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blog / Montag 16.11.20

APA Check Avatar Wur­den Flücht­lin­ge kurz vor Coro­na-Aus­bruch in Asyl­heim gebracht?

APA/dpa/Symbolbild

In einem oft geteilten Facebook-Posting wird behauptet, dass kurz vor Bekanntwerden eines Covid-19-Clusters im Asylheim Villach-Langauen "jede Menge" Flüchtlinge dorthin gebracht worden sind. Die Behauptung basiert auf einem Screenshot eines WhatsApp-Chats. "Absolut unglaublich, gestern rief mich eine Bekannte an dass in Villach jede Menge Flüchtlinge unter Polizeischutz ins Auffanglager Lang Auen(sic!) gebracht werden , und heute ist dieser Artikel zu lesen», steht darin.

Zu überprüfende Information: Kurz vor dem Bekanntwerden eines Covid-19-Clusters im Asylheim Villach-Langauen sind noch zahlreiche Personen aufgenommen worden.

Einschätzung: Das ist falsch. Laut Polizei und Stadt Villach wurden im November gar keine Personen ins Asylheim Villach-Langauen gebracht. Dies ist durch ein am 8. November in Kraft getretenes Betretungsverbot auch gar nicht mehr möglich. Generell muss für eine Verlegung einer Person von einer Betreuungsstelle in eine andere ein negativer Corona-Test vorliegen.

Überprüfung:

In dem Screenshot ist ein Artikel von 5min.at vom 9. November 2020 verlinkt. Darin wird darüber berichtet, dass in dem Asylheim ein Corona-Cluster entstanden ist. 70 Personen wurden demnach positiv auf Covid-19 getestet. Der früheste Zeitpunkt der Beobachtung der erwähnten Bekannten ist somit der 8. November 2020.

Dr. Alfred Winkler, Magistratsdirektor-Stellvertreter und Leiter der Geschäftsgruppe Behördenverwaltung der Stadt Villach, bestätigte auf eine gemeinsame Anfrage der APA und der Deutschen Presse-Agentur, dass es sich bei den Infizierten durchwegs um Asylwerber handle: "Alle 70 positiv Getesteten sind schutzbedürftige Fremde".

Derzeit befänden sich 193 Flüchtlinge in der Betreuungseinrichtung. Die letzten Neuzugänge hätte es aber am 30. Oktober gegeben, als vier Personen neu aufgenommen worden sind. Der letzte größere Zuwachs sei schon länger her. Am 21. Oktober stieg die Zahl der Personen im Asylheim von 179 auf 210.

Laut Winkler gäbe es innerhalb der Betreuungsstellen immer wieder Wechsel. Seinen Informationen zufolge gäbe es die Zusage des Innenministeriums, dass derartige Verlegungen nur nach dem Vorliegen eines negativen Corona-Tests erfolgen.

Das Innenministerium bestätigte dies auf Anfrage. "Alle in der Grundversorgung des Bundes befindlichen Personen in Österreich werden sowohl bei der Aufnahme in die Grundversorgung als auch bei jeder Überstellungen (sic!) zwischen Betreuungseinrichtungen des Bundes und auch der Länder auf COVID-19 getestet", erklärte Patrick Maierhofer, Ressortsprecher des BMI per Mail. Überstellungen zwischen Betreuungsstellen seien "grundsätzlich ein absolut üblicher und notwendiger Vorgang, um das Funktionieren und die Aufrechterhaltung des österreichischen Grundversorgungssystems gewährleisten zu können."

Auch die Landespolizeidirektion Kärnten schließt einen Einsatz zum Zweck der Überstellung von Asylwerbern aus. "Seitens der Landespolizeidirektion Kärnten gab es keine Verlegung von Asylwerbern etc. unter Polizeischutz in die Bundesbetreuungseinrichtung Langauen/Villach", informierte Pressesprecher Mario Nemetz.

In Kärnten gelten seit 3. November schärfere Maßnahmen, wie auf der Corona Ampel-Seite der Regierung festgehalten ist. Für die Bundes-Betreuungsstelle Langauen wurden am 8. November strengere Regeln eingeführt. Es gilt sogar ein Betretungsverbot. Mit wenigen Ausnahmen darf das Areal gar nicht mehr betreten werden. Die Verordnung findet sich hier. Herr Winkler bestätigte dies. Eine Neuaufnahme von Asylwerbern sei seit 7. November gar nicht mehr möglich.

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Florian Schmidt/Valerie Schmid