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blog / Donnerstag 26.03.20

APA Check Avatar Wur­den kuba­ni­sche Ärz­te in Ita­li­en mit Applaus empfangen?

Ita­li­ens Gesund­heits­sys­tem befin­det sich auf­grund der Covid-19-Pan­de­mie in einer dra­ma­ti­schen Situa­ti­on. Unter­stüt­zung aus dem Aus­land ist daher ger­ne gese­hen. Der­zeit kuri­sert auf Twit­ter ein Video, wo angeb­lich zu sehen ist, wie Dut­zen­de Ärz­te aus Kuba auf einem ita­lie­ni­schen Flug­ha­fen mit Jubel begrüßt wer­den. Die­ses Video wur­de von vie­len Usern geteilt und erziel­te hohe Reich­wei­ten: Bei­spiel 1 (archi­viert), Bei­spiel 2 (archi­viert), Bei­spiel 3 (archi­viert). Doch nicht alles dar­an ist wahr.

Zu über­prü­fen­de Infor­ma­ti­on: Kuba hat eini­ge Ärz­te nach Ita­li­en geschickt, um das Land im Kampf gegen Covid-19 zu unter­stüt­zen. In einem Video ist zu sehen, wie die Ärz­te bei ihrer Ankunft in Ita­li­en mit Applaus begrüßt wurden.

Ein­schät­zung: Die­se Behaup­tung ist nur zum Teil wahr. Zwar wur­den tat­säch­lich kuba­ni­sche Ärz­te und Kran­ken­schwes­tern nach Ita­li­en geschickt, im Video sieht man aber kei­nen ita­lie­ni­schen Flug­ha­fen, son­dern den Flug­ha­fen der kuba­ni­schen Haupt­stadt Havanna.

Über­prü­fung: Wenn man nach Infor­ma­tio­nen zu die­ser Geschich­te sucht, stößt man schnell auf News­ar­ti­kel, die bestä­ti­gen, dass kuba­ni­sche Ärz­te in Ita­li­en gelan­det sind. Die ita­lie­ni­sche Wochen­zei­tung „Famiglia Cris­tia­na” schreibt von 52 Ärz­ten und Kran­ken­schwes­tern, die am Flug­ha­fen Mai­land Mal­pen­sa ein­tref­fen. Auch deutsch­spra­chi­ge Medi­en wie das Nach­rich­ten­ma­ga­zin „FOCUS” berich­te­ten von der medi­zi­ni­schen Hil­fe, die Teil des „Inter­na­tio­na­len Hen­ry Ree­ve Kon­tin­gents” sei.

Nun zum Video selbst: Gleich zu Beginn stellt sich die Fra­ge, woher die­se gan­zen applau­die­ren­den Men­schen denn kom­men sol­len, wenn in Ita­li­en doch star­ke Aus­gangs­be­schrän­kun­gen gelten.

Ita­li­en stell­te laut „Nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Nach­rich­ten” bereits am 8. März die nörd­li­chen Gebie­te unter Qua­ran­tä­ne. Kurz dar­auf wur­den nach Infor­ma­tio­nen der deut­schen Nach­rich­ten­sen­dung „Tages­schau” die Maß­nah­men auf das gan­ze Land aus­ge­dehnt und außer­dem die Rei­se- und Bewe­gungs­frei­heit stark ein­ge­schränkt. Obwohl zahl­rei­che Flug­hä­fen in Ita­li­en geschlos­sen wor­den, blieb auf dem Flug­ha­fen Mai­land Mal­pen­sa Ter­mi­nal 2 laut ita­lie­ni­scher Tages­zei­tung „Il Gior­no” offen. Auch auf der Home­page des Flug­ha­fens wird dies erwähnt. Pas­sa­gie­re bräuch­ten eine Erklä­rung, war­um ihnen eine Rei­se erlaubt sei.

Fast der gan­ze Flug­ha­fen Mai­land Mal­pen­sa ist über Goog­le Street View vir­tu­ell begeh­bar. Zudem las­sen sich die Stand­or­te aller Loun­ges suchen. Es sind kei­ne Ähn­lich­kei­ten zu den mar­kan­ten Punk­ten im unter­such­ten Video erkennbar.

Bild: Screen­shot Goog­le Maps

Im Video kann man etwa den Schrift­zug „Salon VIP” erken­nen. Außer­dem sind War­te­ses­sel zu sehen, deren Bezü­ge die Far­be blau haben, wie es schein­bar bei einem gro­ßen Teil der Innen­ein­rich­tung der Räum­lich­keit der Fall ist. Es drängt sich der Ver­dacht auf, dass es sich gar nicht um den Ankunfts­flug­ha­fen han­delt, son­dern even­tu­ell um den Her­kunfts­flug­ha­fen in Havanna.

Ein Abgleich des Vide­os mit Bil­dern vom Flug­ha­fen in Havan­na bestä­tigt den Ver­dacht. Hier weist Ter­mi­nal 2 eine blaue Innen­ein­rich­tung auf. Auf einem Foto kann man auch deut­lich Merk­ma­le aus dem Video wiederfinden.

Bild: Screen­shot aus dem Video
Bild: Screen­shot von Bild bei Goog­le Maps

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Flo­ri­an Schmidt/Christian Kneil

AKTUA­LI­SIERT AM 22. MAI 2020 19:32