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blog / Mittwoch 22.04.20

APA Check Avatar Hilft UV-Strah­lung bei der Desinfektion?

APA/dpa/Symbolbild

Je länger die Corona-Krise dauert, desto mehr hoffen die Menschen auf Mittel, die das Virus bekämpfen. Zuletzt gab es vermehrt Berichte über die Wirkung von UV-Strahlung zur Bekämpfung des Virus. Auch in Sozialen Medien wird viel darüber diskutiert - Beispiel 1 (archiviert), Beispiel 2 (archiviert). Können UV-Strahlen bei der Desinfektion von Gegenständen, wie Masken, oder sogar auf der Haut verwendet werden?

 

Zu überprüfende Information: UV-Strahlung bietet eine Möglichkeit der Desinfizierung gegen Sars-CoV-2.

 

Einschätzung: Für die UVC-Strahlung stimmt das prinzipiell für die Desinfizierung von Gegenständen, für einen Laien ist die Verwendung von UVC-Strahlen etwa zur Desinfektion von Masken aber ungeeignet. Für die Haut sollte nicht auf UV-Strahlen zurückgegriffen werden.

 

Überprüfung: Es gibt drei Arten von UV-Strahlung: UVA, UVB und UVC. Die ersten beiden kennt man von der einfachen Sonneneinstrahlung. Übermäßiges Aussetzen der Sonne ist schädlich für die Haut und kann Hautkrebs verursachen. Daher rät die Weltgesundheitsorganisation (WHO) davon ab, UV-Lampen zur Desinfektion der Hände oder anderer Hautbereiche in der Corona-Krise zu verwenden.

 

Die dritte Form UVC ist noch gefährlicher, wird aber zum Glück von der Ozonschicht davon abgehalten, auf die Erdoberfläche zu gelangen. Diese dritte Form ist theoretisch in der Lage, genetisches Material zu zerstören, zum Beispiel jenes von Viruspartikeln, wie die britische öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt BBC schreibt. Daher könnte UVC-Strahlung für die Desinfektion von Gegenständen herangezogen werden. In einigen Bereichen in China passiert das sogar. Für Laien ist das aber nicht realistisch, denn es gibt noch keine Studien, die Aufschluss darüber geben, wie genau UVC auf das Coronavirus wirkt.

 

Eine Studie des Journal of Virological Methods aus dem Jahr 2004 untersuchte die Bestrahlung auf das mit dem Sars-CoV-2 verwandte SARS-Virus und kam zu dem Schluss, dass "mehr als 15 Minuten UVC-Behandlung das Virus inaktivierten, während UVA-Licht unabhängig von der Dauer der Exposition keinen Einfluss auf die Durchlässigkeit hatte." Die UV-Quellen waren bei dieser Studie in drei Zentimeter Entfernung platziert. Diese Ergebnisse fehlen bei Sars-CoV-2. Unklar ist, wie lange hier das Virus der UVC-Strahlung ausgesetzt sein müsste. Zudem bräuchte es für die Verwendung entsprechende Ausrüstung und Training.

 

Und auch sich oder einen Gegenstand der Sonneneinstrahlung - also der UVA oder UVB-Strahlung - auszusetzen, ist nicht zielführend. Denn auch hier ist die notwendige Dauer unklar, abhängige Faktoren sind zudem Tageszeit, Wetter, Jahreszeit und Ort. Und ist das Virus erst einmal im Körper, hilft sowieso keine UV-Strahlung mehr. Zudem gilt wie eingangs erwähnt: zu viel Sonnenlicht schadet der Haut, man würde seiner Gesundheit also unter Umständen mehr schaden als nutzen. Die Klinikgruppe EuroEyes warnt außerdem vor Schäden an den Augen durch die Verwendung von UV-Licht gegen das Coronavirus.

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Valerie Schmid/Florian Schmidt

AKTUALISIERT AM 25. MAI 2020 18:24