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news/APA/Freitag, 23.09.22, 13:36:56

Groß­ei­gen­tü­mer des Flug­ha­fens Wien in der Kritik

Am Fonds IFM, Groß­ak­tio­när des Flug­ha­fens Wien, ist hef­ti­ge Kri­tik ent­brannt. Ver­tre­ter von IFM hat­ten sich als Ver­an­la­ger von aus­tra­li­schen Pen­si­ons­fonds prä­sen­tiert. Nun haben aber „pro­fil” und „ZiB2” auf­ge­deckt, dass sich die Eigen­tü­mer­schaft am Flug­ha­fen über zwei Luxem­bur­ger Fonds nur bis zu einer Treu­hand­ge­sell­schaft (Cony­ers Trust) auf den Cay­man Islands nach­ver­fol­gen lässt. Wer dahin­ter wirt­schaft­li­che Eigen­tü­mer sind und woher die­se ihr Geld bezie­hen, ist unklar.
APA/APA/THEMENBILD/HERBERT NEU­BAU­ER

Der in Öster­reich als Inves­tor auf­tre­ten­de Fonds IFM Inves­tors, im Eigen­tum aus­tra­li­scher Pen­si­ons­fonds, ist laut „pro­fil” ledig­lich Bera­ter der Cony­ers Trust, dem die Flug­ha­fen-Antei­le über zwei Zwi­schen­sta­tio­nen in Luxem­burg gehö­ren. Dafür gibt es einen „IFM Glo­bal Infra­st­ruc­tu­re Fund”, der laut „pro­fil” Geld für die Treu­hand­fir­ma ein­sam­melt. Wie die­ser mit IFM Inves­tors zusam­men­hängt ist offen, auch die Ver­tre­tung von IFM woll­te sich am Frei­tag auf APA-Anfra­ge dazu nicht äußern. In einer Stel­lung­nah­me heißt es ledig­lich: „Jene Fonds, die IFM Inves­tors ver­wal­tet oder berät, inves­tie­ren sehr lang­fris­tig … Der Ein­satz von Fonds mit Sitz in Juris­dik­tio­nen wie den Kai­man­in­seln ist für glo­ba­le Invest­ment­fonds … üblich”. Aber auch der „IFM Glo­bal Infra­st­ruc­tu­re Fund” ist laut „pro­fil” kei­ne juris­ti­sche Per­son, die Eigen­tums­rech­te aus­üben könn­te, son­dern ledig­lich ein Vehi­kel, um Geld für den Cony­ers Trust einzusammeln.

IFM ist Ende 2014 mit knapp 30 Pro­zent beim Flug­ha­fen Wien ein­ge­stie­gen und hat ab 2016 auf knapp 40 Pro­zent auf­ge­stockt. Heu­er im Juni hat IFM dann die Schwel­le von 40 Pro­zent über­schrit­ten, was ein Pflicht­an­ge­bot aus­ge­löst hat und ver­sucht nun, auf fast 50 Pro­zent auf­zu­sto­cken. Die ande­ren 50 Pro­zent tei­len sich Wien und Nie­der­ös­ter­reich (je 20 Pro­zent) und die Mit­ar­bei­ter (10 Pro­zent). Der Flug­ha­fen-Vor­stand hat aus wirt­schaft­li­chen Grün­den von der Annah­me des Ange­bots abge­ra­ten – einer­seits, weil der gebo­te­ne Preis zu nied­rig sei, ande­rer­seits weil mit dem Ver­lust des Streu­be­sit­zes der Abgang von der Wie­ner Bör­se drohe.

Aber mit der Auf­sto­ckung wür­den sich auch die Macht­ver­hält­nis­se am Flug­ha­fen ver­än­dern. IFM wäre ein grö­ße­rer Aktio­när als Wien und Nie­der­ös­ter­reich zusam­men. Ver­mut­lich wür­de sich der Fonds dann auch nicht mehr mit nur zwei der zehn Kapi­tal­ver­tre­ter begnü­gen. Bis­her hat sich IFM nicht über­bor­dend in die Geschäf­te ein­ge­mischt, das könn­te sich aber ändern. Jeden­falls wird die Auf­sto­ckung der IFM-Antei­le bereits vom Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um nach dem Inves­ti­ti­ons­kon­troll­ge­setz (InvKG) geprüft. Inklu­si­ve ver­tief­ter Prü­fung kann das bis zu vier Mona­te dau­ern. Durch den Bre­x­it sind die Cay­man Islands als zuge­hö­rig zu Groß­bri­tan­ni­en auch nicht mehr in die EU eingebunden.

Har­sche Kri­tik an IFM und des­sen Betei­li­gung am Flug­ha­fen kam heu­te von der nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Grü­nen Hel­ga Kris­mer und der Anwäl­tin Susan­ne Heger, die bereits aktiv gegen den Bau der drit­ten Pis­te am Flug­ha­fen Wien auf­ge­tre­ten ist. In einer gemein­sa­men Pres­se­kon­fe­renz stell­ten Sie die Ver­mu­tung der Geld­wä­sche gegen IFM in den Raum. Ein­zi­ger Anhalts­punkt dafür ist aber die Tat­sa­che, dass die Treu­hand­ge­sell­schaft, der die Flug­ha­fen­an­tei­le zuge­ord­net wer­den kön­nen, ihren Sitz auf den Cay­man Islands hat und die­se auf der schwar­zen EU-Lis­te von Steu­er­oa­sen ste­hen. Die bei­den wer­fen dem Flug­ha­fen-Vor­stand, aber auch den Groß­ei­gen­tü­mern Wien und Nie­der­ös­ter­reich vor, sie hät­ten bewusst und absicht­lich den Flug­ha­fen „zu einem kari­bi­schen Spiel” gemacht. Kris­mer for­der­te des­halb den Rück­tritt der Vor­stän­de Gün­ther Ofner und Juli­an Jäger.

Kri­tik übten Kris­mer und Heger auch dar­an, dass die Divi­den­de des Flug­ha­fens an IFM, kon­kre­te ihre Luxem­bur­ger Toch­ter Air­ports Group Euro­pe S.à.r.l., von der Kapi­tal­ertrags­steu­er befreit ist. Aller­dings beruht dies auf einem Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs (VwGH) der in letz­ter Instanz ent­spre­chend ent­schie­den hat, wäh­rend die Finanz eben­so wie das Bun­des­fi­nanz­ge­richt die Steu­er­be­frei­ung abge­lehnt hatten.