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blog / Freitag 29.01.21

FFP2-Mas­ken schüt­zen vor Corona-Viren

In Öster­reich gilt seit dem Inkraft­tre­ten der 3. Covid-19-Not­maß­nah­men­ver­ord­nung am 25. Jän­ner 2021 das Tra­gen einer FFP2-Mas­ke ohne Aus­atem­ven­til in vie­len öffent­li­chen Berei­chen als ver­pflich­tend. Begrün­det wer­den die­se und ande­re Maß­nah­men­ver­schär­fun­gen vom Gesetz­ge­ber mit der höhe­ren Anste­ckungs­ge­fahr durch die Virus­mu­ta­ti­on B.1.1.7.
In Sozia­len Medi­en kur­sie­ren jedoch seit gerau­mer Zeit Postings mit Aus­zü­gen aus Gebrauchs­an­wei­sun­gen für ent­spre­chen­de Atem­schutz­mas­ken, in denen es heißt, die­se wür­den nicht vor Viren schützen.

Zu über­prü­fen­de Infor­ma­ti­on: FFP2-Mas­ken schüt­zen nicht vor Viren und spe­zi­ell nicht vor SARS-CoV-2-Viren. Das ist Gebrauchs­an­wei­sun­gen von sol­chen Mas­ken zu entnehmen.

Ein­schät­zung: Die­se Behaup­tung ist nicht zutref­fend. Die Fil­ter von FFP2-Mas­ken schüt­zen durch­aus vor Viren. Bei den Hin­wei­sen in den Gebrauchs­an­wei­sun­gen dürf­te es vor allem um Haf­tungs­fra­gen gehen.

Über­prü­fung: In dem bereits ange­führ­ten Face­book-Pos­ting und auch in ande­ren Bei­trä­gen in den Sozia­len Medi­en wird das frag­li­che Bild eines Aus­zu­ges aus einer Gebrauchs­an­wei­sung weder mit Quel­le noch mit Datum ver­se­hen. Auch das kon­kre­te Pro­dukt und der Her­stel­ler sind dem Aus­zug nicht zu ent­neh­men. Es lässt sich daher nicht nach­voll­zie­hen, ob an dem Bild etwas geän­dert wur­de und ob die Anga­ben noch aktu­ell sind. Im Inter­net las­sen sich aber gleich­lau­ten­de oder ähn­li­che Anga­ben zu ver­schie­de­nen Atem­schutz­mas­ken bei Online-Händ­lern fin­den. Zu fin­den ist auch eine Gebrauchs­an­wei­sung des deut­schen Her­stel­lers Uvex, die den ent­spre­chen­den Hin­weis „Nicht gegen Par­ti­kel radio­ak­ti­ver Stof­fen, Viren und Enzy­me” enthält.

Eine Rück­fra­ge beim Her­stel­ler ergibt, dass der Grund für den Hin­weis vor allem Haf­tungs­fra­gen zu sein schei­nen. Uvex-Pro­dukt­ma­na­ger Wolf Wag­ner bestä­tigt gegen­über der APA fol­gen­de Erklä­rung, die er bereits Fak­ten­che­ckern des Baye­ri­schen Rund­funks gab: „FFP2-Mas­ken sind ursprüng­lich Arbeits­schutz­mas­ken, die im Hand­werk ein­ge­setzt wer­den. Sie wer­den des­halb stan­dard­mä­ßig nicht dar­auf getes­tet, dass sie vor Viren wie dem SARS-CoV-2-Virus schüt­zen. Daher über­neh­men wir kei­ne Haf­tung für die­se Art der Nut­zung.” Des­we­gen wür­den die Pro­duk­te auch nicht als „Coro­na-Mas­ken” beworben.

Auch nach Anga­ben des deut­schen Bun­des­in­sti­tuts für Arz­nei­mit­tel und Medi­zin­pro­duk­te (BfArM) sind FFP2-Mas­ken Gegen­stän­de der per­sön­li­chen Schutz­aus­rüs­tung (PSA) im Rah­men des Arbeits­schut­zes. Sie sei­en ursprüng­lich als soge­nann­te „Staub­schutz­mas­ke” aus dem Bereich des Hand­werks bekannt. Auf­grund ihrer Fil­ter­leis­tung attes­tiert das BfArM FFP-Mas­ken den­noch, „den Trä­ger der Mas­ke vor Par­ti­keln, Tröpf­chen und Aero­so­len” zu schützen.

FFP2-Mas­ken sind im Unter­schied zu FFP3-Mas­ken „kei­ne viren­dich­ten Mas­ken”, erläu­tert der Viro­lo­ge Nor­bert Nowotny von der Vete­ri­när­me­di­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien im Gespräch mit der APA. Das habe mit der gerin­ge­ren Anzahl an Fil­ter­schich­ten zu tun. Den­noch wür­den FFP2-Mas­ken vor Viren schüt­zen. Die Poren­grö­ße der Fil­ter lie­ge bei 600 Nano­me­ter. SARS-CoV-2-Viren sind zwar nur 100 bis 120 Nano­me­ter groß, erklärt Nowotny, sie bewe­gen sich in der Luft aber in Form kleins­ter Tröpf­chen (Aero­so­le) oder haf­ten an Staub­par­ti­keln an. Die­se sei­en in der Regel grö­ßer als 600 Nano­me­ter und wür­den daher auch von FFP2-Mas­ken abgefangen.

Die Fil­ter­leis­tung der ver­schie­de­nen FFP-Mas­ken muss in spe­zi­el­len Prüf­ver­fah­ren bestä­tigt wer­den. So müs­sen FFP2-Mas­ken in Tests min­des­tens 94 Pro­zent der Prüf­a­e­ro­so­le fil­tern um die euro­päi­sche Norm EN 149:2001+A1:2009 zu erfül­len, FFP-3-Mas­ken sogar 99 Pro­zent, infor­miert das BfArM. Die Tests wer­den zwar nicht mit Viren durch­ge­führt, son­dern mit Prüf­a­e­ro­so­len. Dar­aus kann aber auf die Infek­ti­ons­schutz­wir­kung von Par­ti­kel­fil­tern rück­ge­schlos­sen wer­den, heißt es in einem Bei­trag der FH Müns­ter. Die Prüf­norm ist, gemein­sam mit dem CE-Kenn­zei­chen und der vier­stel­li­gen Kenn­num­mer des Prüf­in­sti­tuts, auf der Ober­flä­che der FFP-Mas­ke auf­ge­druckt. Beim Kauf soll­te man auf die kor­rek­te Kenn­zeich­nung ach­ten, so das BfArM und die Deut­sche Bun­des­an­stalt für Arbeits­schutz und Arbeits­me­di­zin (BAuA).

Jetzt stellt sich noch die Fra­ge, ob man nicht die bes­se­ren FFP3-Mas­ken ver­wen­den soll­te. Der dich­te­re Fil­ter habe den Nach­teil, erläu­tert Exper­te Nowotny, dass man ohne Aus­atem­ven­til damit schwer atmen kann. Mas­ken ohne Ven­til wür­den aber nicht nur den Mas­ken­trä­ger vor Viren schüt­zen, son­dern auch das Umfeld vor Viren des Trä­gers. Daher sei­en FFP2-Mas­ken ohne Ven­til im Kampf gegen die Coro­na-Pan­de­mie bes­ser geeignet.

Im Gesund­heits­be­reich wer­den FFP2-Mas­ken bereits seit län­ge­rem ein­ge­setzt und von Orga­ni­sa­tio­nen wie dem Robert Koch-Insti­tut (RKI) und der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) emp­foh­len. Im All­tags­be­reich sind die Emp­feh­lun­gen nicht so eindeutig.

Das RKI etwa weist auf sei­ner Web­sei­te dar­auf hin, dass außer­halb des Gesund­heits­we­sens noch kei­ne Unter­su­chun­gen zu den gesund­heit­li­chen Aus­wir­kun­gen des Tra­gens von FFP2-Mas­ken durch­ge­führt wor­den sei­en. Bei der Anwen­dung durch Lai­en müs­se u.a. sicher­ge­stellt sein, dass „die indi­vi­du­el­le gesund­heit­li­che Eig­nung sicher­ge­stellt ist und der Dicht­sitz und die kor­rek­te Hand­ha­bung gewähr­leis­tet ist.” Die BAuA emp­fiehlt aktu­ell das Tra­gen von FFP2-Mas­ken außer­halb des Gesund­heits­we­sens bei „sons­ti­gen Tätig­kei­ten” zur Erhö­hung des Eigen­schut­zes oder wenn das Gegen­über kei­nen Mund-Nasen-Schutz trägt.

Dem Viro­lo­gen Nowotny ist noch kei­ne Stu­die bekannt, die eine Wir­kung des breit­flä­chi­gen Ein­sat­zes von FFP2-Mas­ken bei der Ein­däm­mung der Coro­na-Pan­de­mie bestä­ti­gen wür­de. Aber die zuvor beschrie­be­ne Wir­kungs­wei­se der Mas­ken gel­te „all­ge­mein für vira­le Atemwegserreger”.

Das bele­gen mitt­ler­wei­le auch zahl­rei­che Stu­di­en. Eine Meta­ana­ly­se von „The Lan­cet” von Juni 2020 kam etwa zu dem Schluss, dass die Ver­wen­dung von Gesichts­mas­ken zu einer star­ken Ver­rin­ge­rung des Infek­ti­ons­ri­si­kos füh­ren kann. Noch stär­ker zeig­te sich der Effekt dem­nach bei N95-Mas­ken. Die­se sind gleich­wer­tig mit FFP2-Masken.

Einer im Okto­ber 2020 ver­öf­fent­lich­ten japa­ni­schen Stu­die der „Ame­ri­can Socie­ty for Micro­bio­lo­gy” zufol­ge haben sowohl Stoff­mas­ken als auch OP-Mas­ken und N95-Mas­ken eine schüt­zen­de Wir­kung in Bezug auf die Über­tra­gung infek­tiö­ser Tröp­fen bzw. Aero­so­le von SARS-CoV‑2. Die N95-Mas­ke war dabei die sicherste.

Gera­de bei der der­zeit hohen Virus-Zir­ku­la­ti­on in der Bevöl­ke­rung macht es laut Nowotny „viel Sinn, dass sich Men­schen in der Öffent­lich­keit mit der FFP2-Mas­ke schüt­zen”. Zu die­ser Jah­res­zeit sei beson­ders wich­tig, dass Mas­ken auch vor kleins­ten virus­hal­ti­gen Tröpf­chen in der Luft schüt­zen, die in schlecht gelüf­te­ten Innen­räu­men auf­tre­ten. Auf­grund der neu­en Virus­va­ri­an­ten, die ver­mehrt zir­ku­lie­ren, sei deren Ver­wen­dung „noch mehr zu empfehlen”.

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Gre­gor Hochrieser/Valerie Schmid/Florian Schmidt