news/APA/Dienstag, 30.06.20, 11:30:03

Busi­ness: Regie­rung mit Kon­junk­tur­pa­ket ohne Finanz-Pri­vi­leg

Die Regie­rung hat am Diens­tag ihr zur Bewäl­ti­gung der Coro­na­kri­se gedach­tes „Kon­junk­tur­stär­kungs­ge­setz” auf den Weg gebracht. Es ent­hält unter ande­rem die Sen­kung des Ein­gangs­steu­er­sat­zes von 25 auf 20 Pro­zent sowie Unter­stüt­zungs­maß­nah­men für Unter­neh­men. Im letz­ten Moment zurück­ge­nom­men wur­de eine poten­zi­ell ver­fas­sungs­wid­ri­ge Bes­ser­stel­lung der Finanz bei Fir­men­plei­ten.
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Eigent­lich woll­te das Finanz­mi­nis­te­ri­um fest­le­gen, dass ein­mal bezahl­te Steu­ern und Abga­ben im Fall einer Fir­men­plei­te nicht mehr von den ande­ren Gläu­bi­gern zurück­ge­for­dert wer­den kön­nen. Sowohl der Kre­dit­schutz­ver­band von 1870 als auch der Obers­te Gerichts­hof hat­ten in der kur­zen Begut­ach­tung aber hef­tig dage­gen pro­tes­tiert. Und zwar des­halb, weil mit der Pri­vi­le­gie­rung der Finanz die Gleich­be­hand­lung aller Gläu­bi­ger unter­lau­fen wor­den wäre. Laut Finanz­mi­nis­te­ri­um wur­de die poten­zi­ell ver­fas­sungs­wid­ri­ge Pas­sa­ge in der Regie­rungs­vor­la­ge „ersatz­los gestri­chen”.

Neu hin­zu­ge­kom­men ist eine staat­li­che Garan­tie für Kre­dit­ver­si­che­rer. Die­se hat­ten zuletzt – unter­stützt von Indus­tri­el­len­ver­ei­ni­gung und Wirt­schafts­kam­mer – mas­siv auf Staats­hil­fen gedrängt. Wie Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Mar­ga­re­te Schram­böck (ÖVP) nach dem Beschluss im Minis­ter­rat sag­te, will der Staat nun 85 Pro­zent der Haf­tung für Export­kre­di­te von bis zu einer Mrd. Euro über­neh­men. Im Gegen­zug soll er 45 Pro­zent der Prä­mi­en erhal­ten.

Mit dem „Kon­junk­tur­stär­kungs­ge­setz 2020” wer­den auch die ursprüng­lich bis Herbst befris­te­ten Steu­er­stun­dun­gen ver­län­gert. Hier geht es laut Finanz­mi­nis­ter Ger­not Blü­mel (ÖVP) um 6,5 Mrd. Euro, die nun erst 2021 an den Fis­kus flie­ßen müs­sen. Wei­ters geplan­te – und so weit bekann­te – Maß­nah­men: Unter­neh­men kön­nen ihre Coro­na-Ver­lus­te von den Gewin­nen der Jah­re 2018 und 2019 abzie­hen und somit weni­ger Steu­er zah­len („Ver­lust­rück­trag”). Wer inves­tiert, kann sei­ne Steu­er­leis­tung wei­ter redu­zie­ren, indem Abschrei­bun­gen ab 1. Juli erhöht wer­den („degres­si­ve Abschrei­bung”).

Der Ein­gangs­steu­er­satz sinkt für alle Lohn- und Ein­kom­men­steu­er­zah­ler von 25 auf 20 Pro­zent. Gering­ver­die­ner erhal­ten eine höhe­re Nega­tiv­steu­er. Mit einer Repa­ra­tur sol­len Ver­lus­te beim Urlaubs- und Weih­nachts­geld ver­mie­den wer­den, die ansons­ten Arbeit­neh­mern in Kurz­ar­beit gedroht hät­ten. Und der Spit­zen­steu­er­satz von 55 Pro­zent ab einer Mil­li­on Euro Jah­res­brut­to wird bis 2025 ver­län­gert.

Für die Diens­tag im Natio­nal­rat anste­hen­de Sen­kung der Mehr­wert­steu­er aus­ge­wähl­ter Bran­chen rech­net Blü­mel mit einer Geneh­mi­gung durch die EU-Kom­mis­si­on, wie er sag­te.