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blog / Dienstag 06.10.20

APA Check Avatar Kein Beleg für Kin­der mit Lun­gen­pilz­in­fek­ti­on in Wien

Dass das Tragen von Masken an bestimmten Orten zur Verhinderung der Ausbreitung von Covid-19 bei einigen Menschen auf wenig Gegenliebe stößt, ist schon seit längerer Zeit klar. Maskengegner werden dabei nicht müde, auf angebliche Gesundheitsgefährdungen durch das Tragen der NMS-Masken hinzuweisen. Neu ist dabei eine oft geteilte Behauptung, dass derzeit alleine in Wien zehn Kinder mit einer Lungenpilzinfektion im Krankenhaus lägen (Beispiel 1Beispiel 2). Quelle soll eine nicht näher genannte Ärztin sein.

Zu überprüfende Information: In Wien sind zehn Kinder durch das Tragen von Masken an einer Lungenpilzinfektion erkrankt und befinden sich stationär in einem Krankenhaus.

Einschätzung: Es gibt keine Belege für diese Behauptung. In allen Spitäler mit Kinderambulanzen ist kein einziger Fall bekannt.

Überprüfung: In den geteilten Postings wird eine größere Anzahl von erkrankten und stationär behandelten Kindern erwähnt. Die Quelle für diese Fälle soll aber nur eine einzige Ärztin sein. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich, wenn diese Fälle existieren sollten, um ein Spital mit einer Kinderstation handeln muss.

Die Homepage der Österreichischen Gesundheitskasse und auf die Homepage der Ärztekammer für Wien listet insgesamt sieben Kinderambulanzen auf. Möglich wären somit das St.-Anna-Kinderspital, das Universitätsklinikum AKH Wien, die Klinik Ottakring (Wilhelminenspital), die Klinik Donaustadt (Donauspital im SMZ OST), die Klinik Favoriten (Kaiser-Franz-Josef-Spital), die Klinik Floridsdorf (Krankenhaus Nord) und die Klinik Landstraße (Krankenanstalt Rudolfsstiftung).

Sechs der erwähnten Spitäler gehören zum Wiener Gesundheitsverbund. Auf eine Anfrage der APA erklärte Frau Marion Wallner von dessen Unternehmenskommunikation, es gebe in den Kliniken des Gesundheitsverbundes "keine stationären Aufnahmen von Kindern mit Lungenpilzinfektionen, die durch das Tragen eines MNS hervorgerufen wären".

Frau Sabine Steigenberger vom St.-Anna-Kinderspital, das nicht zum Gesundheitsverbund gehört, erklärte nach Rücksprache mit dem ärztlichen Leiter Prof. Dr. Wolfgang Holter, dass «kein derartiger Fall bekannt ist». Somit ist in den Spitälern mit Kinderambulanz kein einziger Fall belegbar.

Damit ist es unwahrscheinlich, dass sich gleich mehrere Fälle an einem anderen Ort in Wien ereignet hätten. Dies hätte außerdem vermutlich zu einem medialen Interesse geführt, Medienberichte lassen sich jedoch nicht finden.

Eine anonyme Ärztin als Quelle lässt das Ausgangsposting darüber hinaus nicht recht vertrauenserweckend wirken. Auch lässt sich dadurch nicht eruieren, worauf die Quelle ihre Behauptungen stützt.

Auffällig ist die zeitliche Nähe zu ähnlichen Behauptungen in Deutschland, dass mehrere Kinder durch das Tragen der Masken verstorben seien. Die Gerüchte über tote oder erkrankte Kinder innerhalb eines Zeitraumes von wenigen Wochen oder sogar Tagen klingen doch eher unwahrscheinlich, wenn man bedenkt, wie lange die Gesellschaft nun bereits auf das Tragen von Masken zurückgreift.

Auch ein Faktencheck der AFP konnte keine Kinder mit Lungenpilzinfektionen in Wiener Spitälern aufspüren.

 

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Florian Schmidt/Sonja Harter

 

AKTUALISIERT AM 7. OKT. 2020 13:29