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blog / Freitag 12.02.21

Kei­ne ver­mehr­ten Todes­fäl­le in Gra­zer Seniorenheimen

APA/Kolb/Symbolbild
Seit dem Impf­start in Öster­reich wur­den bis­her vor allem Risi­ko­grup­pen in Alten­hei­men gegen das Coro­na­vi­rus geimpft. Obwohl bis­her kaum von Pro­ble­men zu hören war, wird von diver­sen Usern die Behaup­tung auf­ge­stellt, dass die Aus­wir­kun­gen kata­stro­phal sei­en. „75 wur­den geimpft! 9 leben noch!”, heißt es etwa in einem Face­book-Pos­ting (hier archi­viert). Es soll sich dabei um ein Senio­ren­heim in Graz handeln.

 

Zu über­prü­fen­de Infor­ma­ti­on: In einem Gra­zer Senio­ren­heim star­ben nach einer Imp­fung mehr als 60 Personen.

 

Ein­schät­zung: Es gibt kei­ne Hin­wei­se auf einen der­ar­ti­gen Vor­fall. Weder die Stadt Graz noch kon­tak­tier­te Senio­ren­hei­me bestä­tig­ten die vor­lie­gen­de Behaup­tung. Zudem sei es zu kei­nen ver­mehr­ten Todes­fäl­len nach der Imp­fung gekommen.

 

Über­prü­fung: Die Stadt Graz ver­wies auf Anfra­ge auf das Gra­zer Gesund­heits­amt, das für Toten­be­schau und Ster­be­sta­tis­tik der Stadt zustän­dig ist: „Dem Gra­zer Gesund­heits­amt ist kein ein­zi­ger Fall eines Senio­ren- oder Pfle­ge­hei­mes oder einer ande­ren Ein­rich­tung bekannt, in der es in den ver­gan­ge­nen 6 Wochen zu gehäuf­ten Todes­fäl­len gekom­men wäre.” Eben­falls gebe es kei­ne Hin­wei­se, dass es ver­mehr­te Todes­fäl­le nach Imp­fun­gen gege­ben hätte.
Die Zahl der Todes­fäl­le in öffent­li­chen und pri­va­ten Senio­ren- und Pfle­ge­hei­men wäre in den ver­gan­ge­nen Wochen ver­gleichs­wei­se unauf­fäl­lig gewe­sen, „da auch die Coro­na-Infek­ti­ons­fäl­le in Graz in die­sem Zeit­raum deut­lich zurück­ge­gan­gen sind”. Seit Ende Dezem­ber sei­en die durch­schnitt­li­chen Todes­fäl­le pro Tag in Gra­zer Senio­ren-Ein­rich­tun­gen des­we­gen sogar gesun­ken. Dies bestä­tigt auch ein Blick auf die gemel­de­ten Neu­in­fek­tio­nen. Die Aus­sa­gen der Stadt Graz auf APA-Anfra­ge fin­den sich seit 11. Febru­ar auch online auf ihrer Home­page.
Auf Anfra­ge beim Land Stei­er­mark wur­de der APA eine Stel­lung­nah­me von Chris­ti­an Schwarz, Lei­ter des Refe­rats Pfle­ge­ma­nage­ment, über­mit­telt. Dar­in bestä­tigt er, dass die Behaup­tung im Face­book-Pos­ting falsch sei und ver­weist eben­falls auf die Behör­den der Stadt Graz.
APA-Fak­ten­check hat zudem recher­chiert, wel­che Senio­ren­hei­me allei­ne wegen der Anzahl der Mit­be­woh­ner als mög­li­che Schau­plät­ze eines der­zei­ti­gen Vor­falls in Fra­ge kom­men wür­den und den Groß­teil davon kon­tak­tiert. Ant­wor­ten kamen bis zum Zeit­punkt der Ver­öf­fent­li­chung von den Betrei­bern GGZ, Cari­tas, des Pfle­ge­heims Graz-St. Peter und ADCURA.
Eine Spre­che­rin der Geschäfts­füh­rung der Ger­ia­tri­schen Gesund­heits­zen­tren der Stadt Graz (GGZ) bestä­tig­te, dass es in kei­nem der eige­nen Pfle­ge­hei­me zu einem Anstieg der Todes­fäl­le nach der Imp­fung kam. Bei den GGZ han­delt es sich um den größ­ten Betrei­ber von Senio­ren­hei­men in Graz.
Ver­tre­ter der Cari­tas ver­nein­ten auf Anfra­ge der APA zu den Hei­men Huber­tus­stra­ße und Straß­gang eben­falls, dass es in ihren Ein­rich­tun­gen zu sol­chen Todes­fäl­len gekom­men sei. Weder sei es nach den Imp­fun­gen zu ver­mehr­ten Todes­fäl­len gekom­men, noch sei von einem ande­ren Heim bekannt, dass es zu einem sol­chen Vor­fall gekom­men sei. Laut dem Haus­lei­ter des Pfle­ge­heims Straß­gang wur­den sogar in den „Ster­be­mo­na­ten“ Novem­ber bis Jän­ner in den letz­ten 5 Jah­ren noch nie so weni­ge Ster­be­fäl­le wie in den letz­ten Mona­ten verzeichnet.
Auch im Pfle­ge­zen­trum Graz-St.Peter sei es zu kei­nen ver­mehr­ten Todes­fäl­len gekom­men, ein der­ar­ti­ger Vor­fall sei auch aus ande­ren Hei­men nicht bekannt. Nie­mand sei nach den Imp­fun­gen ver­stor­ben. ADCU­RA ver­wies auf Anfra­ge auf die Daten der Stadt Graz und des Refe­rats Pflegemanagement.
Ant­wor­ten der ande­ren Gra­zer Pfle­ge­ein­rich­tun­gen mit grö­ße­ren Zah­len an Bewoh­nern waren zum Zeit­punkt der Fer­tig­stel­lung noch aus­stän­dig. Ein ver­mehr­tes Auf­tre­ten von Todes­fäl­len nach der Imp­fung kann aber weder von offi­zi­el­len Stel­len noch von ein­zel­nen kon­tak­tier­ten Pfle­ge­ein­rich­tun­gen bestä­tigt werden.
Einem Bericht des Bun­des­am­tes für Sicher­heit im Gesund­heits­we­sen (BASG) zufol­ge tra­ten in ganz Öster­reich im Berichts­zeit­raum 27.12.2020 bis 05.02.2021 ins­ge­samt nur 18 gemel­de­te Todes­fäl­le in einer zeit­li­chen Nähe zu einer Covid-19-Imp­fung auf. Bei zwei Pati­en­ten konn­te nach einer Obduk­ti­on ein Zusam­men­hang mit der Imp­fung aus­ge­schlos­sen wer­den. Bei drei Per­so­nen fiel die Imp­fung in die Inku­ba­ti­ons­zeit einer COVID-19-Erkran­kung. Bei sechs Men­schen bestan­den schwer­wie­gen­de Vor­er­kran­kun­gen, die ver­mut­lich todes­ur­säch­lich waren. Die ande­ren sie­ben Fäl­le wer­den noch untersucht.
Wenn Sie zum Fak­ten­check-Team Kon­takt auf­neh­men oder Fak­ten­checks zu rele­van­ten The­men anre­gen möch­ten, schrei­ben Sie bit­te an faktencheck@apa.at
Vale­rie Schmid/Florian Schmidt