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blog / Freitag 24.09.21

Des­in­for­ma­ti­on in vor Schu­len ver­teil­tem Impf-Flyer

APA/Symbolbild

In den ver­gan­ge­nen Tagen sind vor Wie­ner Schu­len Fly­er (1,2,3,4) ver­teilt wor­den, die auf die angeb­li­chen Gefah­ren der Coro­na-Imp­fung hin­wei­sen sowie schar­fe Kri­tik an den Maß­nah­men äußern. Die mehr­sei­ti­gen Fly­er ent­hal­ten zahl­rei­che Falsch­be­haup­tun­gen, die Schü­le­rin­nen und Schü­ler ver­un­si­chern kön­nen. Laut dem Logo steckt der Ver­ein „Platt­form Respekt” dahin­ter. APA-Fak­ten­check über­prüft die wich­tigs­ten Behauptungen.

Ein­schät­zung: Die ver­teil­ten Fly­er ent­hal­ten zahl­rei­che fal­sche und irre­füh­ren­de Behaup­tun­gen. Der Ver­ein hin­ter den Fly­ern wur­de bereits in der Ver­gan­gen­heit auf­grund frag­wür­di­ger Inhal­te auffällig.

Über­prü­fung:

Zulas­sung der Corona-Impfstoffe

Alle in der EU zuge­las­se­nen Coro­na-Impf­stof­fe wur­den umfas­send über­prüft und wer­den wei­ter über­wacht. Auf­grund der Dring­lich­keit der Pan­de­mie erfolg­te die beding­te Markt­zu­las­sung der Imp­fun­gen so schnell wie mög­lich, den­noch wur­den alle rele­van­ten Pha­sen (5) durch­lau­fen. Grund­sät­ze von Qua­li­tät, Sicher­heit und Wirk­sam­keit wur­den dabei gewahrt, schreibt unter ande­rem die EU-Kom­mis­si­on (6), die die Zulas­sung der Impf­stof­fe nach einer posi­ti­ven Emp­feh­lung der Euro­päi­schen Arz­nei­mit­tel-Agen­tur (EMA), genehmigt.

Auch die EMA (7) betont, eine beding­te Markt­zu­las­sung garan­tie­re, dass das Arz­nei­mit­tel stren­gen EU-Stan­dards ent­spre­che. An die Sicher­heit von Covid-19-Impf­stof­fen wür­den die­sel­ben Anfor­de­run­gen gestellt wie an jeden ande­ren in der EU zuge­las­se­nen Impf­stoff, teilt die Agen­tur an ande­rer Stel­le (8) mit. Die kli­ni­sche Pha­se, zu der auch die im Fly­er ange­spro­che­ne Pha­se-3-Stu­die gehört, wur­de bereits vor län­ge­rer Zeit abge­schlos­sen (9).

Wirk­sam­keit der Impfungen

Die hohe Schutz­wir­kung der Imp­fun­gen wur­de mitt­ler­wei­le belegt, wie Stu­di­en (10,11) zei­gen (Anm. eine Stu­die wur­de noch nicht peer-review­ed). Dem aktu­el­len Bericht (12) der Öster­rei­chi­schen Agen­tur für Ernäh­rungs­si­cher­heit (AGES) zufol­ge sind von 184.872 sym­pto­ma­ti­schen Coro­na-Fäl­len in Öster­reich seit Anfang Febru­ar 2021 bei Per­so­nen über 12 Jah­ren 11.442 Per­so­nen voll­stän­dig geimpft. Das ent­spricht etwa sechs Pro­zent. 0,14 Pro­zent oder 250 Geimpf­te muss­ten wegen Coro­na ins Kran­ken­haus. Inner­halb der letz­ten vier Kalen­der­wo­chen (KW 34–37) waren dem­nach unter den sym­pto­ma­ti­schen Coro­na-Fäl­len etwa 25 Pro­zent geimpft. Ein stei­gen­der Anteil von Impf­durch­brü­chen bedeu­tet nicht, dass die Imp­fung nicht wirk­sam wäre. Rein sta­tis­tisch steigt mit dem Anteil der Geimpf­ten auch der Anteil der Impfdurchbrüche.

Kei­ne Ein­grif­fe in Erbgut

Mit der Bezeich­nung der Coro­na-Imp­fung als „Gen-Impf­stoff” wird auf eine alte Falsch­be­haup­tung ange­spielt, wonach die mRNA-Imp­fung das Erb­gut des Men­schen ver­än­dern kön­ne. Das ist falsch. „Die mRNA (…) wird nach kur­zer Zeit von den Zel­len bereits wie­der abge­baut. Sie wird nicht in die DNA (den Trä­ger der Erb­infor­ma­ti­on) ein­ge­baut und hat kei­nen Ein­fluss auf die mensch­li­che Erb­infor­ma­ti­on, weder in Kör­per­zel­len noch in Fort­pflan­zungs­zel­len”, infor­miert unter ande­rem das Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um (14). Dazu gibt es auch zahl­rei­che ande­re Bei­trä­ge (15, 16, 17).

Neben­wir­kungs­pro­fil der Impfungen

Im Fly­er wird eine Rei­he von schwe­ren Erkran­kun­gen als „mög­li­che Fol­gen” der Imp­fung auf­ge­zählt. An ande­rer Stel­le wird behaup­tet, dass es in Öster­reich „kei­ne aus­rei­chen­de Daten­er­he­bung” zu Krank­hei­ten oder Todes­fäl­len nach oder durch die Imp­fung gebe.

Seit dem Impf­start in Öster­reich Ende Dezem­ber ver­öf­fent­licht das Bun­des­amt für Sicher­heit im Gesund­heits­we­sen (BASG) in regel­mä­ßi­gen Abstän­den Berich­te über Mel­dun­gen ver­mu­te­ter Neben­wir­kun­gen nach Coro­na-Imp­fun­gen. Die­se wer­den von Ange­hö­ri­gen der Gesund­heits­be­ru­fe oder von Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten gemel­det. Die Daten wer­den dann auch an die EMA wei­ter­ge­lei­tet, wo sie Zulas­sungs­be­hör­den zur lau­fen­den Über­wa­chung der Impf­stoff­si­che­rung zur Ver­fü­gung ste­hen. Zusätz­lich gibt es die EMA-Daten­bank Eud­ra­Vi­li­gan­ce, die eben­falls ver­mu­te­te Neben­wir­kungs­mel­dun­gen sam­melt und aus­wer­tet. Etwai­ge Sicher­heits­pro­ble­me in Zusam­men­hang mit der Imp­fung fal­len also zeit­nah auf. Zu beach­ten gilt hier­bei immer, dass in zeit­li­cher Nähe zur Imp­fung auf­tre­ten­de Sym­pto­me auch auf ande­re Ursa­chen zurück­ge­führt wer­den können.

Dem aktu­el­len BASG-Bericht (18) zufol­ge ent­spre­chen die gemel­de­ten ver­mu­te­ten Neben­wir­kun­gen in ihrer Art und Häu­fig­keit den aus den Zulas­sungs­stu­di­en zu erwar­ten­den Reak­tio­nen wie Kopf­schmer­zen, Müdig­keit oder Fieb­rig­keit. Schwer­wie­gen­de Ereig­nis­se wie Vak­zin-indu­zier­te immun­throm­bo­ti­sche Throm­bo­zy­to­pe­nie (VITT) oder Herz­mus­kel­ent­zün­dun­gen tre­ten dem­nach sehr sel­ten auf. 149 Men­schen star­ben in Öster­reich in zeit­li­cher Nähe zu einer Imp­fung. Bei zwei davon wird dem Bericht zufol­ge der­zeit ein Zusam­men­hang mit der Imp­fung gesehen.

Auf­klä­rung über Impfung

Über Risi­ken und Neben­wir­kun­gen der Coro­na-Schutz­imp­fung klä­ren sowohl inter­na­tio­na­le Orga­ni­sa­tio­nen wie die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) (19) als auch natio­na­le Behör­den wie das Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um (20) oder die Ärz­te­kam­mer (21) trans­pa­rent auf. Dar­über wird auch auf Impf- und Auf­klä­rungs­bö­gen (22) infor­miert, außer­dem fin­det vor der Imp­fung eine Bera­tung durch einen Arzt statt.

Aus­wir­kun­gen auf Fruchtbarkeit

Kei­ne Hin­wei­se gibt es dar­auf, dass die Coro­na-Imp­fung Aus­wir­kun­gen auf die weib­li­che oder männ­li­che Frucht­bar­keit hat, wie im Fly­er ange­deu­tet wird. Dar­auf wei­sen Exper­tin­nen und Exper­ten in regel­mä­ßi­gen Abstän­den hin (23, 24). Im Gegen­satz dazu häu­fen sich laut der Öster­rei­chi­schen Gesell­schaft für Gynä­ko­lo­gie und Geburts­hil­fe (OEGGG) (25) die Daten, dass eine Coro­na-Infek­ti­on in der Schwan­ger­schaft häu­fi­ger als bei nicht schwan­ge­ren Frau­en schwe­re Ver­läu­fe zeigt.

Lang­zeit­fol­gen nach Imp­fung unwahrscheinlich

Regel­mä­ßig wird das Argu­ment mög­li­cher Lang­zeit­fol­gen, von denen man jetzt noch nichts wis­sen kön­ne, von Impf­geg­nern her­vor­ge­bracht – so auch von der „Platt­form Respekt”. Wie das BASG der APA für einen frü­he­ren Fak­ten­check bereits mit­teil­te, sei mit Lang­zeit­fol­gen im Sin­ne von „tre­ten erst­ma­lig als Impf­ne­ben­wir­kung Jah­re nach der Imp­fung auf” grund­sätz­lich nicht zu rech­nen. Das lie­ge dar­an, dass Impf­stof­fe, anders als man­che che­misch her­ge­stell­ten Arz­nei­mit­tel, rela­tiv rasch im Kör­per abge­baut wür­den. Mög­li­che Impf­ne­ben­wir­kun­gen wür­den daher bereits bin­nen weni­ger Wochen bis Mona­te auf­tre­ten. Das beto­nen auch ande­re Stel­len wie das deut­sche Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um (26) oder Immu­no­lo­gen (27).

Pro­zen­tua­le Anga­be von Corona-Gefahr

In Öster­reich sind bis­her rund 11.000 Coro­na-Tote (28) gemel­det wor­den. Das ent­spricht rund 0,125 Pro­zent der Bevöl­ke­rung. Auf den im Fly­er genann­ten Wert der gefähr­de­ten und nicht gefähr­de­ten Men­schen kommt man, wenn man die Gesamt­zahl aller Inten­siv­pa­ti­en­ten anhand der Medi­en­be­rich­te (29) berech­net, wonach rund ein Drit­tel aller Inten­siv­pa­ti­en­ten ver­stirbt. Es ist den­noch unzu­läs­sig, davon zu spre­chen, dass 99,6 Pro­zent der Bevöl­ke­rung nicht gefähr­det sind. Zum einen ist jeder poten­zi­ell gefähr­det und lie­ße man das Virus ohne Schutz und Maß­nah­men sich aus­brei­ten, wäre der Wert der schwe­ren Ver­läu­fe viel höher. Zum ande­ren sind auch weni­ger schwe­re Ver­läu­fe eine Belas­tung für Erkrank­te und lang­an­hal­ten­de Beschwer­den („Long Covid”) (30) kön­nen Gene­se­ne noch über Mona­te in ihrer Lebens­qua­li­tät beeinträchtigen.

Hal­tung der WHO zu Coro­na-Imp­fung bei Kindern

Eine alte Falsch­be­haup­tung rund um die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on (WHO) wur­de im Fly­er erneut auf­ge­grif­fen: Auf der WHO-Web­sei­te befand sich nach­weis­bar bereits seit April 2021 (31) ein Hin­weis, dass Kin­der nicht mit Covid-Impf­stof­fen geimpft wer­den soll­ten, da es noch nicht genü­gend For­schungs­er­geb­nis­se gäbe. Im Juni behaup­te­ten eini­ge alter­na­ti­ve Medi­en (32) mit dem Ver­weis auf die­se Pas­sa­ge fälsch­li­cher­wei­se, dass die WHO gera­de jetzt ihre Mei­nung geän­dert und sich gegen eine Imp­fung von Kin­dern aus­ge­spro­chen hät­te. Dar­auf­hin änder­te die WHO am 23. Juni (33, 34) tat­säch­lich die­se Stel­le. Die Pas­sa­ge „Kin­der soll­ten der­zeit nicht geimpft wer­den” wur­de ent­fernt und durch eine gemä­ßig­te­re Wort­wahl ersetzt. Nach­dem Kin­der zu mil­de­ren Ver­läu­fen ten­dier­ten, sei die Imp­fung abge­se­hen von Risi­ko­fäl­len nicht so drin­gend wie bei älte­ren Per­so­nen, hieß es nun. Es sei­en mehr Ergeb­nis­se not­wen­dig, um eine gene­rel­le Emp­feh­lung auszusprechen.

Mitt­ler­wei­le emp­feh­len das öster­rei­chi­sche Natio­na­le Impf­gre­mi­um (NIG) (35) und die deut­sche Stän­di­ge Impf­kom­mis­si­on (STI­KO) des Robert Koch-Insti­tuts (RKI) (36) eine Coro­na-Imp­fung für Kin­der ab dem Alter von 12 Jah­ren. Für sel­bi­ges sprach sich auch der WHO-Regio­nal­di­rek­tor für Euro­pa Hans Hen­ri P. Klu­ge (37) im August 2021 aus.

Sinn­haf­tig­keit von Lockdowns

Auf Basis der Stan­ford-Stu­die des US-Gesund­heits­wis­sen­schaf­ters John Ioann­i­dis wird oft­mals die Aus­sa­ge (38) getrof­fen, dass Lock­downs epi­de­mio­lo­gisch nicht wirk­sam wären. Das sagt die Stu­die aber gar nicht aus. Dort wur­den nur die Aus­wir­kun­gen von har­ten Maß­nah­men und die von leich­te­ren Maß­nah­men in eini­gen Län­dern ver­gli­chen. Die Stu­di­en­au­toren schluss­fol­ger­ten dar­aus, dass etwa Schul­schlie­ßun­gen, Ver­bo­te von Ver­an­stal­tun­gen oder das Zuhau­se­blei­ben im ers­ten Lock­down zu einer ähn­li­chen Reduk­ti­on der Infek­ti­ons­zah­len geführt haben wie weni­ger dras­ti­sche Metho­den, bei­spiels­wei­se Abstandhalten.

Wis­sen­schaf­ter (39, 40) wer­fen der Stu­die aber metho­di­sche Män­gel vor. So wur­de nur der Zeit­raum der ers­ten Maß­nah­men nach Beginn der Pan­de­mie unter­sucht, wo unter Men­schen gene­rell – auch bei leich­te­ren Maß­nah­men – eine gro­ße Sen­si­bi­li­tät in Hin­blick auf Hygie­ne und Abstand­hal­ten geherrscht haben könn­te. Außer­dem wur­den etwa nur zehn Län­der mit­ein­an­der ver­gli­chen, dar­un­ter nur zwei mit weni­ger dras­ti­schen Maßnahmen.

Die posi­ti­ven Aus­wir­kun­gen von har­ten Maß­nah­men wie Schul­schlie­ßun­gen oder Ver­bo­te von Ver­an­stal­tun­gen aufs Infek­ti­ons­ge­sche­hen sind durch Stu­di­en (41, 42, 43) mitt­ler­wei­le belegt. Dass Lock­downs den­noch zahl­rei­che Nach­tei­le mit sich brin­gen, wird von offi­zi­el­ler Sei­te nicht bezwei­felt. Die WHO (44) etwa weist auf die Fol­gen vor allem für benach­tei­lig­te Bevöl­ke­rungs­grup­pen hin, erkennt aber an, dass eini­ge Län­der kei­ne ande­re Wahl hat­ten, um sich in der Pan­de­mie Zeit zu verschaffen.

Rol­le des Immunsystems

Ein funk­tio­nie­ren­des Immun­sys­tem ver­hin­dert weder eine Infek­ti­on noch eine schwe­re Erkran­kung, betont der Wie­ner Gesund­heits­ver­bund (45). Zwar sind vor allem älte­re Men­schen und Men­schen mit Grund­er­kran­kun­gen gefähr­det (46), aller­dings muss hin­ter einem schwe­ren Ver­lauf laut Max-Del­brück-Cen­trum für Mole­ku­la­re Medi­zin nicht unbe­dingt ein schwa­ches Immun­sys­tem ste­cken. Tat­säch­lich nut­ze das Virus sogar einen Ver­tei­di­gungs­me­cha­nis­mus des funk­tio­nie­ren­den Immun­sys­tems, um sich in Schleim­haut­zel­len zu ver­meh­ren (47). Dar­über hin­aus gebe es laut dem Wie­ner Gesund­heits­ver­bund kei­ne Hin­wei­se, dass eine Covid-Schutz­imp­fung das Immun­sys­tem schwä­che. Reak­tio­nen nach einer Imp­fung wie Fie­ber oder Müdig­keit zeig­ten genau das Gegen­teil – näm­lich wie das Immun­sys­tem Anti­kör­per bildet.

Todes­ur­sa­chen in Österreich

Dem Fly­er liegt eine Abbil­dung der angeb­lich häu­figs­ten Todes­ur­sa­chen in Öster­reich bei, die „die Sinn­haf­tig­keit des Coro­na-Maß­nah­menzwangs end­gül­tig in Fra­ge” stel­len sol­len. Tat­säch­lich sind in Öster­reich sechs von zehn Ster­be­fäl­le auf Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen und Krebs zurück­zu­füh­ren (48). Dar­über hin­aus ist die Abbil­dung aber irre­füh­rend, da hier Ursa­chen wie Rau­chen und Kran­ken­haus­kei­me mit Krank­hei­ten ver­mischt werden.

Wür­de man Ster­be­fäl­le nach kon­kre­ten Todes­ur­sa­chen ord­nen, wäre Covid-19 im Jahr 2020 die viert­häu­figs­te Todes­ur­sa­che gewe­sen. Mit über 6.000 Covid-Toten lag der Wert mehr als dop­pelt so hoch wie bei­spiels­wei­se bei Ster­be­fäl­len durch Dia­be­tes (49). Ein Ver­weis auf ande­re Krank­hei­ten schwächt die Gefahr durch die Coro­na-Kri­se nicht ab. Er zeigt auf, wie wich­tig es ist, ein Gesund­heits­sys­tem nicht zu überlasten.

Imp­f­ent­schei­dung bei Minderjährigen

Nicht ganz rich­tig ist auch die Behaup­tung, Kin­der dürf­ten nicht ohne schrift­li­che Ein­wil­li­gung der Eltern bzw. Erzie­hungs­be­rech­tig­ten geimpft wer­den. Ab dem 14. Lebens­jahr kön­nen Kin­der in Öster­reich selbst über die Imp­fung ent­schei­den – das gilt auch, wenn Eltern die Imp­fung ableh­nen. Bis zum Alter von 14 Jah­ren ist aller­dings eine elter­li­che Ein­wil­li­gung not­wen­dig (50). Der Para­graph 42 des Arz­nei­mit­tel­ge­set­zes (51), der im Fly­er als angeb­li­cher Beleg für die Behaup­tung ange­führt wird, trifft kei­ne Aus­sa­ge zur Imp­fung von Min­der­jäh­ri­gen. Es geht dar­in um Kli­ni­sche Prü­fun­gen eines Arz­nei­mit­tels, die an Min­der­jäh­ri­gen durch­ge­führt werden.

Auch die erwähn­te Dekla­ra­ti­on von Hel­sin­ki (52) stuft den Ein­satz eines zuge­las­se­nen Impf­stoffs bei Kin­dern (53) nicht wie behaup­tet als Kör­per­ver­let­zung ein. In der Dekla­ra­ti­on geht es um die medi­zi­ni­sche For­schung am Men­schen. Eine Gleich­set­zung mit der Coro­na-Imp­fung ist unzulässig.

Nach­tei­le des Nicht-Impfens

Im Fly­er wird infra­ge gestellt, war­um sich Geimpf­te vor Unge­impf­ten fürch­ten soll­ten, wenn die Imp­fung doch sicher sei. Hier wird wie oft auch in Sozia­len Medi­en vor­ge­ge­ben, dass die Ver­spre­chung der Imp­fung ein hun­dert­pro­zen­ti­ger Schutz sei. Dies war nie­mals der Fall. Imp­fun­gen bie­ten einen sehr guten Schutz, es kön­nen sich aber auch Geimpf­te anste­cken und erkran­ken – was sel­te­ner pas­siert (54). Abge­se­hen davon spre­chen ande­re Grün­de dafür, dass ein gro­ßer Anteil Unge­impf­ter pro­ble­ma­tisch für die Gesell­schaft ist. Der­zeit lie­gen etwa fast nur Unge­impf­te auf öster­rei­chi­schen Inten­siv­sta­tio­nen (13).

Der Ver­ein „Platt­form Respekt”

Die „Platt­form Respekt” wur­de bereits in der Ver­gan­gen­heit auf­grund sei­ner frag­wür­di­gen Inhal­te (55, 56) auf­fäl­lig, die eben­falls Fal­sch­nach­rich­ten ent­hiel­ten. Auf der Web­sei­te (57) wird zudem auf Bei­trä­ge von bekann­ten Coro­na-Skep­ti­kern ver­wie­sen. Gegen einen der im Fly­er genann­ten Ärz­te über­legt die Med­Uni Inns­bruck der­zeit dis­zi­pli­nar­recht­li­che Schrit­te, wie der ORF (1) berich­te­te. Von Aus­sa­gen des zwei­ten ange­führ­ten Arz­tes sowie sei­nen Coro­na-bezo­ge­nen Akti­vi­tä­ten in Ver­ei­nen oder Platt­for­men distan­zier­te sich die Med­Uni Wien (58, 59) in der Ver­gan­gen­heit bereits mehr­fach. Zudem beton­te sie, dass er kein „Exper­te auf dem Gebiet der Bio­lo­gie, Dia­gno­se oder The­ra­pie von Virus­er­kran­kun­gen” sei. Es wur­den auch dienst­recht­li­che Schrit­te gegen ihn geprüft.

 

 

Quel­len:

(1) ORF-Arti­kel über Fly­er-Akti­on: http://​go​.apa​.at/​k​1​q​v​k​b0P (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​q​Y​F1L)

(2) „Krone“-Artikel über Fly­er-Akti­on: http://​go​.apa​.at/​x​C​x​M​Z​1aK (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​p​a​m5h)

(3) Tweet über Fly­er-Akti­on: http://​go​.apa​.at/​F​0​I​e​x​ngA (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​l​J​EYQ)

(4) „Zackzack“-Artikel über Fly­er-Akti­on: http://​go​.apa​.at/​9​5​I​d​K​eZZ (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​Y​b​EAS)

(5) Euro­päi­sche Arz­nei­mit­tel-Agen­tur (EMA) über Zulas­sung von Coro­na-Imp­fung: http://​go​.apa​.at/​h​n​L​G​9​3Ec (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​o​M​5PZ)

(6) EU-Kom­mis­si­on über Zulas­sung von Coro­na-Imp­fung: http://​go​.apa​.at/​x​V​Z​9​7​HDx (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​7​C​kcs)

(7) Euro­päi­sche Arz­nei­mit­tel-Agen­tur (EMA) über Zulas­sung von Coro­na-Imp­fung: http://​go​.apa​.at/​K​6​6​X​Y​ELe (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​w​8​yBK)

(8) Euro­päi­sche Arz­nei­mit­tel-Agen­tur (EMA) über Zulas­sung von Coro­na-Imp­fung: http://​go​.apa​.at/​q​v​G​Y​h​bbR (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​2​J​cgg)

(9) Bio­N­Tech über Abschluss der Pha­se-3-Stu­die: http://​go​.apa​.at/​E​j​k​W​g​P2Y (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​X​0​bL3)

Stu­di­en über Wirk­sam­keit der Corona-Impfung:

(10) http://​go​.apa​.at/​4​B​e​W​H​mLJ (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​t​g​5g2)

(11) http://​go​.apa​.at/​m​P​k​m​e​oT9  (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​9​5​X9y)

(12) AGES-Bericht zu Impf­durch­brü­chen: http://​go​.apa​.at/​U​D​9​I​k​mdv (archi­viert: https://​per​ma​.cc/​4​Y​5​C​-​H​WGF)

(13) APA-Fak­ten­check zu Unge­impf­ten auf Inten­siv­sta­tio­nen: http://​go​.apa​.at/​D​Y​k​2​P​PHo

(14) Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um über Imp­fung und Erb­gut: http://​go​.apa​.at/​h​Q​e​f​k​cAH (archi­viert: https://​per​ma​.cc/​T​W​2​2​-​T​K3A)

(15) Gesund­heits­ver­bund über Imp­fung und Erb­gut: http://​go​.apa​.at/​w​0​6​M​W​OSk (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​g​Z​93h)

(16) SWR über Imp­fung und Erb­gut: http://​go​.apa​.at/​f​c​X​y​7​Ddc (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​b​t​7Vs)

(17) Viro­lo­ge über Imp­fung und Erb­gut: http://​go​.apa​.at/​O​v​q​T​B​vgv (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​P​1​ryS)

(18) Aktu­el­ler BASG-Bericht: http://​go​.apa​.at/​R​D​H​i​R​mRy (archi­viert: https://​per​ma​.cc/​F​E​9​K​-​8​4YY)

(19) Impf-Auf­klä­rung der WHO: http://​go​.apa​.at/​V​s​r​Z​U​8vU (archi­viert: https://​per​ma​.cc/​V​6​Z​C​-​2​WVH)

(20) Impf-Auf­klä­rung des Gesund­heits­mi­nis­te­ri­ums: http://​go​.apa​.at/​w​S​4​J​9​92n (archi­viert: https://​per​ma​.cc/​W​M​J​5​-​2​ENU)

(21) Impf-Auf­klä­rung der Ärz­te­kam­mer: http://​go​.apa​.at/​s​a​H​2​6​rAK (archi­viert: https://​per​ma​.cc/​H​9​Q​W​-​2​2JA)

(22) Impf- und Auf­klä­rungs­bö­gen: http://​go​.apa​.at/​6​3​l​O​7​FQq (archi­viert: https://​per​ma​.cc/​Z​8​Q​W​-​K​86J)

(23) Med­Uni Inns­bruck über Frucht­bar­keit und Imp­fung: http://​go​.apa​.at/​O​L​n​J​k​co3 (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​Z​d​nVi)

(24) ORF-Arti­kel über Frucht­bar­keit und Imp­fung: http://​go​.apa​.at/​B​z​m​O​V​aGZ (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​U​J​0Oa)

(25) Stel­lung­nah­me der Öster­rei­chi­schen Gesell­schaft für Gynä­ko­lo­gie und Geburts­hil­fe (OEGGG): http://​go​.apa​.at/​O​S​h​E​V​dTf (archi­viert: https://​per​ma​.cc/​F​5​G​D​-​A​RLE) (Down­load)

(26) „Zusam­men gegen Coro­na“ zu Lang­zeit­fol­gen: http://​go​.apa​.at/​J​z​c​G​h​otD (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​3​x​X6K)

(27) Immu­no­lo­ge zu Lang­zeit­fol­gen: http://​go​.apa​.at/​i​F​T​F​l​Z2g  (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​i​m​X3z)

(28) Coro­na-Situa­ti­on in Öster­reich laut „Our World in Data“: http://​go​.apa​.at/​h​l​O​k​y​kxZ  (archi­viert: https://​per​ma​.cc/​F​6​Z​V​-​R​WW2)

(29) ORF-Arti­kel zu Inten­siv­pa­ti­en­ten: http://​go​.apa​.at/​L​u​z​b​s​oll (archi­viert: http://​go​.apa​.at/​r​a​b​A​T​RTz)

(30) Öffent­li­ches Gesund­heit­s­por­tal Öster­reich zu „Long Covid“: http://​go​.apa​.at/​T​W​V​A​t​D3I (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​f​e​Y1u)

Archi­vier­te WHO-Webseiten:

(31) http://​go​.apa​.at/​2​0​H​z​6​o5N (archi­viert: 8. April)

(33) http://​go​.apa​.at/​Z​j​n​d​p​udr (archi­viert: 22. Juni)

(34) http://​go​.apa​.at/​7​3​I​u​D​ZaJ (archi­viert: 23. Juni)

(32) Arti­kel von „report24“: http://​go​.apa​.at/​P​Y​e​5​j​g5t (archi­viert: https://​archi​ve​.ph/​K​2​iFZ)

(35) ORF-Arti­kel über Imp­fung bei Kin­dern: http://​go​.apa​.at/​9​Z​f​b​n​Ddb (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​H​n​EZx)

(36) STI­KO/R­KI-Emp­feh­lung: http://​go​.apa​.at/​G​7​w​M​a​K0m (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​q​z​BVv)

(37) WHO-Regio­nal­di­rek­tor für Euro­pa Hans Hen­ri P. Klu­ge: http://​go​.apa​.at/​T​1​S​p​X​cYW (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​K​E​hcl)

(38) „tkp“-Artikel: http://​go​.apa​.at/​l​j​C​u​T​sGA (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​J​N​AvE)

(39) Baye­ri­scher Rund­funk zu Stan­ford-Stu­die: http://​go​.apa​.at/​C​S​w​N​f​vxW (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​u​o​vVz)

(40) Tweet zu Stan­ford-Stu­die: http://​go​.apa​.at/​m​f​J​7​s​79s (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​Z​e​9oo)

Stu­di­en zu Effek­ten von har­ten Corona-Maßnahmen:

(41) http://​go​.apa​.at/​W​0​W​l​i​BPO (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​h​g​7Ex)

(42) http://​go​.apa​.at/​O​K​p​f​O​qDb (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​W​Q​6iE)

(43) http://​go​.apa​.at/​5​B​N​z​l​zjM (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​f​4​dm7)

(44) WHO über Nach­tei­le von Lock­downs: http://​go​.apa​.at/​G​w​e​K​n​Idd (archi­viert: https://​per​ma​.cc/​Y​9​P​G​-​B​HW8)

(45) Wie­ner Gesund­heits­ver­bund zu Immun­sys­tem und Imp­fung: http://​go​.apa​.at/​c​B​c​G​4​xkM (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​c​W​ek2)

(46) Cha­ri­té zu Immun­sys­tem und Imp­fung: http://​go​.apa​.at/​x​J​5​D​y​shW (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​m​C​UvD)

(47) Infor­ma­ti­ons­dienst Wis­sen­schaft zu Immun­sys­tem und Imp­fung: http://​go​.apa​.at/​v​4​k​p​X​SDh (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​p​3​CB4)

(48) Todes­ur­sa­chen in Öster­reich laut Sta­tis­tik Aus­tria: http://​go​.apa​.at/​T​Y​c​U​b​8yg (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​w​l​l9k)

(49) Ster­be­fäl­le in Öster­reich 2020 laut Sta­tis­tik Aus­tria: http://​go​.apa​.at/​m​S​y​Z​t​E8P (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​Z​p​oE7)

(50) Coro­na-Imp­fung bei Min­der­jäh­ri­gen: http://​go​.apa​.at/​9​i​x​6​O​S3R (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​v​B​qcZ)

(51) Arz­nei­mit­tel­ge­setz: http://​go​.apa​.at/​J​o​T​3​R​lZ7 (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​w​c​SlH)

(52) Dekla­ra­ti­on von Hel­sin­ki: http://​go​.apa​.at/​K​x​q​c​1​GHV (archi­viert: https://​per​ma​.cc/​S​8​E​E​-​S​QHJ)

(53) EMA-Impf­stoff­zu­las­sung bei 12–15-jährigen Kin­dern: http://​go​.apa​.at/​k​B​G​g​A​Pj8 (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​8​V​tih)

(54) APA-Fak­ten­check zu Coro­na-Erkran­kun­gen bei Voll­im­mu­ni­sier­ten: http://​go​.apa​.at/​q​z​j​H​L​Pqc

(55) Inse­rat u.a. von „Platt­form Respekt“: http://​go​.apa​.at/​1​q​e​X​F​ZGM (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​0​Z​9Zf)

(56) „Standard“-Artikel u.a. über „Platt­form Respekt“: http://​go​.apa​.at/​p​y​8​N​q​EEh (archi­viert: https://​archi​ve​.ph/​1​d​K5f)

(57) Bei­trä­ge von „Platt­form Respekt“: http://​go​.apa​.at/​3​z​K​3​g​vZK (archi­viert: https://​archi​ve​.is/​e​F​QKt)

(58) Stel­lung­nah­me der Med­Uni Wien: http://​go​.apa​.at/​p​p​7​a​p​XkP (archi­viert https://​archi​ve​.is/​X​q​Cxk)

(59) Stel­lung­nah­me der Med­Uni Wien: http://​go​.apa​.at/​a​c​y​l​B​ATf (archi­viert https://​archi​ve​.is/​I​B​VIy)

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Vale­rie Schmid / Flo­ri­an Schmidt