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blog / Freitag 06.01.23

APA Check Avatar Video von Angriff auf Ret­tungs­wa­gen nicht aktuell

APA/AFP/Archiv

In der deutschen Hauptstadt Berlin ist es in der Silvesternacht zu Ausschreitungen, Randale und Angriffen gegen Einsatzkräfte gekommen. In diesem Zusammenhang wird auch ein Video geteilt, das zeigen soll, wie Menschen einen Rettungswagen angreifen und diverse Gegenstände in das hinten geöffnete Auto werfen. In diversen Beiträgen wird nahegelegt, dass es aus Berlin sein könnte (1,2,3).

Einschätzung: Das Video stammt aus Hongkong und wurde im Jahr 2019 aufgenommen, als es dort zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen ist.

Überprüfung: Ein Standardvorgang für die Überprüfung des ursprünglichen Kontextes eines Videos ist eine Foto-Rückwärtssuche mit dem ersten Ausschnitt des Videos. Dadurch können frühere Veröffentlichungen des Videos gefunden werden, sollte das Bildmaterial bereits in der Vergangenheit im Netz publiziert worden sein. Oft wird nämlich der erste Frame des Videos als Vorschaubild bzw. Thumbnail verwendet.

Da der erste Ausschnitt des Videos in diesem Fall ziemlich einzigartig ist, finden sich damit bei einer Foto-Rückwärtssuche vom Anbieter TinEye mehrere Einträge, zum Beispiel eine Bildcollage bei der Foto-Plattform Imgur (4). Dort ist auch das Video zu sehen. Die Zusammenstellung des Bildmaterials wurde allerdings am 18. November 2019 hochgeladen und handelt von Protesten in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong.

Dies gibt Hinweise auf den ursprünglichen Entstehungskontext. Sucht man nun bei Google nach den Begriffen "Protests Ambulance Hongkong" (5) und schränkt den Zeitpunkt der Suchergebnisse auf die Tage um dieses Datum herum ein, finden sich rasch Ergebnisse, die mehr Informationen geben.

AP News schrieb in einem Bericht über die Belagerung der Polytechnischen Universität in Hongkong (6) in einem Nebensatz, dass Demonstranten einen Krankenwagen gestoppt und Steine sowie Ziegel hineingeworfen hätten. Dadurch sei eine verletzte Frau, die zuvor aufgrund der Teilnahme bei einer unterlassenen Versammlung festgenommen worden war, wieder freigekommen. Laut Reuters wurden von den Polizisten, die den Rettungswagen begleitet hatten, bei diesem Vorfall auch drei Schüsse abgegeben (7).

Auch der staatliche chinesische Fernsehsender CCTV teilte das Video am 18. November 2019 auf Twitter (8). Ein Mob aus Demonstranten hätte die Polizisten angegriffen und einer festgenommenen Person geholfen zu fliehen, heißt es dort. Die abgegebenen Schüsse hätten ersten Untersuchungen nach niemanden getroffen.

Es findet sich auch ein Video aus einer anderen Perspektive, das von der Hong Kong Free Press gepostet wurde (9). Dort sieht man sowohl den von Demonstranten umkreisten Rettungswagen als auch die Schussabgabe der Polizisten. Durch dieses Video lässt sich auch der Aufnahmeort identifizieren. Er befindet sich ein Stück von der Polytechnischen Universität entfernt, neben dem King George V Memorial Park (10,11).

(1) Tweet mit Video: http://go.apa.at/0LspKDAc (archiviert: https://archive.ph/R6rXI, Video archiviert: https://perma.cc/L2W8-JHHB)

(2) Facebook-Posting mit Video: http://go.apa.at/XjkU6nnV (archiviert: https://perma.cc/2KQ3-4X99)

(3) Facebook-Posting mit Video: http://go.apa.at/2VrihR2p (archiviert: https://archive.ph/bTCZt)

(4) Video bei Imgur: http://go.apa.at/iR6urzvq (archiviert: https://perma.cc/5RMK-G699)

(5) Google-Suche nach "Protests Ambulance Hongkong": http://go.apa.at/6FaU56qW (archiviert: https://perma.cc/S878-9SY3)

(6) Bericht von AP News: http://go.apa.at/bha6yOxX (archiviert: https://archive.ph/mVjXr)

(7) Bericht von Reuters: http://go.apa.at/pxf59pH2 (archiviert: https://archive.ph/cbYL9)

(8) CCTV-Tweet: http://go.apa.at/L3VknkBW (archiviert: https://archive.ph/WivVJ)

(9) Tweet der Hong Kong Free Press: http://go.apa.at/S0PH2g4E (archiviert: http://go.apa.at/ccK694C5)

(10) Ort der Aufnahme: http://go.apa.at/UdAOlc7H (archiviert: https://archive.ph/hgst8)

(11) Ort der Aufnahme: http://go.apa.at/mRQW8OuP (archiviert: https://archive.ph/yncTE)

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Florian Schmidt / Valerie Schmid