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blog / Freitag 26.02.21

APA Check Avatar Dia­log zwi­schen Teu­feln nicht von Autor C.S. Lewis

APA/AFP

In sozia­len Netz­wer­ken kur­siert ein ver­meint­li­cher Aus­zug aus einem Werk des iri­schen Schrift­stel­lers und Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­lers Cli­ve Stap­les Lewis (1898–1963), der durch sei­ne Kin­der­buch­rei­he „Die Chro­ni­ken von Nar­nia“ gro­ße Berühmt­heit erlangte.

 

In die­sem oft geteil­ten Text (Bei­spiel 1Bei­spiel 2Bei­spiel 3) fragt ein jun­ger Teu­fel einen älte­ren Teu­fel, wie es ihm denn gelang, „so vie­le See­len in die Höl­le zu schi­cken“. Die Ant­wort des älte­ren Teu­fels liest sich wie eine maß­ge­schnei­der­te, düs­te­re Beschrei­bung der aktu­el­len welt­wei­ten Coro­na-Situa­ti­on mit all ihren Vor­sichts­maß­nah­men. Der Text soll aus einem Werk namens „Bala­mut Let­ters“ aus dem Jahr 1941 stammen.

Zu über­prü­fen­de Infor­ma­ti­on: Die geteil­te Text­pas­sa­ge wur­de von C.S. Lewis im Jahr 1941 verfasst.

Ein­schät­zung: Der Text stammt nicht von Lewis. Meh­re­re Lite­ra­tur­ex­per­ten und Uni­ver­si­täts­lek­to­ren ver­wei­sen schon seit Jah­ren dar­auf, dass Lewis‘ spe­zi­el­ler Erzähl­stil die­ses Wer­kes ger­ne kopiert und imi­tiert, nicht immer aber als Neu­in­ter­pre­ta­ti­on gekenn­zeich­net wird.

Über­prü­fung: Die C.S. Lewis Foun­da­ti­on ver­wies bereits im Juni 2020 in einem Face­book-Pos­ting dar­auf, dass es kei­ne Hin­wei­se auf die Echt­heit der Zei­len gibt. Das Pos­ting kur­siert auch in einer eng­lisch­spra­chi­gen Ver­si­on, die von der Stif­tung zitiert wird. Dort wird als Quel­le das Werk „The Devil’s Let­ters to His Nephew“ zitie­ren – doch ein Buch die­ses Titels hat Lewis nie geschrieben.

Als Grund­la­ge für die kur­sie­ren­den Tex­te wird von Exper­ten Lewis‘ Buch „The Screw­tape Let­ters“ ange­nom­men laut Exper­ten, das Lewis erst­mals 1941 in eng­li­schen Kir­chen­zei­tung „Guar­di­an“ ver­öf­fent­lich­te und 1942 erst­mals in Buch­form erschie­nen ist. Die­ses Buch trägt in Über­set­zun­gen unter­schied­li­che Titel.

Der Titel des in eng­li­scher Spra­che kur­sie­ren­den Texts lei­tet sich wohl von der spa­ni­schen Über­set­zung „Car­tas del dia­blo a su sobri­no“ („Brie­fe des Teu­fels an sei­nen Nef­fen“) ab. Die bis heu­te ver­wen­de­te deut­sche Über­set­zung des Buches trägt den Titel „Dienst­an­wei­sung für einen Unter­teu­fel (in frü­he­ren Aus­ga­ben „Dämo­nen im Angriff. 31 Briefe“).

Der Titel des im obi­gen Pos­ting „zitier­ten“ Werks lau­tet „Bala­mut Let­ters“. Dabei han­delt es sich um den rus­sisch­spra­chi­gen Buch­ti­tel, das belegt auch der Ein­trag in der rus­si­schen Wiki­pe­dia. In der rus­si­schen Ver­si­on des Buches wer­den die Haupt­fi­gu­ren Screw­tape und Worm­wood Bala­mut und Gnu­sik genannt. Als Autor wird im rus­si­schen gele­gent­lich ver­kürzt „Cli­ve Lewis“ ange­ge­ben, auch das ist deckungs­gleich mit dem Namen aus dem Pos­ting. Das legt nahe, dass die „Quel­le“ des Postings rus­sisch­spra­chig war.

Dafür, dass der online kur­sie­ren­de Aus­zug aus Lewis‘ „Screw­tape Let­ters“ stammt, gibt es kei­ner­lei Bele­ge. Mit kei­nem der Such­be­grif­fe des­sel­ben Tex­tes in eng­li­scher Spra­che, wie ihn die C.S. Lewis Foun­da­ti­on gepos­tet hat, lässt sich der Text in dem 64 Sei­ten umfas­sen­den Werk fin­den – nicht ein­mal auszugsweise.

Sehr wohl beweist Lewis in sei­nem Vor­wort jedoch Weit­blick, aller­dings ganz ande­rer Art: Er warnt davor, dass es ein­fach wäre, die Art und Wei­se, in der die „Screw­tape Let­ters“ ver­fasst sind, zu kopie­ren: „The sort of script which is used in this book can be very easi­ly obtai­ned by anyo­ne who has once lear­ned the knack; but dis­po­sed or exci­ta­ble peop­le who might make a bad use of it shall not learn it from me.“

Exakt dar­auf gehen auch die Lewis-Exper­ten Wil­liam O’Flaherty und Bren­ton Dickie­son ein. Letz­te­rer, ein Uni­ver­si­täts­lek­tor aus Kana­da, beschreibt in sei­nem Blog, dass er sei­ne Stu­den­ten ger­ne Brie­fe in der Art der „Screw­tape Let­ters“ ver­fas­sen lässt. Er beschreibt die Auf­ga­ben­stel­lung als Ver­fas­sen „zeit­ge­nös­si­scher Rat­schlä­ge zur spi­ri­tu­el­len Bil­dung oder Kri­tik der Kul­tur aus einer dämo­ni­schen Perspektive“.

Im Inter­view mit Dickie­son spricht auch O’Flaherty den Reiz an der leich­ten Kopier­bar­keit der „Screw­tape Let­ters“ an. Der US-Ame­ri­ka­ner hat sogar ein eige­nes Buch zu der The­ma­tik ver­fasst. In einem Blog­ein­trag vom Juni 2020 geht er ins­be­son­de­re auf die Situa­ti­on der kur­sie­ren­den, fal­schen Lewis-Zita­te im Zusam­men­hang mit der Coro­na-Pan­de­mie ein. In einem dort ein­ge­bet­te­ten You­tube-Video bestä­tigt er auch die The­se, dass der fal­sche eng­li­sche Titel in den Postings sich über die spa­ni­sche Über­set­zung her­lei­ten lässt.

Die C.S. Lewis Foun­da­ti­on schließt aus, dass es sich bei den kur­sie­ren­dem Text um Lewis‘ For­mu­lie­run­gen han­delt. Trotz der nie­der­schwel­li­gen Mög­lich­keit, die „Screw­tape Let­ters“ zu imi­tie­ren, sei der Text zu weit weg von Lewis‘ Art zu schrei­ben. O’Flaherty gibt zudem in sei­nem Blog-Ein­trag zu beden­ken, dass nicht alle, die im Sti­le Lewis Tex­te ver­fas­sen, dies unter eige­nem Namen machen – teil­wei­se ganz bewusst. Auch er schließt aus, dass es sich in den kur­sie­ren­den Postings um Lewis‘ Wor­te handelt.

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Ste­fan Rathmanner/Florian Schmidt