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blog / Mittwoch 05.02.20

Die Regeln des APA-Faktenchecks

Wenn Sie zum Fak­ten­check-Team Kon­takt auf­neh­men oder eige­ne Vor­schlä­ge für Fak­ten­checks ein­brin­gen möch­ten, schrei­ben Sie bit­te an faktencheck@apa.at.

Nicht nur für Pri­vat­per­so­nen wird es immer schwie­ri­ger, fak­ten­ba­sier­te Behaup­tun­gen aus­ein­an­der­zu­hal­ten. Auch Medi­en­häu­ser und Nach­rich­ten­agen­tu­ren müs­sen sich ange­sichts viel­fäl­ti­ger Des­in­for­ma­ti­ons­stra­te­gien im Netz immer bes­ser wapp­nen, um Schritt hal­ten zu kön­nen. Durch den tech­ni­schen Fort­schritt und wach­sen­de Ver­brei­tungs­ka­nä­le sehen sich Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten bei der Ver­ar­bei­tung von Infor­ma­tio­nen mit zusätz­li­chen Her­aus­for­de­run­gen konfrontiert.

Der APA-Fak­ten­check soll eine zuver­läs­si­ge Hil­fe bie­ten, um beim Ein­schät­zen und Bewer­ten von Infor­ma­tio­nen den Durch­blick zu behal­ten. Der APA-Fak­ten­check prüft bestimm­te Behaup­tun­gen auf unab­hän­gi­ger Basis. Der jewei­li­ge Ver­fi­ka­ti­ons­vor­gang wird trans­pa­rent veröffentlicht.

Die Fak­ten­checks ermög­li­chen es Lese­rin­nen und Lesern, sich auch bei kom­ple­xen und umstrit­te­nen The­men eine Mei­nung zu bil­den – basie­rend auf ratio­na­len Zugän­gen und Fak­ten. Durch das Auf­zei­gen objek­ti­ver Sach­ver­hal­te wird im Ide­al­fall unge­recht­fer­tig­ten Vor­ur­tei­len ent­ge­gen­ge­wirkt und Mani­pu­la­ti­ons­ver­su­che wer­den unter­bun­den. Zudem ist es der APA ein Anlie­gen, den Lese­rin­nen und Lesern durch die Fak­ten­checks einen Ein­blick in Recher­che­me­tho­den im digi­ta­len Zeit­al­ter zu geben.

Die The­men­aus­wahl für APA-Faktenchecks

APA-Fak­ten­checks beschrän­ken sich nicht auf die Behaup­tun­gen von Poli­ti­kern, son­dern grei­fen aktu­el­le und für die Gesell­schaft rele­van­te The­men aus allen Berei­chen auf. Bei der Pro­duk­ti­on von Fak­ten­checks wird dar­auf geach­tet, dass Lese­rin­nen und Leser auch einen Nut­zen davon haben, sie dadurch wich­ti­ge Infor­ma­tio­nen bezie­hen kön­nen oder vor Des­in­for­ma­ti­on geschützt werden.

Rele­vant für den Fak­ten­check wer­den frag­wür­di­ge Infor­ma­tio­nen oder Behaup­tun­gen, wenn sie „viral gehen“ und somit ein gesell­schaft­li­ches Inter­es­se ent­steht bzw. wenn sie auf die Mei­nungs­bil­dung einer gro­ßen Anzahl von Men­schen ein­wir­ken könn­ten. Das kön­nen Nach­rich­ten­the­men mit gro­ßer media­ler Auf­merk­sam­keit sein oder auch Social-Media-Postings mit zahl­rei­chen „Shares“.

Eine gewis­se Reich­wei­te ist auf jeden Fall nötig, zwei­fel­haf­te Behaup­tun­gen in geschlos­se­nen Online-Foren oder Postings mit feh­len­der Inter­ak­ti­on sind in der Regel nicht rele­vant. Aber natür­lich kön­nen auch Postings mit wenig Inter­ak­tio­nen rele­vant wer­den. Etwa wenn sie von einer öffent­lich bekann­ten Per­son geteilt wer­den, oder wenn sich gleich meh­re­re Postings mit der­sel­ben Behaup­tung fin­den lassen.

Lese­rin­nen und Leser sowie Kun­din­nen und Kun­den der APA haben die Mög­lich­keit, das Fak­ten­check-Team der APA zu kon­tak­tie­ren. Sie kön­nen etwa The­men für Fak­ten­checks anre­gen oder Feed­back zu bis­he­ri­gen Fak­ten­checks geben.

Der Auf­bau von APA-Faktenchecks

Meis­tens beginnt ein APA-Fak­ten­check mit einer Ein­lei­tung. In die­ser Ein­lei­tung stel­len wir Infor­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung, sodass ver­ständ­lich ist, war­um wir das vor­lie­gen­de The­ma bzw. die zu über­prü­fen­de Infor­ma­ti­on aus­ge­wählt haben. In die­ser Ein­lei­tung zei­gen wir etwa Bei­spie­le von Social-Media-Postings oder Medi­en­be­rich­te auf, die das The­ma behan­deln. Wir wei­sen auch auf aktu­el­le Ent­wick­lun­gen hin, die dazu bei­tra­gen oder bei­tra­gen könn­ten, dass die jewei­li­ge Behaup­tung eine grö­ße­re Reich­wei­te bekommt. Nach die­ser Ein­lei­tung soll bes­ser zu ver­ste­hen sein, war­um wir einer Behaup­tung Rele­vanz bei­mes­sen und sie für einen Fak­ten­check aus­ge­wählt haben.

Der APA-Fak­ten­check selbst besteht aus drei Teilen:

1) Zu Beginn wird die zu über­prü­fen­de Infor­ma­ti­on wie­der­ge­ge­ben. Was wur­de von wem behauptet?

Meis­tens gibt es zu jeder Behaup­tung ein ein­deu­ti­ge Quel­le. In Aus­nah­me­fäl­len kön­nen auch in der Gesell­schaft weit ver­brei­te­te Annah­men oder Befürch­tun­gen geprüft wer­den, die kei­ne ein­deu­ti­ge Quel­le haben, aber den­noch die Kri­te­ri­en der Rele­vanz und Aktua­li­tät erfüllen.

(Anmer­kung: Seit Juni 2021 wird die zu über­prü­fen­de Infor­ma­ti­on aus den Fak­ten­checks weg­ge­ge­ben, damit fal­sche Behaup­tun­gen nicht noch ein­mal wie­der­holt wer­den und dadurch mög­li­cher­wei­se im Gedächt­nis bleiben)

2) Danach wird die Ein­schät­zung der Infor­ma­ti­on anhand des abge­schlos­se­nen Veri­fi­zie­rungs­pro­zes­ses vor­weg­ge­nom­men. Was ist rich­tig, was ist falsch?

Die Erkennt­nis­se aus dem Fak­ten­check der APA sol­len den Lese­rin­nen und Lesern bei der Bewer­tung der frag­wür­di­gen Behaup­tung hel­fen. Im Fal­le von „Fake News“ im Sin­ne von in Fäl­schungs­ab­sicht ver­brei­te­ten Behaup­tun­gen soll die Ein­schät­zung des Fak­ten­check-Teams gleich zu Beginn ein Kor­rek­tiv dar­stel­len, damit die Des­in­for­ma­ti­on nicht zu lan­ge unwi­der­spro­chen bleibt.

3) Anschlie­ßend wird in der Über­prü­fung trans­pa­rent offen­ge­legt, wel­che Veri­fi­zie­rungs­schrit­te und Recher­chen zu dem The­ma erfolgt sind und auf wel­che Fak­ten sich die Ein­schät­zung des Fak­ten­check-Teams der APA stützt. Wie kom­men wir zu unse­rer Beurteilung?

Nach dem Veri­fi­ka­ti­ons­pro­zess kann im Ide­al­fall fest­ge­stellt wer­den, ob die Infor­ma­tio­nen ein­deu­tig rich­tig oder falsch sind. Oft­mals führt die Über­prü­fung aller­dings nicht immer zu kon­kre­ten oder zwei­fels­frei­en Ergeb­nis­sen, sodass der­ar­tig abso­lu­te Bewer­tun­gen oft nicht mög­lich sind. Es ist sogar das Ziel eines jeden APA-Fak­ten­checks, einer­seits Quel­len zu fin­den, die eine Behaup­tung unter­mau­ern, ande­rer­seits auch wider­sprüch­li­che Quel­len gegen­über­zu­stel­len. Wir wol­len mit unse­ren Fak­ten­checks kei­ne Par­tei ergrei­fen und nicht nur eine Sei­te beleuch­ten, son­dern offen­le­gen, wel­che Fak­ten es gibt und unse­re Ein­schät­zung auf­grund die­ser recher­chier­ten Bele­ge treffen.

Aus die­sem Grund kann in der Ein­schät­zung einer Infor­ma­ti­on nicht immer von rich­tig oder falsch gespro­chen wer­den. Auch Abstu­fun­gen wie über­wie­gend rich­tig bzw. über­wie­gend falsch, nicht ein­schätz­bar oder auch indi­vi­du­el­le Bewer­tun­gen meh­re­rer Tei­le einer Behaup­tung sind mög­lich. Auf jeden Fall soll­te die Ein­schät­zung eine gute und kom­pak­te Zusam­men­fas­sung der Ergeb­nis­se der Über­prü­fung der Behaup­tung sein.

Trans­pa­renz, Unpar­tei­lich­keit und Qualitätssicherung

Trans­pa­renz hat bei den APA-Fak­ten­checks einen sehr hohen Stel­len­wert. Die Mit­glie­der des Fak­ten­check-Teams ver­su­chen, ihre Arbeit so nach­voll­zieh­bar wie mög­lich dar­zu­stel­len und wich­ti­ge Links für die Recher­che mit­zu­lie­fern. Alle Lese­rin­nen und Leser sol­len mit­hil­fe der bereit­ge­stell­ten Infor­ma­tio­nen selbst­stän­dig die Schrit­te der Veri­fi­ka­ti­on nach­ver­fol­gen können.

Die Aus­wahl für Fak­ten­checks kann in allen The­men­ge­bie­ten und in allen für die Gesell­schaft rele­van­ten Lebens­be­rei­chen erfol­gen. Ins­be­son­de­re bei poli­ti­schen Fak­ten­checks wird dar­auf geach­tet, bei Behaup­tun­gen ver­schie­de­ner Par­tei­en die­sel­ben Maß­stä­be anzu­set­zen und objek­tiv vor­zu­ge­hen. Die APA erfüllt ihre Auf­ga­ben unab­hän­gig von Staat, Regie­rung und Par­tei­en nach den Gebo­ten von Zuver­läs­sig­keit, Schnel­lig­keit und Aus­ge­wo­gen­heit und unter Ver­mei­dung jeg­li­cher Ein­sei­tig­keit und Par­tei­nah­me. Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Vor­ga­ben wählt das Fak­ten­check-Team die zu über­prü­fen­den The­men aus und führt den Fak­ten­check durch .

Bei poli­ti­schen The­men wird bei der Aus­wahl von Behaup­tun­gen beach­tet, dass eine Häu­fung von Fak­ten­checks zu ein­zel­nen Poli­ti­ke­rin­nen oder Poli­ti­kern oder zu ein­zel­nen Par­tei­en ver­mie­den wird. Soll­te ein poli­ti­scher Akteur in der jüngs­ten Ver­gan­gen­heit über­pro­por­tio­nal oft von APA-Fak­ten­check über­prüft wor­den sein, könn­ten zuerst Claims von ande­ren Per­so­nen oder Par­tei­en vor­ge­zo­gen wer­den, um eine ten­den­ziö­se Gesamt­aus­wahl zu ver­hin­dern – unter Berück­sich­ti­gung der Kri­te­ri­en Rele­vanz, The­men­la­ge und Aktua­li­tät. Es ist hier­bei zu beach­ten, dass sich das Vor­kom­men von Des­in­for­ma­tio­nen und rele­van­ten Behaup­tun­gen in gewis­sen Situa­tio­nen nicht gleich­mä­ßig auf alle Par­tei­en und/oder Poli­ti­ke­rin­nen und Poli­ti­ker verteilt.

Außer­dem ist es ein Ziel bei der Über­prü­fung von Behaup­tun­gen, die Quel­len hin­ter einer Infor­ma­ti­on zu kon­tak­tie­ren. Dies ist oft­mals sehr schwie­rig oder pro­ble­ma­tisch, wenn es um die Über­prü­fung von Social Media-Postings geht. Jedoch ver­sucht APA-Fak­ten­check vor allem bei der Über­prü­fung von poli­ti­schen Aus­sa­gen, mit der jewei­li­gen Politikerin/dem jewei­li­gen Poli­ti­ker oder sei­nen Spre­che­rin­nen und Spre­chern in Kon­takt zu tre­ten und ihr/ihm die Gele­gen­heit zu geben, Stel­lung zu beziehen.

Fak­ten­checks ent­ste­hen wie alle Tex­te der APA im Team und wer­den jeweils von min­des­tens zwei Per­so­nen erstellt. Haupt­säch­lich sind dafür die Mit­glie­der des APA-Fak­ten­check-Teams zustän­dig. Aber auch ande­re Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen der APA-Redak­ti­on kön­nen bei einem Fak­ten­check mit­wir­ken. Sie sind durch die lau­fen­de inter­ne Fort­bil­dung auch bes­tens mit den Veri­fi­ca­ti­on-Tools ver­traut und ver­rich­ten in ihrer täg­li­chen Arbeit ver­gleich­ba­re Auf­ga­ben. Sorg­fäl­ti­ge Recher­che und die Über­prü­fung von Fak­ten sind unum­gäng­li­che Bestand­tei­le und grund­le­gen­de Kom­po­nen­ten der jour­na­lis­ti­schen Tätigkeit.