apa.at
news/APA/Donnerstag, 27.02.25, 23:09:06

Viel Johann Strauss, aber wenig Politik am Wiener Opernball

Der größte Star des 67. Opernballs am Donnerstag ist Johann Strauss gewesen. Beinahe die gesamte Eröffnung des Abends war dem 200. Geburtstag des legendären Walzerkönigs gewidmet. Die Staatsspitze war mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen und dem amtierenden Bundeskanzler Alexander Schallenberg (ÖVP) zwar zum Fest gekommen, ansonsten war die Spitzenpolitik aber eher spärlich vertreten.
APA/APA/ROLAND SCHLAGER/ROLAND SCHLAGER

Der Bundespräsident, der bereits die Generalprobe am Mittwoch als Überraschungsgast besucht hatte, wurde heuer von der Wissenschafterin des Jahres, der Klimaökonomin Sigrid Stagl, begleitet. Schallenberg nahm keinen offiziellen Gast mit zum Ball. Der Bundeskanzler äußerte sich am Abend auch zur vermutlich nächsten Regierung aus ÖVP, SPÖ und Neos: „Ich habe immer daran geglaubt, dass wir noch eine Regierung bekommen. Ich glaube, wir bekommen einen super Bundeskanzler“, so Schallenberg.

Aus der Regierungsriege erschienen noch Werner Kogler in seiner Funktion als Kulturminister und Justizministerin Alma Zadic (beide Grüne). Othmar Karas, der ehemalige Vizepräsident des Europäischen Parlaments, sah ebenfalls beim Staatsball vorbei. Der ehemalige Bundeskanzler Sebastian Kurz kam in Begleitung seiner damaligen Weggefährtin und Ministerin Elisabeth Köstinger.

Direktor Bogdan Roščić nahm den Politikermangel mit Humor: „Ich könnte mir vorstellen, dass ein paar Regierungsmitglieder in spe vielleicht heute vor dem Hintergrund dieses Sparprogramms nicht am Opernball gesehen werden wollen“, sagte der Hausherr. Dabei war allerdings der für das Infrastrukturressort gehandelte Wiener Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ).

Auf den Glanz der Eröffnung hatte das Fehlen der Politik aber keine Auswirkung: Hier bewies die Staatsoper einmal mehr, dass der Opernball nicht umsonst zu den populärsten Großevents Österreichs zählt. Nach dem traditionellen Einzug des Eröffnungskomitees schwebten 20 Tänzerinnen und Tänzer in schwarzen Kostümen – zum ersten Mal mit Unterstützung von Nachwuchstalenten aus der hauseigenen Ballettschule – in einer von Martin Schläpfer choreografierten Version des „Kaiserwalzers“ über das Parkett.

Für die erste Gesangseinlage sorgte Sopranistin Nadine Sierra, eine der aufstrebendsten jungen Sängerinnen der Gegenwart. Mit dem Lied konnte sie nicht viel falsch machen: Der „Frühlingswalzer“ gilt als einer der größten Gassenhauer von Johann Strauss. Dem Publikum gefiel dies auch dementsprechend.

Danach folgte eine kleine Strauss-Pause. Stattdessen wurden das Publikum und die Fernsehzuseherinnen und -zuseher in das Madrid des 19. Jahrhunderts entführt. Es war an Tenor Juan Diego Flórez mit der Arie „Bella Enamorada“ aus „El último romántico“, die dafür nötigen Latin-Lover-Vibes zu verbreiten.

Die nächste Station war Venedig, wo wieder eine berühmte Operettenmelodie auf dem Programm stand: „Alle maskiert“ aus „Eine Nacht in Venedig“ geschunkelt von Sierra, Maria Nazarova, Flórez und Daniel Jenz.

Auch Maria Angelini-Santner und Christoph Santner von der Tanzschule Santner hatten für die Choreografie für die 144 Paare des Jungdamen- und Jungherren-Komitees – darunter erstmals ein homosexuelles Pärchen – Johann Strauss als Vorgabe. Sie entschieden „Violetta-Polka“, ein Werk, das zu Lebzeiten von Strauss ein riesiger Hit war.

Ein Mann fehlte beim Ball besonders: der im Sommer verstorbene Baumeister Richard Lugner. Seine Auftritte mit internationalen Stargästen hatten den Opernball über Jahre hinweg mitgeprägt. In der Loge der Lugner City war heuer der Street-Artist und DJ Alec Monopoly zu Gast. Für Lugner wurde symbolisch ein Sitzplatz freigehalten.

Ganz ohne Spitzen-Society lief der Opernball aber dennoch nicht ab. Leni Klum, Tochter des deutschen Supermodels Heidi Klum, kam auf Einladung der Familie Swarovski zu dem Fest. Leni Klum fühlte sich an diesem Abend auch „wie eine Prinzessin“, wie sie dem ORF verriet.

Ebenfalls zu Gast waren der deutsche Sänger Sasha, die Ex-Frau von Comedian Oliver Pocher, Amira Aly, das Model Candice Swanepoel und der britische Schauspieler Ed Westwick. Sein Motto auf dem Fest: „Zurücklehnen, entspannen und genießen“. Voller Freude war dafür Bruce Darnell. „Ich wollte immer hierherkommen. Jetzt habe ich es endlich geschafft“, so der amerikanische Choreograf.

Unter den weiteren Besucherinnen und Besuchern waren unter anderem: Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und Ex-Bundeskanzler Werner Faymann, der Wiener ÖVP-Chef Karl Mahrer, der frühere ORF-Chef Alexander Wrabetz sowie die ehemaligen Opernball-Organisatorinnen Elisabeth Gürtler und Maria Großbauer. Ebenso zum Fest erschienen die Landeshauptleute aus Niederösterreich und Oberösterreich, Johanna Mikl-Leitner und Thomas Stelzer (beide ÖVP).

Am Abend fanden auch kleinere Demonstrationen gegen den Opernball statt. Diese waren bis zum Beginn der Eröffnung allerdings wieder beendet. Zwischenfälle gab es nicht, alles verlief friedlich, sagte Polizeisprecherin Anna Gutt.