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news/APA/Donnerstag, 23.06.22, 21:48:48

Impf­pflicht wird abgeschafft

Die Impf­pflicht gibt es nun auch offi­zi­ell nicht mehr. Wirk­sam wur­de sie ohne­hin nie so recht, nun hat die Regie­rung beschlos­sen sie gleich abzu­schaf­fen. Ein ent­spre­chen­der Antrag wur­de am Don­ners­tag in einer Son­der­sit­zung des Natio­nal­rats ein­ge­bracht, beschlos­sen wird er im Juli. Kri­tik an der Abschaf­fung der bis­her nur aus­ge­setz­ten Pflicht blieb aus.
APA/A­PA/d­pa-Zen­tral­bil­d/­Mar­tin Schutt

Argu­men­tiert wur­de der Schritt von der Regie­rung einer­seits mit der feh­len­den Akzep­tanz, ande­rer­seits damit, dass sich die Rah­men­be­din­gun­gen mit der weni­ger leta­len Omi­kron-Vari­an­te geän­dert hät­ten: „Die Impf­pflicht bringt nie­man­den zum Imp­fen”, mein­te Gesund­heits­mi­nis­ter Johan­nes Rauch (Grü­ne), der das Pro­jekt von sei­nem Vor­gän­ger und den der­einst dar­auf drän­gen­den Lan­des­haupt­leu­ten geerbt hatte.

Die Impf­pflicht sei unter ande­ren Vor­aus­set­zun­gen ein­ge­führt wor­den, mein­te Rauch. Damals sei Del­ta die domi­nie­ren­de Vari­an­te gewe­sen, die für hohe Hos­pi­ta­li­sie­rungs­ra­ten gesorgt habe: „Die Inten­siv­sta­tio­nen waren an der Gren­ze der Belast­bar­keit.” Auch er selbst habe die Impf­pflicht damals befür­wor­tet, beton­te der Minis­ter. „Aber Omi­kron hat die Regeln verändert.”

Mit der neu­en Vari­an­te sei die Wirk­sam­keit der Imp­fung gegen Anste­ckun­gen redu­ziert wor­den. Auch grund­sätz­lich impf­wil­li­ge Per­so­nen sei­en mitt­ler­wei­le schwie­ri­ger von der Not­wen­dig­keit einer Auf­fri­schung zu über­zeu­gen, so Rauch. Auch VP-Klub­chef August Wögin­ger ver­wies auf die mil­de­ren Ver­läu­fe der Omi­kron-Vari­an­te. Außer­dem müs­se man auf die Reak­ti­on der Men­schen schau­en: Wenn man etwas mit Pflicht anord­ne vom Staat, wer­de bei man­chen der Schal­ter umge­legt. „Mit der Impf­pflicht haben wir kei­ne zusätz­li­chen Men­schen zum Imp­fen gebracht.”

Obwohl man jetzt vom „Kata­stro­phen­mo­dus” hin zu einer „Pha­se des Lebens mit dem Virus” geht, blei­be die Imp­fung – neben dem Tra­gen von Mas­ken und dem Tes­ten – aber den­noch ein wich­ti­ges Mit­tel, dem Virus zu begeg­nen, warb Rauch für die Immunisierungen.

Die Impf­licht habe kon­tra­pro­duk­tiv gewirkt. Die Bun­des­re­gie­rung habe die Ein­sicht bekom­men, „dass das nicht die geeig­ne­te Maß­nah­me war, um tat­säch­lich die Impf­quo­te nach oben zu brin­gen, sag­te am Abend Bun­des­kanz­ler Karl Neham­mer (ÖVP). Es ist das Gegen­teil ein­ge­tre­ten, wir hat­ten eigent­lich eine Stei­ge­rung der Spal­tung der Gesell­schaft”, so der Regie­rungs­chef am Don­ners­tag am Ran­de des EU-Gip­fels in Brüssel.

„Mein Auf­trag ist es, die Grä­ben zuzu­schüt­ten”, so der Kanz­ler wei­ter. Im Herbst wür­den Infek­tio­nen wie­der ein viel grö­ße­res The­ma sein. „Imp­fen wird wei­ter gleich wich­tig belie­ben, aber wir müs­sen die Emo­tio­na­li­sie­rung her­aus­neh­men”, sag­te Neham­mer. „Wir müs­sen mit­ein­an­der gegen das Virus kämp­fen, und nicht gegeneinander.”

In Kraft getre­ten war die Impf­pflicht Anfang Febru­ar, gestraft wer­den soll­te ab Mit­te März. Dazu kam es jedoch nicht, weil eine zur Eva­lu­ie­rung der Impf­pflicht ein­ge­rich­te­te Exper­ten­kom­mis­si­on sie nicht für ver­hält­nis­mä­ßig hielt. Kom­mis­si­ons­mit­glied Her­wig Kol­la­ritsch zeig­te sich am Don­ners­tag dann auch mäßig trau­rig über das Ende der Impf­pflicht. Aktu­ell feh­le die fak­ti­sche Grund­la­ge für solch eine Maß­nah­me, mein­te der Impf-Exper­te. Wenn, dann soll­te man über eine Impf­pflicht für bestimm­te Grup­pen nachdenken.

Gehe man davon aus, dass die aktu­ell kur­sie­ren­den Omi­kron-Unter­va­ri­an­ten wei­ter domi­nant blie­ben, und kei­ne „wil­de Mutan­te” auf­taucht, sei auch nicht davon aus­zu­ge­hen, dass der Druck auf die Inten­siv­sta­tio­nen wie­der erheb­lich anstei­ge, mein­te der kli­ni­sche Phar­ma­ko­lo­ge Mar­kus Zeit­lin­ger. „Von daher ver­ste­he ich, dass die nicht sehr popu­lä­re Impf­pflicht jetzt abge­schafft wird”, so der Lei­ter der Uni­ver­si­täts­kli­nik für Kli­ni­sche Phar­ma­ko­lo­gie der MedUni/AKH Wien.

Das plan­lo­se Dahin­stol­pern der Regie­rung set­ze sich auch heu­te naht­los fort, befand wie­der­um SPÖ-Gesund­heits­spre­cher Phil­ip Kucher. Er ver­lang­te von der Koali­ti­on nun die Vor­la­ge eines Alter­na­tiv­plans. Ähn­lich NEOS-Klub­vi­ze Niko­laus Scher­ak: Das Ende der Impf­pflicht mit­ten in der Som­mer-Wel­le zu ver­kün­den, pas­se zum völ­lig chao­ti­schen Kri­sen­ma­nage­ment von ÖVP und Grü­nen. FPÖ-Chef Her­bert Kickl sprach von einem wich­ti­gen und rich­ti­gen Schritt. Nun müs­se aber auch das Covid-Maß­nah­men­ge­setz, um ein Come­back der G‑Regeln zu verhindern.