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news/APA/Dienstag, 13.09.22, 10:44:27

Kaka­dus und Men­schen strei­ten um Mülltonnen

Müll­ton­nen sind in Syd­ney zum Streit­ob­jekt zwi­schen Kaka­dus und Men­schen gewor­den. Die Gelb­hau­ben­kaka­dus haben eine Tech­nik ent­wi­ckelt, um die Deckel von Ton­nen mit Schna­bel und Füßen zu öff­nen, wie ein For­scher­team um Bar­ba­ra Klump vom Max-Planck-Insti­tut für Ver­hal­tens­bio­lo­gie in Kon­stanz in der Fach­zeit­schrift „Cur­rent Bio­lo­gy” berich­tet. Weil sie beim Stö­bern Abfall in den Wohn­ge­bie­ten ver­tei­len, ver­su­chen die Anrai­ner die Vögel mit immer neu­en Tricks abzuhalten.
APA/APA/AFP/BARBARA KLUMP

„Sobald ein Kaka­du eine Müll­ton­ne geöff­net hat, kom­men ande­re Kaka­dus hin­zu und ver­su­chen, etwas Lecke­res zu essen abzu­be­kom­men”, erklärt Klump. „Sie mögen Brot sehr ger­ne.” Wel­cher fin­di­ge Vogel zuerst auf die Idee kam, ist nicht über­lie­fert – klar ist aber, dass das Ver­hal­ten rasch Nach­ah­mer fand: Im Jahr 2018 war der Trick einer Befra­gung von Anwoh­nern zufol­ge nur in drei Gebie­ten beob­ach­tet wor­den. Ende 2019 fisch­ten die Vögel schon in 44 Gebie­ten auf die­se Art Nah­rung aus Mülltonnen.

Die Bewoh­ner reagier­ten aller­dings ihrer­seits und ersan­nen immer neue Metho­den, um das Öff­nen der Deckel zu ver­hin­dern. Bei einer Befra­gung gaben 61 Pro­zent von etwa 170 Teil­neh­mern an, mit der Zeit zu immer dras­ti­sche­ren Mit­teln gegrif­fen zu haben – weil die Vögel jedes Mal ihrer­seits mit neu­en Ideen nach­zo­gen. So schreck­ten auf den Ton­nen plat­zier­te Gum­m­i­at­trap­pen von Schlan­gen die Kaka­dus bald nicht mehr, und auch schwe­re Objek­te auf den Deckeln wie Stei­ne hiel­ten die Vögel nicht lan­ge von ihrem Ziel ab.

„Stei­ne schie­nen eine Zeit lang zu klap­pen, aber die Kaka­dus wur­den zu schlau”, wird ein Befrag­ter zitiert. Die Vögel wuch­te­ten die Hin­der­nis­se mit Kopf oder Schna­bel über den Rand des Deckels und ver­schaff­ten sich so wie­der freie Bahn.

„Nicht nur die Kaka­dus ler­nen sozi­al, wie man Müll­ton­nen auf­macht, auch die Anwoh­ner ler­nen sozi­al, wie man sei­ne Müll­ton­nen vor den Kaka­dus schützt”, erklärt Klump. „Die Anwoh­ner kom­men von sich aus auf neue Schutz­me­tho­den, aber vie­le ler­nen sie von ihren Nach­barn oder Leu­ten in ihrer Stra­ße, las­sen sich also von jemand ande­rem inspirieren.”

Etwa zwei Drit­tel der Befrag­ten ori­en­tier­ten sich an ihren Nach­barn. Ähn­lich schien es bei den Kaka­dus zu sein, wo sich die Tech­ni­ken zum Über­win­den der Schutz­vor­keh­run­gen eben­falls über loka­le Popu­la­tio­nen verbreiteten.

Die aktu­ells­te – und noch wir­kungs­vol­le – Idee des Men­schen: Schu­he oder Plas­tik­fla­schen wer­den in die zwei Schar­nie­re gesteckt, so dass sich die Deckel nicht mehr auf­klap­pen las­sen. Und um ganz sicher­zu­ge­hen, befes­tig­ten man­che Betrof­fe­ner zudem schwe­re Objek­te wie gefüll­te Was­ser­fla­schen mit Kabel­bin­dern an den Deckeln. Das scheint zu funk­tio­nie­ren – zumin­dest vorerst.

Ähn­li­che Wett­läu­fe zwi­schen Wild­tie­ren und Men­schen gebe es immer wie­der, erläu­tert die Grup­pe um Klump. Ein Bei­spiel sei­en Ele­fan­ten in Afri­ka, die Fel­der ver­wüs­ten und dabei immer neue Schutz­maß­nah­men über­win­den, ein wei­te­res Maka­ken in Asi­en, die Men­schen Gegen­stän­de steh­len und nur gegen Essen zurückgeben.

(S E R V I C E – Fach­ar­ti­kel­num­mer DOI: 10.1016/j.cub.2022.08.008)