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blog / Freitag 03.12.21

APA Check Avatar Halt­bar­keits-Ände­rung bei Comirn­a­ty Routinevorgang

APA/AFP/Stache/Symbolbild

Über eine E‑Mail ist APA-Fak­ten­check auf ein The­ma auf­merk­sam gemacht wor­den, das der­zeit in sozia­len Medi­en kur­siert (1) und auch in einem vira­len Medi­en­bei­trag (2) ange­spro­chen wur­de. Dem­nach soll die Halt­bar­keit des Covid-Impf­stof­fes Comirn­a­ty „still und heim­lich” ver­län­gert wor­den sein. Dies sei im Tru­bel um den Lock­down und die Impf­pflicht unter­ge­gan­gen. Dar­über hin­aus wer­den Ver­glei­che zu Lebens­mit­tel-Skan­da­len gezo­gen, bei denen Ablauf­da­ten umeti­ket­tiert wor­den sind.

Ein­schät­zung: Die Ver­län­ge­rung der Halt­bar­keit bei Comirn­a­ty erfolg­te bereits im Sep­tem­ber und wur­de öffent­lich kom­mu­ni­ziert. Laut Bun­des­amt für Sicher­heit im Gesund­heits­we­sen (BASG) han­delt es sich um einen Rou­ti­ne­vor­gang, wie er öfters vor­kommt. Bei Lebens­mit­tel­skan­da­len wur­den rele­van­te Halt­bar­keits­richt­li­ni­en igno­riert, wäh­rend in die­sem Fall die Gül­tig­keit der Halt­bar­keit des Impf­stof­fes selbst neu eva­lu­iert wor­den ist.

Über­prü­fung: Zur Über­wa­chung der Sicher­heit von Impf­stof­fen gehört gera­de in die­sen Zei­ten eine regel­mä­ßi­ge Neu-Eva­lu­ie­rung des Umgangs mit die­sen Pro­duk­ten. Beim Impf­stoff Comirn­a­ty von Biontech/Pfizer kam es dabei bereits zu Dut­zen­den Ände­run­gen, die alle­samt trans­pa­rent von der EMA auf­ge­lis­tet wer­den (3). Auch das BASG (4) doku­men­tiert die wich­tigs­ten Ver­än­de­run­gen, bei Comirn­a­ty waren das in die­sem Jahr bereits elf Einträge.

Der EMA-Auf­lis­tung ist zu ent­neh­men, dass bereits im Sep­tem­ber die Halt­bar­keit für Comirn­a­ty bei einer Ultra­tief­küh­lung von unter minus 60 Grad Cel­si­us von sechs auf neun Mona­te erhöht wor­den ist. Die­se Ände­rung wur­de etwa vom BASG am 20. Sep­tem­ber kom­mu­ni­ziert, sowohl in Form einer Kurz­aus­sen­dung (5) als auch in einem Rote-Hand-Brief (6). Die Ände­rung wur­de also nicht „still und heim­lich” getrof­fen und fand auch nicht im Novem­ber statt, als ein neu­er Lock­down und eine Impf­pflicht für Öster­reich ange­kün­digt wor­den sind (7).

„Die Ver­län­ge­rung der Halt­bar­keits­dau­er ist ein nor­ma­ler Rou­ti­ne­vor­gang, der sehr oft bei rezent zuge­las­se­nen Impf­stof­fen und ande­ren Bio­lo­gi­ka erfolgt”, sag­te das BASG auf APA-Anfra­ge. Zum Zulas­sungs­zeit­punkt wer­de die Halt­bar­keits­dau­er basie­rend auf vor­han­de­nen Echt­zeit­da­ten aus Sta­bi­li­täts­stu­di­en fest­ge­legt, die da aber noch nicht been­det sei­en und ent­spre­chend eines vor­ab geneh­mig­ten Pro­to­kolls fort­ge­setzt wür­den. „In einem nach­fol­gen­den Ände­rungs­ver­fah­ren kann der Zulas­sungs­in­ha­ber unter Berück­sich­ti­gung neu­er Sta­bi­li­täts­da­ten (von spä­te­ren Zeit­punk­ten) um eine Ver­län­ge­rung der Halt­bar­keits­dau­er ansu­chen”, so das BASG.

Ein Ver­gleich mit Lebens­mit­tel­skan­da­len ist hier nicht ange­bracht. Bei den meis­ten Lebens­mit­tel­skan­da­len in den letz­ten Jah­ren han­del­te es sich um fal­sche Kenn­zeich­nun­gen (8) oder um die Umeti­ket­tie­rung des Min­dest­halt­bar­keits- oder Ver­brauchs­da­tums leicht ver­derb­li­cher bzw. fri­scher Lebens­mit­tel wie Fleisch und Gemü­se (9).

Dahin­ge­gen ist eine Umeti­ket­tie­rung vom Min­dest­halt­bar­keits­da­tum in vie­len ande­ren Fäl­len gar kein Pro­blem. Meh­re­re deut­sche Braue­rei­en ver­län­ger­ten etwa die­ses Jahr wegen des Coro­na-Lock­downs nach­träg­lich das Min­dest­halt­bar­keits­da­tum von Fass­bier um zwei Mona­te (10), was für das deut­sche Bun­des­amts für Ver­brau­cher­schutz und Lebens­mit­tel­si­cher­heit (11) kein Pro­blem dar­stellt, solan­ge die Her­stel­ler vor­her prü­fen, ob das Pro­dukt wei­ter­hin sicher ist. Auch die AGES (12) ver­weist dar­auf, dass ein Über­schrei­ten des Min­dest­halt­bar­keits­da­tums nicht bedeu­tet, dass ein Lebens­mit­tel nicht mehr ver­zehrt wer­den kann.

 

Quel­len

(1) Face­book-Pos­ting: http://​go​.apa​.at/​c​4​Z​C​U​6ac (archi­viert: https://​archi​ve​.md/​U​l​YCD)

(2) Weg­schei­der-Bei­trag: http://​go​.apa​.at/​X​w​l​r​D​YB9 (archi­viert: https://​archi​ve​.md/​G​i​h7A)

(3) Infor­ma­tio­nen zu Comirn­a­ty bei der EMA: http://​go​.apa​.at/​q​m​5​F​w​Am9 (archi­viert: https://​per​ma​.cc/​Y​A​3​D​-​C​7RF)

(4) Infor­ma­tio­nen zu Comirn­a­ty bei dem BASG: http://​go​.apa​.at/​G​U​f​F​2​tI5 (archi­viert: https://​archi​ve​.md/​i​Z​PpD)

(5) Kurz­aus­sen­dung BASG zu Ände­rung: http://​go​.apa​.at/​m​s​s​e​3​X9r (archi­viert: https://​archi​ve​.md/​R​h​aYT)

(6) Rote-Hand-Brief vom BASG: http://​go​.apa​.at/​0​x​3​d​7​Ame (archi­viert: https://​per​ma​.cc/​3​G​V​L​-​6​SYL)

(7) Klei­ne Zei­tung zu Lock­down und Impf­pflicht: http://​go​.apa​.at/​T​W​3​k​1​pUu (archi­viert: https://​archi​ve​.md/​4​N​E6X)

(8) „Presse”-Artikel zu Gam­mel­fleisch-Skan­dal: http://​go​.apa​.at/​U​I​V​q​4​ZWO (archi­viert: https://​archi​ve​.md/​w​G​dgz)

(9) „Focus”-Artikel zu Vor­wür­fen gegen Vapia­no: http://​go​.apa​.at/​W​g​W​u​V​z52 (archi­viert: https://​archi​ve​.md/​S​K​lLR)

(10) „Spie­gel-Arti­kel zu Umeti­ket­tie­rung bei Bier: http://​go​.apa​.at/​G​e​G​4​3​LgJ (archi­viert: https://​archi​ve​.md/​H​O​ZQK)

(11) Bun­des­amt für Ver­brau­cher­schutz und Lebens­mit­tel­si­cher­heit: http://​go​.apa​.at/​o​k​1​j​5​hJq (archi­viert: https://​archi​ve​.md/​n​Y​Fat)

(12) AGES: http://​go​.apa​.at/​x​M​t​V​t​rT2 (archi­viert: https://​archi​ve​.md/​b​T​VT8)

Wenn Sie zum Fak­ten­check-Team Kon­takt auf­neh­men oder Fak­ten­checks zu rele­van­ten The­men anre­gen möch­ten, schrei­ben Sie bit­te an faktencheck@apa.at

Flo­ri­an Schmidt /Antonia Potucek