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blog / Freitag 26.03.21

APA Check Avatar Quo­te falsch-posi­ti­ver Anti­gen­tests vari­iert stark

APA/dpa/Symbolbild

Erneut ist in den letz­ten Tagen eine Debat­te über die Ver­läss­lich­keit der in der Coro­na-Pan­de­mie ein­ge­setz­ten Anti­gen­tests ent­brannt. Medi­en­be­rich­ten (1,2,3,4,5) zufol­ge soll an man­chen Orten ein hoher Anteil falsch-posi­ti­ver Tests an den gesam­ten posi­ti­ven Ergeb­nis­sen auf­ge­fal­len sein. In Wie­ner Neu­stadt war von 50 Pro­zent falsch-posi­ti­ven Tests die Rede, an ande­ren Orten wur­den höhe­re Quo­ten genannt. APA-Fak­ten­check hat sich die Daten in den Bun­des­län­dern genau­er angesehen.

Zu über­prü­fen­de Infor­ma­ti­on: Der hohe Anteil falsch-posi­ti­ver Tests an der Gesamt­zahl posi­ti­ver Schnell­tests an man­chen Orten ist im Ver­gleich unüb­lich und könn­te die Vor­ge­hens­wei­se infra­ge stellen.

Ein­schät­zung: Der Anteil der falsch-posi­ti­ven an den posi­ti­ven Test­ergeb­nis­sen vari­iert beträcht­lich von Bun­des­land zu Bun­des­land. Laut einem Exper­ten der Med­Uni Wien gibt es her­stel­ler­spe­zi­fi­sche Unter­schie­de in der Test­qua­li­tät, falsch-posi­ti­ve Ergeb­nis­se sei­en zumeist auf ein fal­sches Hand­ling oder char­gen­ab­hän­gi­ge Feh­ler zurück­zu­füh­ren. Deut­schen Wis­sen­schaf­tern zufol­ge kann der Ein­satz von Anti­gen-Schnell­tests bei Bei­be­hal­tung der eta­blier­ten Hygie­ne­maß­nah­men sinn­voll sein.

Über­prü­fung: Erhält man in Öster­reich bei einem Anti­gen­test ein posi­ti­ves Ergeb­nis, so wird die­ses danach nor­ma­ler­wei­se mit­tels PCR-Test über­prüft. Nur die­je­ni­gen, bei denen auch der sehr sen­si­ble PCR-Test posi­tiv anschlägt, müs­sen die begon­ne­ne Qua­ran­tä­ne fort­set­zen. Das lässt sich auch auf gesund​heit​.gv​.at (6) nachlesen.

Wie die nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Sani­täts­di­rek­ti­on der APA mit­teil­te, konn­ten 25 Pro­zent der posi­ti­ven Anti­gen­tests mit­tels PCR-Test nicht bestä­tigt wer­den, waren also falsch-posi­tiv. 75 Pro­zent der posi­ti­ven Anti­gen­tests sei­en auch beim PCR-Test posi­tiv gewe­sen. Das gel­te für den Zeit­raum von 11. März bis 13. März 2021, doch die­se Erfah­run­gen sei­en mit allen bis­her durch­ge­führ­ten Anti­gen­tests gemacht worden.

Die in Medi­en kol­por­tier­ten ver­mehrt falsch posi­ti­ven Anti­gen­tests in Wie­ner Neu­stadt kön­ne die nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Sani­täts­di­rek­ti­on nicht bestä­ti­gen. Dazu habe auch kein Ver­tre­ter des Lan­des­sa­ni­täts­sta­bes Stel­lung genommen.

Ähn­lich nied­rig ist die Quo­te der falsch-posi­ti­ven Tests gemes­sen an den posi­ti­ven Ergeb­nis­sen in Tirol. Dort sind laut einem Pres­se­spre­cher der Tiro­ler Lan­des­re­gie­rung von knapp 2.000 posi­ti­ven Anti­gen-Tes­tun­gen 21 Pro­zent falsch-posi­tiv. 79 Pro­zent wür­den also nach der Kon­troll­tes­tung mit­tels PCR das rich­ti­ge Ergeb­nis anzei­gen. Es wur­de aber betont, dass sich der Anteil der falsch-posi­ti­ven Tests ledig­lich auf einen Aus­zug der Tes­tun­gen bezie­he und er daher als annä­hern­der Richt­wert zu sehen ist.

Höher ist die Quo­te im Bur­gen­land. Laut einer Pres­se­spre­che­rin des Lan­des waren bis 22. März 2021 rund 42 Pro­zent der posi­ti­ven Anti­gen­tests falsch-posi­tiv, etwa 58 Pro­zent sei­en vom PCR-Test bestä­tigt wor­den. Auch hier wur­de dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Zah­len einer gewis­sen „Dis­kre­panz” unter­lie­gen, da es sich um sich stän­dig ver­än­dern­de Zah­len handle.

In Vor­arl­berg wur­den nach Infor­ma­tio­nen der Lan­des­pres­se­stel­le 77,9 Pro­zent der posi­ti­ven Anti­gen-Tests in Schnell­stra­ßen seit 1. Jän­ner durch einen PCR-Test bestä­tigt. Bei etwa 17,3 Pro­zent ergab ein PCR-Test ein nega­ti­ves Ergeb­nis, bei 4,8 Pro­zent ist das Ergeb­nis noch offen.

In Ober­ös­ter­reich stell­te sich einem Pres­se­spre­cher des Kri­sen­stabs zufol­ge bei der Kon­trol­le durch den PCR-Test „in der Regel bei etwa 50 Pro­zent der posi­ti­ven Anti­gen-Tests ein nega­ti­ves PCR-Fol­ge­er­geb­nis ein.” In Salz­burg wird die Quo­te der falsch-posi­ti­ven Anti­gen­tests nicht geson­dert erho­ben, da ohne­hin jede posi­tiv getes­te­te Per­son noch­mals einen PCR-Test absol­vie­ren müs­se, wie ein Pres­se­spre­cher des Lan­des der APA mit­teil­te. Aus den rest­li­chen Bun­des­län­dern wur­den bis zur Fer­tig­stel­lung des Fak­ten­checks kei­ne Daten zugesendet.

Der Bereichs­lei­ter vom Kli­ni­schen Insti­tut für Labor­me­di­zin der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien, Robert Strassl, sag­te in einer Stel­lung­nah­me der APA, dass es sehr gute Anti­gen­tests am Markt gebe, die sich grund­sätz­lich für die Durch­füh­rung von Scree­ning­pro­gram­men gut eig­nen wür­den. „Her­stel­ler­spe­zi­fi­sche Unter­schie­de in der Test­qua­li­tät bedin­gen jedoch, dass es dane­ben auch Tests gibt, die sich nicht oder nur ein­ge­schränkt für die Anwen­dung eig­nen. (…) Prin­zi­pi­ell zei­gen Anti­gen­tests eine sehr gute Spe­zi­fi­tät (Anm. Rate falsch posi­ti­ver Test­ergeb­nis­se)”, so Strassl. Falsch-posi­ti­ve Ergeb­nis­se sei­en zumeist auf ein fal­sches Hand­ling oder char­gen­ab­hän­gi­ge Feh­ler zurückzuführen.

Der Vize­di­rek­tor der Med­Uni Wien, Oswald Wag­ner, beton­te im Dezem­ber im Gespräch mit der APA, dass vor allem die Schnel­lig­keit der Schnell­tests rele­vant und noch wich­ti­ger als die Sen­si­ti­vi­tät sei. Er sprach sich dafür aus, dass mit­tels PCR nach­ge­tes­tet wird.

In einem Posi­ti­ons­pa­pier von deut­schen Wis­sen­schaf­tern des Natio­na­len For­schungs­netz­werks der Uni­ver­si­täts­me­di­zin von Jän­ner 2021 zu Anti­gen-Schnell­tests (7) wird unter ande­rem dar­auf hin­ge­wie­sen, dass falsch-posi­ti­ve Befun­de von Anti­gen-Schnell­tests vor allem bei Rei­hen­tes­tun­gen gesun­der Men­schen mit nie­de­rer Inzi­denz ins Gewicht fal­len wür­den. In einer Grup­pe asym­pto­ma­ti­scher Per­so­nen kön­ne die Anzahl falsch-posi­ti­ver Ergeb­nis­se die Anzahl rich­tig-posi­ti­ver Ergeb­nis­se über­tref­fen. Zusam­men­fas­send kön­ne der Ein­satz von Anti­gen-Schnell­tests bei Bei­be­hal­tung der eta­blier­ten Hygie­ne­maß­nah­men aber sinn­voll sein, heißt es in dem Papier. Dar­über berich­te­te auch die Deut­sche Pres­se-Agen­tur (dpa) etwa auf „Zeit Online” (8).

Erneut wird auch wie­der eine Info­gra­fik des deut­schen Robert Koch-Insti­tuts (RKI) zur Aus­sa­ge­kraft von Anti­gen-Schnell­tests auf­ge­grif­fen (5). Dazu gibt es bereits einen APA-Fak­ten­check (9).

 

Quel­len:

(1) „Krone”-Artikel (23.3.2021): http://​go​.apa​.at/​r​O​B​m​V​23k (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​Q​5​zK5)

(2) „Krone”-Artikel (23.3.2021): http://​go​.apa​.at/​1​0​v​4​3​He7 (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​c​0​M1r)

(3) Arti­kel von BVZ​.at (18.3.2021): http://​go​.apa​.at/​n​4​6​5​9​5iW (archi­viert: https://​per​ma​.cc/​N​2​H​X​-​A​2J6)

(4) Arti­kel von „Die Rund­schau” (24.3.2021): http://​go​.apa​.at/​d​n​E​9​G​69f (archi­viert: https://​per​ma​.cc/​9​G​S​2​-​X​SM4)

(5) „Wochenblick”-Artikel (19.3.2021): http://​go​.apa​.at/​T​j​g​g​4​Pl6 (archi­viert: https://​per​ma​.cc/​F​3​E​8​-​2​VPP)

(6) Gesund​heit​.gv​.at über Qua­ran­tä­ne nach posi­ti­ven Anti­gen­tests: http://​go​.apa​.at/​K​n​u​0​W​rX9 (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​o​9​h​O​x​#60%)

(7) Posi­ti­ons­pa­pier des deut­schen For­schungs­netz­werks der Uni­ver­si­täts­me­di­zin: http://​go​.apa​.at/​P​E​0​P​M​dnP (archi­viert: https://​per​ma​.cc/​5​M​T​E​-​P​X4J)

(8) dpa-Arti­kel in „Zeit Online” über Posi­ti­ons­pa­pier: http://​go​.apa​.at/​H​y​y​M​l​51U (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​F​0​P5T)

(9) APA-Fak­ten­check zu Info­gra­fik des deut­schen Robert Koch-Insti­tuts (RKI): https://​apa​.at/​f​a​k​t​e​n​c​h​e​c​k​/​w​i​e​-​z​u​v​e​r​l​a​e​s​s​i​g​-​s​i​n​d​-​a​n​t​i​g​e​n​t​e​sts

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