apa.at
blog / Freitag 08.01.21

APA Check Avatar Sta­tis­tik Aus­tria ver­zeich­net mehr Tote im Jahr 2020

Bild: APA/Archiv

Das Pan­de­mie-Jahr 2020 ist abge­schlos­sen. Mit dem Jah­res­wech­sel wer­den auch Stim­men laut, die eine Gegen­über­stel­lung der Todes­zah­len in Öster­reich mit den Vor­jah­ren ver­lan­gen. In eini­gen Bei­trä­gen auf Face­book wird behaup­tet, dass es dabei kaum Unter­schie­de zu der Anzahl der Toten aus den Jah­ren 2018 oder 2019 gab. 83.971 Per­so­nen sol­len laut einem Pos­ting auf Face­book (hier archi­viert) im Jahr 2020 gestor­ben sein, was sogar vier Tote weni­ger wären als 2018. Das Pos­ting beruft sich auf angeb­li­che Daten der Sta­tis­tik Austria.

Zu über­prü­fen­de Infor­ma­ti­on: Im Jahr 2020 star­ben in Öster­reich ins­ge­samt 83.971 Per­so­nen, was trotz der Pan­de­mie kei­ne erhöh­te Anzahl der Todes­fäl­le im Ver­gleich zu den Vor­jah­ren darstellte.

Ein­schät­zung: Das ist falsch. Im Jahr 2020 star­ben mehr Men­schen als in den Vor­jah­ren, vor­läu­fi­gen Daten der Sta­tis­tik Aus­tria zufol­ge sind bereits in den ers­ten 51 Kalen­der­wo­chen 87.333 Per­so­nen ver­stor­ben. Es gibt noch kei­ne abschlie­ßen­de Jah­res­sta­tis­tik der Sta­tis­tik Austria.

Über­prü­fung:

Bis dato gibt es noch kei­ne voll­stän­di­ge Jah­res­sta­tis­tik der Sta­tis­tik Aus­tria zu den Todes­fäl­len. Dies teil­te eine Spre­che­rin der APA auf Nach­fra­ge mit. Daten zu den Ster­be­fäl­len für die 52. und 53. Kalen­der­wo­che wür­den vor­aus­sicht­lich Ende kom­men­der Woche (14. oder 15. Jän­ner 2021) veröffentlicht.

Aber auch in den dar­auf­fol­gen­den Wochen sei mit wei­te­ren Nach­mel­dun­gen durch die Stan­des­äm­ter zu rech­nen. Daher wür­den selbst die bald ver­öf­fent­lich­ten Zah­len noch nicht „voll­stän­dig” sein.

„Die auf Face­book für 2020 dar­ge­stell­te Zahl „83.971” wur­de von uns nicht ver­öf­fent­licht, und wir wis­sen auch nicht, woher sie stammt”, so die Spre­che­rin. „Gemäß unse­rem aktu­el­len Stand der Sta­tis­tik gab es in den ers­ten 50 Wochen des Jah­res 2020 bereits 85.109 Gestor­be­ne – es ist somit ganz klar, dass der Wert 83.971 nicht stim­men kann.”

Tat­säch­lich star­ben im Jahr 2020 bis inklu­si­ve der 51. Kalen­der­wo­che bereits 87.333 Per­so­nen in Öster­reich. Das teil­te die Sta­tis­tik Aus­tria heu­te, am 8. Jän­ner, in einer Pres­se­aus­sen­dung mit. Dies sei­en 10,1 Pro­zent mehr Tote als im Fünf­jah­res­durch­schnitt. Die­se 87.333 Ver­stor­be­nen wür­den den Wert der 83.971 Toten aus dem Face­book-Pos­ting bereits deut­lich übersteigen.

Allei­ne in der 51. Kalen­der­wo­che sind laut Sta­tis­tik Aus­tria um 35,8 Pro­zent mehr Men­schen gestor­ben als im Durch­schnitt des­sel­ben Zeit­raums der Jah­re 2015 bis 2019. Die­se Zunah­me zei­ge sich auch in den berei­nig­ten alters­stan­dar­di­sier­ten Ster­be­ra­ten. Wür­de die Alters­struk­tur Öster­reichs der Stan­dard­be­völ­ke­rung von Euro­stat ent­spre­chen, kämen in der 50. Kalen­der­wo­che auf 100.000 Per­so­nen 27 Tote. In den letz­ten fünf Jah­ren sei­en im sel­ben Zeit­raum nur 18 bis 20 Men­schen gestorben.

Auch in den Wochen davor waren die Ster­be­fäl­le über­durch­schnitt­lich hoch. Anfang Dezem­ber teil­te die Sta­tis­tik Aus­tria etwa in einer Pres­se­mit­tei­lung mit, dass es in einer ein­zi­gen Kalen­der­wo­che so vie­le Tote wie seit 42 Jah­ren nicht mehr gege­ben habe. Die Übersterb­lich­keit in der 47. Kalen­der­wo­che lag bei 58 Prozent.

Die im Face­book-Pos­ting ange­ge­be­nen Wer­te von 2015 bis 2019 stim­men mit der Sta­tis­tik Aus­tria überein.

Kor­rek­tur 8. Jän­ner, 13:43 Uhr: Die Daten der alters­stan­dar­di­sier­ten Ster­be­ra­te bezie­hen sich auf die 50. und nicht die 51. Kalen­der­wo­che. Der ursprüng­li­che Satz „Wür­de die Alters­struk­tur Öster­reichs der Stan­dard­be­völ­ke­rung von Euro­stat ent­spre­chen, kämen in die­ser Woche auf 100.000 Per­so­nen 27 Tote.” wur­de dahin­ge­hend ausgebessert.

Wenn Sie zum Fak­ten­check-Team Kon­takt auf­neh­men oder Fak­ten­checks zu rele­van­ten The­men anre­gen möch­ten, schrei­ben Sie bit­te an faktencheck@apa.at

Vale­rie Schmid/Florian Schmidt