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blog / Freitag 31.07.20

APA Check Avatar Sind Grip­pe-Geimpf­te auto­ma­tisch Corona-positiv?

In einem Pos­ting auf Face­book fragt eine Use­rin: „Habt ihr gewusst, dass jeder Grip­pe-Geimpf­te POSI­TIV auf Covid getes­tet wird???” und stellt damit gleich­zei­tig die Behaup­tung auf, dies ent­spre­che der Wahr­heit. Nicht nur wird in den Kom­men­ta­ren ein Zusam­men­hang mit der gra­tis Grip­pe-Imp­fung für Kin­der („damit die herbst­wel­le gesi­chert ist”) her­ge­stellt, das Pos­ting wur­de auch über 240 mal geteilt.
Zu über­prü­fen­de Behaup­tung: Bei Men­schen, die gegen Grip­pe geimpft wur­den, schlägt ein Coro­na-Test als posi­tiv aus.
Ein­schät­zung: Hier­bei han­delt es sich um eine Falsch­mel­dung. Weder der PCR-Test für den Nach­weis aku­ter Infek­tio­nen noch der Anti­kör­per-Test, um bereits über­stan­de­ne Infek­tio­nen nach­zu­wei­sen, schlägt auf die Grip­pe­vi­rus­an­ti­ge­ne an.
Über­prü­fung: Die Viro­lo­gin Dr. Judith Aber­le vom Insti­tut für Viro­lo­gie an der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien schließt in einem Tele­fo­nat mit der APA – Aus­tria Pres­se Agen­tur den Zusam­men­hang von Grip­pe-Imp­fun­gen und posi­ti­ven Coro­na-Tests aus. In einem anschie­ßen­den schrift­li­chen State­ment hält sie fest: „Die Grip­pe­imp­fung besteht aus hoch­ge­r­ei­nig­ten Anti­ge­nen ver­schie­de­ner Grip­pe­vi­ren. Bei Geimpf­ten wird gegen die­se Grip­pe­vi­rus­an­ti­ge­ne eine Anti­kör­per­ant­wort her­vor­ge­ru­fen. Eine Grip­pe­imp­fung beein­flusst nicht die Test­ergeb­nis­se auf SARS-Coronaviren.”
Zudem sei der SARS-CoV‑2 PCR Test spe­zi­fisch für SARS-CoV‑2: „Ein posi­ti­ves Test­ergeb­nis fin­det man nur bei Per­so­nen, die gera­de eine SARS-CoV‑2 Infek­ti­on durch­ma­chen. Das gilt auch für die Anti­kör­per­tests, bei denen Anti­kör­per gegen das SARS-CoV‑2, aber nicht gegen Grip­pe­vi­ren nach­ge­wie­sen wer­den. Die Annah­me, dass nach einer Grip­pe­imp­fung ein Test auf COVID-19 posi­tiv ist, ist daher falsch.”
Auch sind bis­her kei­ne Stu­di­en erschie­nen, die den Sach­ver­halt des Postings unter­mau­ern wür­den. Ledig­lich auf der impf­kri­ti­schen Web­site „Arbeits­grup­pe IMPF­In­for­ma­ti­on” fin­det sich ein Ver­weis auf eine US-Stu­die, dass bei Grip­pe-geimpf­ten Per­so­nen eher ande­re respi­ra­to­ri­sche Infek­tio­nen auf­tra­ten als bei nicht gegen Grip­pe geimpf­te Pro­ban­den. Hier wur­de aller­dings fälsch­li­cher­wei­se auf die For­schungs­an­nah­me ver­wie­sen und nicht auf das Ergeb­nis, das kei­nen signi­fi­kan­ten Zusam­men­hang fest­stell­te. Einen Ver­weis auf das neu­ar­ti­ge Coro­na­vi­rus gibt es in der am 14. Jän­ner 2020 ver­öf­fent­lich­ten Stu­die nicht, zumal der Stu­di­en­zeit­raum die Jah­re 2017 und 2018 betrifft. Der Begriff Coro­na­vi­rus kommt ledig­lich dar­in vor, da es neben SARS-CoV‑2 noch ande­re Coro­na­vi­ren gibt.
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Son­ja Harter/Valerie Schmid