apa.at
blog / Dienstag 05.01.21

APA Check Avatar Nadel bleibt nach Imp­fung nicht im Körper

Bild: APA/Hochmuth

Kri­ti­sche Bei­trä­ge zum The­ma Imp­fen haben in den Sozia­len Medi­en der­zeit Kon­junk­tur. Eini­ge Men­schen glau­ben gar an Fake-Imp­fun­gen oder dass nicht alles mit rech­ten Din­gen zugeht. Ein Face­book-User ver­brei­te­te zuletzt in einem Pos­ting, das über 21.000 Mal geteilt wur­de, ein kur­zes Video, in dem eine Impf-Sze­ne zu sehen ist. Als die Frau, die die Injek­ti­on ver­ab­reicht hat, die Sprit­ze her­aus­zieht, sieht man, dass die Nadel weg ist. Dar­aus schließt der User, dass die Nadel im Kör­per geblie­ben sein muss.

Zu über­prü­fen­de Infor­ma­ti­on: Bei der im Video zu sehen­den Imp­fung ver­bleibt die Nadel nach der Injek­ti­on im Körper.

Ein­schät­zung: Das ist falsch. Im Video ist eine Art von Imp­fung zu sehen, bei der die Nadel nach Ver­ab­rei­chen der Injek­ti­on wie­der in die Sprit­ze ein­ge­zo­gen wird. Das soll Nadel­stich-Ver­let­zun­gen vor­beu­gen und ver­hin­dert die Frei­le­gung der kon­ta­mi­nier­ten Nadel. Das Video wur­de im Bac­kus-Kran­ken­haus im US-Bun­des­staat Con­nec­ti­cut gedreht und zeigt, wie Mit­ar­bei­ter die ers­ten Dosen des Covid-19-Impf­stoffs erhalten.

Über­prü­fung: Nach Anga­ben der bri­ti­schen öffent­lich-recht­li­chen Rund­funk­an­stalt BBC stammt das Video aus einem ihrer Berich­te auf BBC TV von der Kalen­der­wo­che 51. Das Film­ma­te­ri­al zei­ge medi­zi­ni­sches Fach­per­so­nal bei der Ver­wen­dung einer Sicher­heits­sprit­ze („safe­ty syrin­ge”), bei der sich die Nadel nach der Ver­wen­dung in die Sprit­ze zurück­zie­he. Sicher­heits­sprit­zen sei­en seit mehr als einem Jahr­zehnt weit­ver­brei­tet im Ein­satz. Sie wür­den medi­zi­ni­sches Per­so­nal sowie Pati­en­ten vor Ver­let­zun­gen und Infek­tio­nen schüt­zen, heißt es in dem klar­stel­len­den Artikel.

Zudem teilt der Rund­funk Screen­shots des Vide­os, die ein­deu­tig dar­auf schlie­ßen las­sen, dass es sich bei dem Face­book-Video um jenes BBC-Mate­ri­al han­deln muss. Zu sehen ist die letz­te Sekun­de des Face­book-Vide­os, als die Frau die Sprit­ze her­aus­zieht. Sowohl der gold-gel­be Hin­ter­grund ist der­sel­be, als auch die Posi­ti­on der Hän­de der Frau und die hell­blau­en Hand­schu­he. Auch die blaue Arbeits­klei­dung der Frau mit einem bun­ten Logo drauf sowie das Gesichts­vi­sier und die gel­be Mas­ke sind gut zu erken­nen. Das ursprüng­li­che Video wird in dem BBC-Arti­kel nicht geteilt.

Das Logo auf der Arbeits­klei­dung der Frau wird vom Bac­kus Kran­ken­haus im US-ame­ri­ka­ni­schen Con­nec­ti­cut ver­wen­det. Der US-Fern­seh­sen­der WFSB 3, der Con­nec­ti­cut-spe­zi­fi­sche News macht, ver­öf­fent­lich­te am 15. Dezem­ber 2020 auf You­Tube ein Video, in dem zu sehen ist, wie Mit­ar­bei­ter des Bac­kus-Kran­ken­hau­ses die ers­ten Dosen des Covid-19-Impf­stoffs erhal­ten. Ab Sekun­de sechs ist die­sel­be Frau wie im Face­book-Video zu sehen, wie sie eine ande­re Frau impft. Der Bild­aus­schnitt ist etwas anders, die vor­her beschrie­be­nen Umge­bungs­merk­ma­le las­sen aber dar­auf schlie­ßen, dass die Sze­ne dort gedreht wurde.

In einem You­Tube-Video von „Vanish­Point”, einem Her­stel­ler von die­ser Art von Sprit­zen, ist bei Sekun­de 25 genau zu sehen, wie die Nadel nach der Injek­ti­on blitz­schnell wie­der in der Sprit­ze ver­schwin­det. In der Video-Beschrei­bung wer­den die Vor­tei­le davon erläu­tert: Durch das auto­ma­ti­sche Zurück­zie­hen der Nadel wür­den Nadel­stich-Ver­let­zun­gen vor­ge­beugt und die Frei­le­gung der kon­ta­mi­nier­ten Nadel ver­hin­dert wer­den. Auch der Her­stel­ler „BD Inte­gra” hat ein erklä­ren­des Video zu der Imp­fung auf YouTube.

Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) emp­fahl im Jahr 2020 zur Gewähr­leis­tung der Sicher­heit von Pati­en­ten bei Imp­fun­gen unter ande­rem die Ver­wen­dung von Nadeln, die sich unmit­tel­bar nach Ver­wen­dung zurück­zie­hen. Auch in ihren Emp­feh­lun­gen im Jahr 2016 ging die WHO auf die­se Art der Imp­fung ein (Sei­te 23).

Wenn Sie zum Fak­ten­check-Team Kon­takt auf­neh­men oder Fak­ten­checks zu rele­van­ten The­men anre­gen möch­ten, schrei­ben Sie bit­te an faktencheck@apa.at

Vale­rie Schmid/Florian Schmidt