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blog / Montag 18.05.20

APA Check Avatar Mehr Rad­fah­rer in Wien durch Coronakrise?

Die Förderung und der Ausbau des klimafreundlichen Radverkehrs ist den Grünen in Wien schon seit langem ein Anliegen. Diese Woche verkündeten die Grünen eine "Radoffensive 2020" (archiviert), bei der 30 Radinfrastrukturprojekte im Sommer umgesetzt werden sollen. Die Parteivorsitzende der Wiener Grünen und Vizebürgermeisterin, Birgit Hebein, begründet dies damit (archivierter Facebook-Post), dass in der Coronakrise immer mehr Menschen in Wien auf das Fahrrad umsteigen.

Zu überprüfende Information: Der Radverkehr ist durch die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in Wien angestiegen.

Einschätzung: Das stimmt, allerdings mit Einschränkungen. Insgesamt stieg die Anzahl der Radfahrer deutlich, allerdings gab es mehrere Stellen in Wien, wo der Radverkehr erheblich zurückging.

Überprüfung: Laut Mobilitätsreport Wien lag der Anteil der Fahrradnutzung unter den Wienerinnen und Wienern im Jahr 2019 bei sieben Prozent. 2010 hatte dieser Anteil noch bei fünf Prozent gelegen. Die Gesamtlänge des Wiener Radverkehrsnetzes betrug demnach im vergangenen Jahr 1.431 Kilometer.

Dass im Jahr 2020 mit ungewöhnlichen Zahlen zu rechnen sein wird, zeigt eine Auswertung von Nast Consulting (archiviert) für das erste Quartal 2020. Auf Nachfrage der APA erklärte das Unternehmen, das etwa Planungs- und Dienstleistungen im Bereich der Infrastrukturplanung anbietet, dass sich die abrufbaren Prozentwerte bei den Quartalszahlen auf die Vorjahreszahlen desselben Quartals und sich die Werte der Monatszahlen auf die Vorjahreszahlen desselben Monats beziehen. Hier zeigen sich sowohl Zu- als auch Abnahmen.

Es dürfte im ersten Quartal zu einer breiteren Verteilung des Radverkehrs auf die Wochentage gekommen sein, da laut der Statistik der Radverkehr an den Werkstagen um 5,4 Prozent, und an Samstagen um 7,8 Prozent zugenommen hat, an Sonn- und Feiertagen jedoch um 22,3 Prozent eingebrochen ist.

Für April 2020 zeigt diese Auswertung unterschiedliche Entwicklungen bei Radverkehrszählungen. In den Regionen Liesingbach (+107,4 Prozent), Donaukanal (+104,6 Prozent), Wienzeile (+84,8 Prozent), Lasallestraße (+40,5 Prozent), Langobardenstraße (+39,6 Prozent), Margaritensteig (+35,2 Prozent) und Praterstern (+25,1 Prozent) kam es an den Werkstagen zu erheblichen Zuwächsen. Die Bereiche Operngasse (-37,9 Prozent), Argentinierstraße (-27,2 Prozent), Pfeilgasse(-23,2 Prozent), Opernring (-11,2 Prozent) und Neubaugürtel (-3,1 Prozent) verzeichneten an Werkstagen Rückgänge.

Aktuelle Daten des VCÖ dokumentieren jedoch einen Anstieg des gesamten Radverkehrs in Wien im April 2020. Bei den 13 Zählstellen wurden in Summe 20 Prozent mehr Radfahrer gezählt als im April des Vorjahres. Bei neun Zählstellen wurden Zuwächse verzeichnet, bei vier Rückgänge. Die Zahl der Radfahrenden nahm an Werktagen um sieben Prozent zu, am Wochenende sogar um 64 Prozent.
Die VCÖ-Daten weisen gegenüber April 2019 Gesamtzuwächse in den Regionen Liesingbach (+118,6 Prozent), Donaukanal (+113,2 Prozent), Wienzeile (+108,2 Prozent), Lasallestraße (+53,5 Prozent), Langobardenstraße (+52,1 Prozent), Margaritensteg (+50,6 Prozent), Praterstern (+34,9 Prozent) und Neubaugürtel ( +9,7 Prozent) auf. Bei den Zählstellen Operngasse (-31,5 Prozent), Argentinierstraße (-18,2 Prozent), Pfeilgasse (-13,8 Prozent) sowie Opernring innen und außen (- 2,7 Prozent) kam es zu Rückgängen.

Diese dokumentieren Gesamtzuwächse könnten auch noch in der Zukunft bestehen bleiben. Laut einer aktuellen VCÖ-Umfrage wollen 26 Prozent der befragten Österreicher nach Abklingen der Covid-19-Pandemie mehr mit dem Rad fahren.

Der Sprecher der Verkehrsstadträtin Hebein, Georg Kehrer, erklärte auf Anfrage, dass die Auswertung der Zählstellen im April den Trend der vergangenen Jahre verdeutliche. Das Bauprogramm 2020 sei Teil einer langfristigen Planung. "Hier fließen Evaluierungen der vergangenen Situation, steigender Bedarf an bestimmten Strecken und Masterpläne (wie der "Masterplan Fahrradstraße") ein", so Kehrer. Da derzeit viele Menschen auf das Rad umsteigen, seien Planungen für wichtige Radinfrastrukturprojekte zusätzlich priorisiert und temporäre Maßnahmen umgesetzt worden.

Korrektur 18. März 2020: In der ursprünglichen Version wurde im letzten Absatz der Überprüfung der Sprecher der Verkehrsstadträtin Hebein, Georg Kehrer, fälschlicherweise als Mediensprecher der Grünen bezeichnet. Dies wurde korrigiert.

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Florian Schmidt/Valerie Schmid