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blog / Sonntag 15.03.20

APA Check Avatar Haben sich Hun­der­te Skan­di­na­vi­er beim Ski-Urlaub in Tirol mit SARS-CoV‑2 („Coro­na-Virus”) angesteckt?

Im Laufe des Samstag haben sich, ausgehend von einem Bericht des Nachrichtenmagazins "profil" (archiviert) auf sozialen Medien Behauptungen vermehrt, wonach sich unzählige skandinavische Gäste beim Skiurlaub in Tirol, vor allem Ischgl, mit dem Corona-Virus angesteckt hätten. Zudem wurde unter Berufung auf isländische Medien verbreitet, die isländischen Behörden hätten den Tiroler Ski-Ort Ischgl bereits am 5. März zum Hochrisikogebiet erklärt. Aufgrund der Brisanz des viel diskutierten Themas wollen wir uns in einem APA-Faktencheck die Fakten ansehen.
Zu überprüfende Information: Hunderte skandinavische Urlauberinnen und Urlauber sind mit einer Corona-Infektion aus Österreich zurückgekehrt, Island hat Ischgl bereits als Risikogebiet definiert, während sich dort noch isländische Gäste aufhielten.
Einschätzung: Das ist auf Basis der von den Behörden in Dänemark, Schweden, Norwegen und Island veröffentlichten Informationen richtig.
Überprüfung: Die norwegische Gesundheitsbehörde veröffentlichte am 14. März ein Status-Update zu COVID-19-Fällen. Demnach haben sich von 709 Erkrankten 459 in Österreich angesteckt.
Der schwedischen Gesundheitsbehörde zufolge (Stand 14. März) steckten sich 171 Personen (von insgesamt 924) in Österreich an.
Das dänische "Staatliche Serumsinstitut" (Statens Serum Institut) vermeldete am 13. März 785 COVID-19-Fälle und gab für 265 Österreich als Ansteckungsland an.
Die isländische Gesundheitsdirektion gab am 5. März bekannt, dass Ischgl in Tirol zur Gruppe "definierter Risikobereiche" gehöre. Personen, die sich dort ab 29. Februar aufgehalten hatten, wurden ersucht, sich in eine 14-tägige Quarantäne gegeben.

Weder Island noch Finnland veröffentlichten Angaben über die Ansteckungsorte der im jeweiligen Land definierten Erkrankungen.

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Katharina Schell/Florian Schmidt
AKTUALISIERT AM 27. MAI 2020 20:18