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blog / Donnerstag 15.10.20

APA Check Avatar Wer bezahlt Begräb­nis­kos­ten bei Corona-Tod?

APA/Fohringer

In oft geteil­ten Face­book-Postings wird der­zeit behaup­tet, im Todes­fall sei das Begräb­nis kos­ten­los, wenn als Todes­ur­sa­che „Coro­na statt Krebs” genannt wer­den wür­de. „Man müs­se die Sta­tis­tik auf­recht­erhal­ten”, heißt es wei­ter. Als Ort wird Kind­berg in der Stei­er­mark genannt.

Zu über­prü­fen­de Infor­ma­ti­on: Wenn man bei einem Todes­fall als Todes­ur­sa­che „Coro­na statt Krebs ein­tra­gen” lässt, dann wird das Begräb­nis bezahlt.

Ein­schät­zung: Es han­delt sich um eine Falsch­mel­dung, wie das Land Stei­er­mark als auch die Stadt­ge­mein­de Kind­berg bestä­ti­gen. Fal­sche Anga­ben auf dem soge­nann­ten „Todes­be­schauschein” kön­nen für Ärz­tin­nen und Ärz­te dis­zi­pli­na­ri­sche Kon­se­quen­zen nach sich ziehen.

Über­prü­fung: Ein Pres­se­spre­cher des Lan­des Stei­er­mark teil­te der APA am 2. Okto­ber 2020 via Mail mit, dass es sich bei dem genann­ten Pos­ting „defi­ni­tiv um eine Falsch­mel­dung” hand­le. „Das Land Stei­er­mark über­nimmt kei­ne Begräb­nis­kos­ten, auch nicht im Zusam­men­hang mit der Coro­na-Pan­de­mie. Dass es von­sei­ten der Gesund­heits­be­hör­de eine der­ar­ti­ge Aus­kunft gege­ben hät­te, wenn als Todes­ur­sa­che Coro­na ange­ge­ben wird, ist aus­zu­schlie­ßen”, heißt es.

Auch die Stadt­ge­mein­de Kind­berg bestä­tig­te der APA am 28. Sep­tem­ber 2020 via Mail, dass hier eine Falsch­mel­dung ver­brei­tet wird. Die „Klei­ne Zei­tung” hat­te die Berich­te nach Recher­chen bereits als „Fake News” deklariert.

Ein Pres­se­spre­cher der öster­rei­chi­schen Ärz­te­kam­mer teil­te der APA am 8. Okto­ber 2020 per Mail mit, dass der Toten­schein („Todes­be­schauschein”) ein ärzt­li­ches Attest im Sin­ne des § 55 Ärz­te­ge­setz 1998 dar­stel­le. Die­ses Zeug­nis sei laut Gesetz „nur nach gewis­sen­haf­ter ärzt­li­cher Unter­su­chung und nach genau­er Erhe­bung der im Zeug­nis zu bestä­ti­gen­den Tat­sa­chen nach (…) beste[m] Wis­sen und Gewis­sen” auszustellen.

Ver­stö­ße könn­ten dis­zi­pli­na­ri­sche Kon­se­quen­zen nach sich zie­hen, die vom Ver­weis bis zur Strei­chung aus der Ärz­te­lis­te rei­chen (§ 139 Ärz­te­ge­setz), so die Rechts­ab­tei­lung der Ärztekammer.

Laut dem Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um wer­den jene Per­so­nen als „COVID-Tote/r” geführt, die zuvor COVID-posi­tiv getes­tet wur­den, „unab­hän­gig davon, ob sie direkt an den Fol­gen der Virus­er­kran­kung selbst oder „mit dem Virus” (an einer poten­ti­ell ande­ren Todes­ur­sa­che) ver­stor­ben” sind.

Wie auf der Platt­form oes​ter​reich​.gv​.at nach­zu­le­sen ist, wer­den die Kos­ten für eine Beer­di­gung dann vom Land oder der Gemein­de über­nom­men, wenn die Kos­ten „von den Ange­hö­ri­gen oder aus dem Ver­mö­gen der ver­stor­be­nen Per­son nicht gedeckt wer­den” kön­nen. Auch das Finanz­mi­nis­te­ri­um schreibt, dass die „Kos­ten einer ange­mes­sen (sic!) Bestat­tung aus Mit­teln der Min­dest­si­che­rung getra­gen wer­den, wenn dafür nicht ander­wei­tig vor­ge­sorgt wur­de oder die Kos­ten nicht von Drit­ten getra­gen werden”.

Ein ande­res Pos­ting nennt nicht Kind­berg als Ort, der Inhalt ist aber ähn­lich. Ver­gleich­ba­re Postings wur­den auch in Deutsch­land ver­brei­tet – etwa dass es in Bay­ern 2.800 Euro Zuschuss zu den Beer­di­gungs­kos­ten gebe, wenn „Coro­na” (COVID-19) auf dem Toten­schein ste­he. Nach Anga­ben der baye­ri­schen Lan­des­re­gie­rung gibt es eine sol­che Rege­lung aber nicht. Die Anga­be einer fal­schen Todes­ur­sa­che wäre zudem straf­bar, wie in einem Fak­ten­check der Deut­schen Pres­se-Agen­tur (dpa) nach­zu­le­sen ist.

 

Wenn Sie zum Fak­ten­check-Team Kon­takt auf­neh­men oder Fak­ten­checks zu rele­van­ten The­men anre­gen möch­ten, schrei­ben Sie bit­te an faktencheck@apa.at

Vale­rie Schmid/Florian Schmidt

 

AKTUA­LI­SIERT AM 15. OKT. 2020 12:57