Mindestens neun Menschen sind durch das Erdbeben vom Freitag in Bangkok in Thailand ums Leben gekommen, sagte ein Beamter gegenüber Reuters, und die Zahl der Todesopfer steigt sowohl in Thailand als auch im benachbarten Myanmar, wo das Beben sein Zentrum hatte. Dort rief der Chef der Militärjunta „jedes Land, jede Organisation“ auf, den Opfern zu helfen. Bereits vor der Rede hatte er in einem ungewöhnlichen Schritt einen internationalen Hilfsappell gestartet. Die EU erklärten sich bereits grundsätzlich bereit dazu.
Das Erdbeben der Stärke 7,7 hatte sich nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS 16 Kilometer nordwestlich der myanmarischen Stadt Sagaing in geringer Tiefe ereignet. Auch in Thailand richtete es schwere Schäden an; aus dem Nachbarland wurden mehrere Tote sowie hunderte Verletzte gemeldet. Selbst in der südwestchinesischen Provinz Yunnan, in Kambodscha, Bangladesch und Indien waren die heftigen Erschütterungen zu spüren. In Thailand wurden zudem auch Österreicher bei Evakuierungen leicht verletzt.
Das Erdbeben der Stärke 7,7 hatte sich nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS gegen 14.20 Uhr Ortszeit (7.20 Uhr MEZ) 16 Kilometer nordwestlich der myanmarischen Stadt Sagaing im Zentrum des Landes in geringer Tiefe ereignet. Wenige Minuten später folgte ein Beben der Stärke 6,4.
Im ehemaligen Burma stürzten als Folge der heftigen Erdstöße unter anderem eine Moschee und ein Kloster ein. Das Rote Kreuz in Myanmar sprach von verheerenden Schäden. Es bestehe große Sorge, dass Dämme am Fluss Irrawaddy beschädigt worden sein und brechen könnten. Seit einem Militärputsch im Februar 2021 versinkt das Land ohnehin schon in Gewalt und Chaos, verschiedene Rebellengruppen kämpfen teils erfolgreich gegen die Armee. Aus dem Land dringen nur wenige Informationen nach außen.
In Naypyidaw rannten Menschen in Panik auf die Straße. Das Beben richtete in Myanmar schwere Schäden an: Häuser kippten zur Seite, in Straßen entstanden riesige Risse, die bekannte Ava-Brücke in der Nähe des Epizentrums des Bebens stürzte ein. In der Hauptstadt Naypyidaw stürzte der Eingang der Notaufnahme eines wichtigen Krankenhauses der Stadt ein. Rund um das 1.000-Betten-Spital wurden Hunderte Verletzte unter freiem Himmel behandelt.
„Ich habe so etwas noch nicht erlebt“, sagte ein Arzt. „Wir versuchen, mit der Situation klarzukommen. Ich bin jetzt so erschöpft.“ Die Zufahrtsstraße zu dem Krankenhaus war mit Fahrzeugen verstopft. Später machte sich der Chef der in Myanmar herrschenden Militärjunta Min Aung Hlaing bei dem Krankenhaus ein Bild der Lage. Die Militärjunta rief für sechs Regionen den Notstand aus. In einem ungewöhnlichen Schritt bat sie um internationale Hilfe. Die EU und Frankreich sowie Indien sagten Myanmar und Thailand Unterstützung zu.
Auch im Nachbarland Thailand richtete das Beben schwere Schäden an. In der Hauptstadt Bangkok, rund tausend Kilometer vom Epizentrum des Bebens entfernt, stürzte in der Nähe des auch bei Touristen beliebten Chatuchak-Marktes ein 30-stöckiges, im Bau befindliches Hochhaus ein. Einsatzkräfte suchten unter Bergen aus Beton und Stahl nach den Verschütteten. Vize-Regierungschef Phumtham Wechayachai teilte mit, von den 81 unter den Gebäudetrümmern verschütteten Menschen seien mindestens drei tot.
„Wir schätzen, dass Hunderte Menschen verletzt wurden, aber wir sind noch dabei, die Zahl der Opfer zu bestimmen“, sagte der Vize-Polizeichef des Bangkoker Stadtbezirks Bang Sue, Worapat Sukthai. Auf dem Gelände der Bangkoker Phramongkutklao-Klinik wurden Verletzte unter freiem Himmel betreut. In vielen Wohnanlagen ließ das Beben Schwimmbecken überschwappen, auch Rooftop-Pools auf Dachterrassen.
Einige U-Bahn- und Zugverbindungen in Bangkok waren infolge des Erdbebens unterbrochen, was in der Zehn-Millionen-Einwohner Stadt für noch stärkere Staus als üblich sorgte. An den Flughäfen ging der Betrieb hingegen normal weiter. Das Erdbeben war auch in der bei Touristen beliebten Stadt Chiang Mai im Norden Thailands zu spüren gewesen und sorgte dort zwischenzeitlich für einen Stromausfall. Thailands Regierungschefin Paetongtarn Shinawatra rief den Notstand für Bangkok aus.
Auch in der südwestchinesischen Provinz Yunnan, in Kambodscha, Vietnam, Bangladesch und Indien waren die Erschütterungen zu spüren. Das Ausmaß der Schäden sowie die Zahl von Toten und Verletzten in allen betroffenen Ländern ist noch unklar.
In China war das Beben in der an Myanmar angrenzenden Provinz Yunnan deutlich spürbar, wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete. Der Katastrophenschutz in der Stadt Ruili sprach von Schäden an Häusern und Verletzten, wie chinesische Medien unter Berufung auf die Behörde berichteten. Auch in den chinesischen Provinzen Guizhou und Guangxi waren die Erdstöße zu bemerken.
Es gibt „ganz leichte Verletzungen“ bei Österreichern, die sich im Zuge der Evakuierungen verletzt haben, als sie aus Hochhäusern gerannt sind, berichtete der österreichische Botschafter in Thailand, Wilhelm Donko, im Ö1-Mittagsjournal. Viele Touristen würden sich eher südlich von Bangkok auf Inseln aufhalten. Dort sei das Erdbeben kaum gespürt worden, betonte Donko.
Die österreichische Botschaft in Bangkok steht mit den Auslandsösterreicherinnen und Auslandsösterreichern und Reisenden aus Österreich sowie mit den Behörden vor Ort in engem Kontakt, hieß es auf APA-Anfrage aus dem Außenministerium in Wien. Es werde jedem Hinweis auf betroffene Österreicher nachgegangen. Anordnungen der Einsatzkräfte vor Ort sollten unbedingt befolgt werden, wurde geraten. Betroffene können sich jederzeit bei der Botschaft in Bangkok oder beim österreichischen Außenministerium melden.
„Insgesamt gehen wir von rund 6.000 Österreichern aus, die sich in Thailand aufhalten. In Bangkok und in den vom Erdbeben betroffenen Regionen nördlich von Bangkok befinden sich derzeit über 1.000 Österreicher.“ In Myanmar seien rund zehn Auslandsösterreicher registriert, keine in den am schlimmsten betroffenen Regionen. Über österreichische Reisende in Myanmar liegen dem Außenministerium aktuell keine Informationen vor.