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blog / Freitag 26.08.22

APA Check Avatar Falsch­be­haup­tun­gen über Wald­brän­de und Windparks

APA/dpa/Symbolbild

Seit Wochen kursiert in sozialen Medien ein Bildvergleich von angeblichen Aufnahmen aus Spanien, die zeigen sollen, dass auf die Fläche von Waldbränden Windräder gebaut wurden. User sehen darin einen vorsätzlichen Plan: Waldfläche wird absichtlich abgefackelt, um Windparks zu errichten. "Die günstigste Möglichkeit Bauland zu schaffen", wird dabei kommentiert. In Wirklichkeit ist sehr vieles an den mittlerweile massenhaft gesichteten Behauptungen (1) falsch.

Einschätzung

Die Fotos stammen gar nicht aus Spanien, sondern aus Griechenland. Dort wurden in der Nähe eines von einem Waldbrand betroffenen Gebietes Windräder errichtet, die bereits vor dem Brand genehmigt waren.

Überprüfung

"Die Spanier sind wach geworden. Eine Waldbrandfläche darf erst nach 30 Jahren bebaut werden. Die Zahl der 'Waldbrände' ging nun in wenigen Wochen erheblich zurück". Mit diesem Text unterstellen mehrere User, dass in Spanien vorsätzlich Waldbrände gelegt wurden, um Baufläche zu erschließen. Die beiden Fotos sollen dies beweisen. Allerdings hält fast nichts an diesem Vorwurf der Überprüfung stand.

Die größte Unrichtigkeit ist die Verortung der Bilder. Diese sind gar nicht in Spanien entstanden, sondern in Griechenland. Der Aufnahmeort befindet sich in der Nähe der Hafenstadt Patras. Dies kann auch durch die idente Brücke und die Bergformation bei Online-Kartendiensten abgeglichen werden (2).

Somit hat auch das spanische Gesetz, wonach Waldbrandfläche 30 Jahre nicht bebaut werden darf, hier keine Gültigkeit. Dieses wurde auch nicht vor kurzem eingeführt, wie das Posting impliziert, sondern besteht schon seit längerer Zeit (3). Im Jahr 2015 wurde es sogar wieder gelockert (4).

In Griechenland hat nicht erst der Waldbrand den Bau des Windparks ermöglicht. "Das Feuer, das im Sommer 2017 ausbrach, hatte nichts mit der Errichtung des Windparks zu tun", sagte der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Andirrio im Juli 2018 (5). Die Baugenehmigung war bereits zuvor erfolgt, wie die Faktenchecker von "Ellinika Hoaxes" recherchiert haben (6).

Darüber hinaus ereignete sich der Waldbrand gar nicht an derselben Stelle, wo heute die Windräder stehen. "Ellinika Hoaxes" verweisen auf Bildmaterial, wonach sich die Brände auf den Hängen der dortigen Berge abspielten. Windparks hingegen würden eher auf Bergkämmen aufgestellt, wo es keinen Windschutz gibt. Dies bestätigen auch andere Aufnahmen des betroffenen Windparks (7).

Links

(1) Beitrag auf Telegram: http://go.apa.at/w3sxbQSo (archiviert: https://archive.ph/n8Y99)

(2) Ort bei Google Maps: http://go.apa.at/dUr865r4 (archiviert: https://archive.ph/hj1v5)

(3) vol.at-Artikel von 2004: http://go.apa.at/gV16eiMf (archiviert: https://perma.cc/BD2Q-W3XU)

(4) Standard-Artikel von 2015: http://go.apa.at/D5w0FWiA (archiviert: https://perma.cc/AY4S-ZFSY)

(5) Artikel von "The Best": http://go.apa.at/bZYdhUEl (archiviert: https://perma.cc/XCN4-ZEX3)

(6) Faktencheck von "Ellinika Hoaxes": http://go.apa.at/pit1pVt9 (archiviert: https://perma.cc/2SB5-9255)

(7) Fotos des Windparks: http://go.apa.at/YFcCQiTp (archiviert: https://archive.ph/YEckc)

Wenn Sie zum Faktencheck-Team Kontakt aufnehmen oder Faktenchecks zu relevanten Themen anregen möchten, schreiben Sie bitte an faktencheck@apa.at

Florian Schmidt / Stefan Rathmanner