apa.at
blog / Dienstag 27.04.21

Vira­les Bild zeigt nicht aus­tra­li­sche Marine

APA (AFP/JAPAN COAST GUARD)

Aus­tra­li­ens Ein­wan­de­rungs­po­li­tik wird häu­fig als Bei­spiel für ein har­tes Vor­ge­hen in Migra­ti­ons­fra­gen ange­führt. Der­zeit kur­siert ein häu­fig geteil­tes Bild (1), das bele­gen soll, mit wel­cher Här­te die aus­tra­li­sche Mari­ne gegen Schif­fe mit Migran­ten agiert. Tat­säch­lich hat sich die­se Sze­ne aller­dings nie vor der Küs­te Aus­tra­li­ens ereig­net und steht auch in kei­nem Zusam­men­hang mit Einwanderung.

Zu über­prü­fen­de Infor­ma­ti­on: Ein vira­les Bild zeigt einen Ein­satz der aus­tra­li­schen Mari­ne gegen ein Schiff mit Migranten.

Ein­schät­zung: Das ist falsch. Das Bild wur­de im Ost­chi­ne­si­schen Meer auf­ge­nom­men. Es zeigt zwei Schif­fe der japa­ni­schen Küs­ten­wa­che, die gegen Akti­vis­ten vorgingen.

Über­prü­fung:

Auf dem Bild sind drei Schif­fe zu sehen. Ein klei­ne­res wird von zwei grö­ße­ren Schif­fen von zwei Sei­ten in die Zan­ge genom­men. Die Sze­ne wird in sozia­len Medi­en mit fol­gen­dem Kon­text ver­brei­tet: „So macht man das in Aus­tra­li­en: Zwei Mili­tär­schif­fe ramm­ten einen mit ille­ga­len Ein­wan­de­rern bela­de­nen Kahn, der nicht auf Anhal­te­auf­for­de­run­gen reagier­te. Die ille­ga­len Ein­wan­de­rer wur­den alle zurück­ge­schickt, die Besat­zungs­mit­glie­der ver­haf­tet und der Kahn verschrottet.”

In der Auf­nah­me fin­det sich jedoch weder ein kla­rer Hin­weis dar­auf, wo sich der Vor­fall zuge­tra­gen hat, noch ein Anzei­chen, um wel­che Schif­fe es sich han­delt. Beim mitt­le­ren Schiff fällt eine rote Fah­ne auf, bei den ande­ren ist kei­ne Flag­ge zu erken­nen. Aller­dings feh­len in dem Bild­aus­schnitt die hin­te­ren Tei­le der Schiffe.

Dies ist kein Zufall. Über eine Bild-Rück­wärts­su­che mit TinEye (2) las­sen sich rasch die ältes­ten Quel­len fin­den, die die­ses Bild ver­wen­det haben. So exis­tiert etwa ein „Bloomberg”-Artikel (3) aus dem Jahr 2012. Auf dem ursprüng­li­chen Bild sind dort die Schif­fe voll­stän­dig abge­bil­det, sodass sich ein­deu­tig japa­ni­sche Fah­nen erken­nen lassen.

Der Arti­kel und auch ande­re Medi­en­be­rich­te wie einer im „Evening Stan­dard” geben wei­te­re Hin­wei­se dar­auf, was sich in Wirk­lich­keit zuge­tra­gen hat. Bei den äuße­ren Schif­fen han­delt es sich dem­nach um die japa­ni­sche Küs­ten­wa­che, die ein Boot von chi­ne­si­schen Akti­vis­ten umzin­gel­te. Dies hät­te sich im Zusam­men­hang mit dem Kon­flikt zwi­schen Chi­na und Japan um Inseln im Ost­chi­ne­si­schen Meer ereignet.

Den Berich­ten zufol­ge wur­den 14 Akti­vis­ten dabei fest­ge­nom­men. Für die Behaup­tung, dass das Schiff ver­schrot­tet wor­den sei, fin­den sich kei­ne Belege.

Das Ori­gi­nal­bild fin­det sich bei AP Images (5). Wei­te­re Bil­der des Vor­falls wur­den im August 2012 von der japa­ni­schen Küs­ten­wa­che ver­öf­fent­licht. In der Bild­be­schrei­bung wird von der Fest­nah­me von 14 chi­ne­si­schen Akti­vis­ten berich­tet, die in Hong­kong abge­legt haben und auf einem Boot zu den Inseln gefah­ren sind.

 

Quel­len

(1) Bei­trag auf Face­book: http://​go​.apa​.at/​G​K​c​I​U​DG3 (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​K​5​QlY)

(2) TinEye: www​.tineye​.com

(3) Bloom­berg-Arti­kel: http://​go​.apa​.at/​7​K​F​M​M​1wJ (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​c​2​ZPa)

(4) Evening Stan­dard: http://​go​.apa​.at/​M​j​h​W​r​6Wt (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​j​h​cqe)

(5) Ori­gi­nal­bild bei AP Images: http://​go​.apa​.at/​s​5​8​3​d​mpA (archi­viert: https://​per​ma​.cc/​S​7​U​P​-​T​BBH)

Wenn Sie zum Fak­ten­check-Team Kon­takt auf­neh­men oder Fak­ten­checks zu rele­van­ten The­men anre­gen möch­ten, schrei­ben Sie bit­te an faktencheck@apa.at.

Flo­ri­an Schmidt/Valerie Schmid