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blog / Donnerstag 04.06.20

APA Check Avatar Demo­lier­te die Poli­zei in den USA ihr eige­nes Auto?

In den USA ist es nach dem Tod des Afro­ame­ri­ka­ners Geor­ge Floyd zu zahl­rei­chen Demons­tra­tio­nen gekom­men. Dabei kam es auch zu zahl­rei­chen Sach­be­schä­di­gun­gen durch Demons­tran­ten. Der­zeit wird jedoch auch ein Video geteilt, das laut eini­gen Usern (Bei­spiel 1Bei­spiel 2) bewei­sen soll, dass die Poli­zei selbst eines ihrer eige­nen Autos demo­lier­te. Auch in dem Video selbst sagt der Fil­men­de, dass die Poli­zei ver­mut­lich die Demons­tran­ten für die Schä­den ver­ant­wort­lich machen wolle.

Zu über­prü­fen­de Infor­ma­ti­on: Ein Video zeigt, dass die US-Poli­zei ihr eige­nes Auto demo­lier­te, um Demons­tran­ten dafür ver­ant­wort­lich zu machen.

Ein­schät­zung: Das ist falsch. Das Poli­zei­au­to wur­de durch ran­da­lie­ren­de Demons­tran­ten schwer beschä­digt. Die Poli­zei hat spä­ter selbst die Wind­schutz­schei­be ent­fernt, um das Fahr­zeug weg­fah­ren zu können.

Über­prü­fung: Durch eine Recher­che zu dem Vor­fall kommt man schnell zu mehr Video­ma­te­ri­al. Es fällt auf, dass es sich bei dem vor­lie­gen­den Video nur um einen Video­aus­schnitt eines län­ge­ren Films han­delt. Außer­dem fin­det man auch Video­ma­te­ri­al (archi­viert), das ran­da­lie­ren­de Demons­tran­ten zeigt, die das Auto beschä­di­gen. Auf You­tube fin­det sich eine Samm­lung des rele­van­ten Video­ma­te­ri­als (archi­viert).

In bei­den Vide­os sind die­sel­ben mar­kan­ten Gebäu­de­be­leuch­tun­gen und Stra­ßen­la­ter­nen zu erken­nen. Das Poli­zei­au­to steht bei bei­den Quel­len mit dem lin­ken Vor­der­rei­fen auf der Hal­te­li­nie vor der Kreu­zung. Es ist also offen­sicht­lich, dass es sich um das­sel­be Fahr­zeug in der­sel­ben Stadt handelt.

Anhand des Poli­zei­lo­gos lässt sich erken­nen, dass es ein Fahr­zeug der Poli­zei in Bos­ton ist. Auf­grund eini­ger Schrift­zü­ge und Geschäf­te im Video (McDo­nalds, Dun­kin Donuts) lässt sich über Goog­le Maps der exak­te Stand­ort bestim­men. Die Vide­os sind in der Tre­mont Street in Bos­ton entstanden.

Nach­dem das Poli­zei­au­to am Ende des Ori­gi­nal­vi­de­os von der Poli­zei weg­ge­fah­ren wird, ist es klar, dass zuerst die Grup­pe der Ran­da­lie­ren­den dem Fahr­zeug beträcht­li­chen Schä­den zuge­fügt hat, bevor die Poli­zei aktiv wur­de. Das ver­rät die exakt sel­be Posi­ti­on des Autos in bei­den Vide­os. Der zeit­li­che Ablauf der bei­den Vide­os ist daher eben­falls nachzuweisen.

Ein Arti­kel auf der Home­page des Fern­seh­sen­der «7NEWS Bos­ton WHDH» (archi­viert) lie­fert noch mehr Video­ma­te­ri­al. Dort wur­de zum Teil bereits gefilmt, als der Poli­zei­wa­gen noch fast unbe­schä­digt war. Laut dem Bericht hät­ten Demons­trie­ren­de das Fahr­zeug atta­ckiert, sodass der Poli­zei­be­am­te im Auto von Kol­le­gen geret­tet wer­den muss­te. Danach hät­te laut Poli­zei­an­ga­ben ein ande­rer Poli­zist im beschä­dig­ten Auto die Wind­schutz­schei­be ent­fernt, um mit bes­se­rer Sicht den Wagen weg­fah­ren zu können.

Die Jour­na­lis­tin Karen Ander­son des­sel­ben Fern­seh­sen­ders erstell­te zu dem Vor­fall einen eige­nen Arti­kel und Videobei­trag (archi­viert). Sie bezieht sich auf die Aus­sa­gen des Poli­zei­spre­chers John Boyle, wonach die Wind­schutz­schei­be auf­grund der ein­ge­schränk­ten Sicht ent­fernt wur­de. Auf dem Twit­ter-Account der Bos­ton Poli­ce bestä­tig­te man die­se Berichte.

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Flo­ri­an Schmidt/Valerie Schmid