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blog / Mittwoch 18.11.20

APA Check Avatar KH-Per­so­nal darf bei hohem Ct-Wert arbeiten

APA/Fohringer

Auf Face­book wird in einem über tau­send Mal geteil­ten Pos­ting behaup­tet, nach Anga­ben von Gesund­heits­mi­nis­ter Rudolf Anscho­ber (Grü­ne) dürf­ten „leicht posi­tiv Getes­te­te” zur Arbeit gehen. Nach der Arbeit müss­ten sie aber zuhau­se die Qua­ran­tä­ne einhalten.

Zu über­prü­fen­de Infor­ma­ti­on: Leicht auf das Coro­na­vi­rus posi­tiv Getes­te­te dür­fen arbei­ten gehen, müs­sen aber zuhau­se die Qua­ran­tä­ne einhalten.

Ein­schät­zung: Gesund­heits- und Pfle­ge­per­so­nal darf bei einem posi­ti­ven PCR-Test auf das Coro­na­vi­rus dann arbei­ten gehen, wenn der Ct-Wert über 30 ist. Das bedeu­tet, dass Per­so­nen mit einem sol­chen CT-Wert in der Regel nicht mehr anste­ckend sind. In Qua­ran­tä­ne müs­sen sie dann nicht mehr.

Über­prü­fung: Einer Pres­se­aus­sen­dung des Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums von 2. Novem­ber 2020 zufol­ge kön­nen SARS-CoV‑2 posi­ti­ve Per­so­nen „in der Regel frü­hes­tens 10 Tage nach Sym­ptom­be­ginn und 48 Stun­den Sym­ptom­frei­heit ohne wei­te­re Auf­la­gen aus der Qua­ran­tä­ne ent­las­sen wer­den und dür­fen somit auch ihrer Arbeit wie­der nach­ge­hen”. Für Gesund­heits- und Pfle­ge­per­so­nal gilt das auch, zusätz­lich müs­sen sie aber für den Arbeits­an­tritt einen nega­ti­ven PCR-Test oder einen soge­nann­ten Ct-Wert von über 30 nach­wei­sen. Die­se Rege­lung gibt es, weil Per­so­nen der Aus­sendung zufol­ge wochen­lang einen posi­ti­ven SARS-CoV-2-Test auf­wei­sen kön­nen, aber nicht mehr anste­ckend sind – was der Ct-Wert anzeigt.

Wie ein Pres­se­spre­cher des Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums der APA am 16. Novem­ber 2020 tele­fo­nisch mit­teil­te, han­delt es sich bei den betref­fen­den Per­so­nen um Gesund­heits- und Pfle­ge­per­so­nal, das „schon längst wie­der gene­sen” sei. Es kön­ne näm­lich sein, dass eine Per­son noch wochen­lang einen posi­ti­ven SARS-CoV-2-Test auf­wei­se, aber schon gene­sen sei, bestä­tig­te der Spre­cher. In dem Fall schaue man sich den soge­nann­ten Ct-Wert an.

Die­ser zeigt das Men­gen­maß vor­han­de­ner Virus-RNA an. Ab einem Wert von über 30 besteht in der Regel kei­ne Anste­ckungs­ge­fahr mehr, steht in der klar­stel­len­den Pres­se­aus­sen­dung. Gesund­heits- und Pfle­ge­per­so­nal, das also noch einen posi­ti­ven SARS-CoV-2-Test auf­weist, aber einen Ct-Wert von über 30 hat, darf arbei­ten gehen.

In Qua­ran­tä­ne müs­sen sol­che Per­so­nen nach ihrer Arbeit aber nicht mehr. Die­se endet wie bereits beschrie­ben so wie bei allen ande­ren Men­schen frü­hes­tens zehn Tage nach Sym­ptom­be­ginn und min­des­tens 48 Stun­den Symptomfreiheit.

Abwei­chun­gen gibt es je nach Krank­heits­ver­lauf, lässt sich der „Emp­feh­lung zur Ent­las­sung von COVID-19-Fäl­len aus der Abson­de­rung” ent­neh­men: War der Ver­lauf schwe­rer, sind mehr Bedin­gun­gen zu erfül­len, han­del­te es sich etwa um asym­pto­ma­ti­sche Per­so­nen, weni­ger. Das Schrei­ben basiert auf Emp­feh­lun­gen des deut­schen Robert Koch-Insti­tuts (RKI), wel­ches auf sei­ner Web­sei­te eben­falls unter bestimm­ten Bedin­gun­gen einen Ct-Wert über 30 als Ent­lass­kri­te­ri­um angibt.

„Nach wie vor ist damit selbst­ver­ständ­lich sicher­ge­stellt, dass infek­tiö­se Per­so­nen nicht im Gesund­heits- und Pfle­ge­be­reich arbei­ten”, heißt es in der Aus­sendung. Neu sei die­se Rege­lung zudem nicht, betont der Pres­se­spre­cher. Das Vor­ge­hen sei seit Mai so, es sei nur jetzt in der Ver­ord­nung noch ein­mal expli­zit dazu geschrie­ben worden.

Gemäß der COVID-19-Not­maß­nah­men­ver­ord­nung, die am 17. Novem­ber 2020 in Kraft trat und bis inklu­si­ve 6. Dezem­ber 2020 gilt, steht, dass der Betrei­ber einer „bet­ten­füh­ren­den Kran­ken­an­stalt und einer bet­ten­füh­ren­den Kur­an­stalt” im Fal­le eines posi­ti­ven Test­ergeb­nis­ses Mit­ar­bei­ter ein­las­sen dür­fe, wenn min­des­tens 48 Stun­den Sym­ptom­frei­heit vor­lie­gen und „auf Grund der medi­zi­ni­schen Labor­be­fun­de, ins­be­son­de­re auf­grund des CT-Werts >30, davon aus­ge­gan­gen wer­den kann, dass kei­ne Anste­ckungs­ge­fahr mehr besteht.”

Die Rege­lung sorg­te für ander­wei­ti­ge Kri­tik, wie der ORF berich­te­te. Kri­ti­siert wur­de bei­spiels­wei­se, dass sol­che Men­schen am Arbeits­platz einer wei­te­ren Belas­tung aus­ge­setzt wer­den würden.

Update am 20. Novem­ber 2020: Auch u.a. die Wie­ner Arbei­ter­kam­mer und die Gesund­heits­platt­form „Offen­si­ve Gesund­heit” kri­ti­sier­ten unter­des­sen gegen­über der APA, dass es durch die Rege­lung mög­li­cher­wei­se zu einer Gefähr­dung für Kol­le­gen oder Pati­en­ten am Arbeits­platz kom­men kön­ne und dass es Wider­sprü­che zwi­schen der COVID-19-Not­maß­nah­men­ver­ord­nung und der Emp­feh­lung zur Ent­las­sung von COVID-19-Fäl­len aus der Abson­de­rung gebe.

 

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Vale­rie Schmid/Florian Schmidt

 

AKTUA­LI­SIERT AM 2. DEZ. 2020 19:41