APA (AFP)/LUDOVIC MARIN

Mit sei­ner Wahl für den weit­ge­hend unbe­kann­ten Castex setzt Macron auf Kon­ti­nui­tät – ein deut­li­cher Kurs­wech­sel nach links bleibt aus. Macron will sich neu ori­en­tie­ren und des­halb mit einer ande­ren Regie­rungs­mann­schaft arbei­ten. Dafür hat er nun noch zwei Jah­re Zeit. Castex war bis­her in der Coro­na­kri­se dafür zustän­dig, die Locke­run­gen zu koor­di­nie­ren. Der Ver­trau­te des frü­he­ren kon­ser­va­ti­ven Prä­si­den­ten Nico­las Sar­ko­zy ist Bür­ger­meis­ter in Süd­west­frank­reich. In der fran­zö­si­schen Pres­se hat der 55-Jäh­ri­ge den Spitz­na­men „Mon­sieur décon­fi­ne­ment” – das Wort „décon­fi­ne­ment” steht für die Locke­run­gen der Aus­gangs­be­schrän­kun­gen in der Coro­na­kri­se.

Macron strebt nach der Coro­na­kri­se einen Wie­der­auf­bau des Lan­des an – das betrifft nach sei­nen Wor­ten die Wirt­schaft, das Sozia­le, den Umwelt­schutz und die Kul­tur. Der Herbst wer­de schwie­rig wer­den „und wir müs­sen uns dar­auf vor­be­rei­ten”, sag­te er in einem Inter­view. Gro­ße Sor­gen macht ihm bei­spiels­wei­se, dass im Herbst bis zu 900.000 jun­ge Men­schen auf den Arbeits­markt kom­men und mög­li­cher­wei­se vor ver­schlos­se­nen Pfor­ten ste­hen wer­den.

Macron hat sich nun mit der Ent­schei­dung für Castex nie­man­den mit einem star­ken poli­ti­schen – gar lin­ken – Pro­fil aus­ge­sucht. Castex ist eher ein poli­ti­sches Leicht­ge­wicht und wirkt weit­ge­hend blass. Ihm dürf­te daher eher die Auf­ga­be zukom­men, die Plä­ne des Prä­si­den­ten ruhig und zuver­läs­sig umzu­set­zen – ohne ihn dabei in den Schat­ten zu stel­len. Den Ver­bün­de­ten aus dem bür­ger­lich kon­ser­va­ti­ven Lager bleibt der Prä­si­dent wei­ter treu. Ein nach der Nie­der­la­ge bei den Kom­mu­nal­wah­len erwar­te­ter Kurs­wech­sel nach links bleibt aus.

Castex wur­de am Abend im Hôtel Mati­gnon zur Amts­über­ga­be emp­fan­gen und kün­dig­te an, die Fran­zo­sen nach der Coro­na­kri­se einen zu wol­len. Es begin­ne nun eine neue Etap­pe, die Fol­gen der Coro­na­kri­se sei­en schwer­wie­gend – daher müss­ten sich auch die Prio­ri­tä­ten ändern. Phil­ip­pe wur­de mit tosen­dem Applaus ver­ab­schie­det.

Oppo­si­ti­ons­po­li­ti­ker kri­ti­sier­ten Macrons Ent­schei­dung. Einer von rechts fol­ge auf einen von rechts, erklär­te Boris Val­laud von den Sozia­lis­ten. „Als die Fran­zo­sen zu Recht auf eine star­ke poli­ti­sche Bot­schaft war­te­ten, mar­kiert der Wech­sel des Pre­mier­mi­nis­ters eine tech­no­kra­ti­sche Wen­de in der Füh­rung der Tages­ge­schäf­te…”, monier­te Chris­ti­an Jacob von den Repu­bli­ka­nern.

Macron war nach der End­run­de der Kom­mu­nal­wah­len Ende Juni erheb­lich unter Druck gera­ten, da sich sein Mit­te-Lager bis auf weni­ge Aus­nah­men nicht in gro­ßen Städ­ten durch­set­zen konn­te – die Grü­nen waren hin­ge­gen sehr erfolg­reich. Phil­ip­pe hat­te die Mit­te-Regie­rung seit Mai 2017 geführt. Über die poli­ti­sche Zukunft des Kon­ser­va­ti­ven wur­de mona­te­lang spe­ku­liert. Wäh­rend der schwe­ren Coro­na­kri­se hat­te es Span­nun­gen an der Spit­ze des Staa­tes gege­ben. So drück­te Macron beim Lockern der strik­ten Aus­gangs­be­schrän­kun­gen aufs Tem­po, wäh­rend Phil­ip­pe brems­te.

Pre­mier­mi­nis­ter haben in Frank­reich einen schwie­ri­gen Stand, da übli­cher­wei­se der Staats­prä­si­dent im Ram­pen­licht steht und die gro­ßen Lini­en vor­gibt. So ver­tritt der Staats­chef Frank­reich bei EU-Gip­feln oder ande­ren inter­na­tio­na­len Spit­zen­tref­fen. Es ist nicht unge­wöhn­lich, dass ein Prä­si­dent den Pre­mier wäh­rend sei­ner Amts­zeit aus­tauscht.