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blog / Montag 21.12.20

APA Check Avatar Coro­na-Test­pro­zess kei­ne Bestra­fung im Alten Ägypten

APA/Symbolbild

Die Entnahme eines Rachenabstrichs durch die Nase ist noch etwas sehr Ungewohntes für die Menschheit. Im Zuge der Corona-Testung ist der Vorgang aber üblich geworden. Zahlreiche Menschen stoßen sich an dieser oft unangenehmen Methode mit dem Stäbchen. Einige mobilisieren sogar online dagegen.

In letzter Zeit wurden immer wieder Verschwörungstheorien verbreitet, die den Zweck dieser Testung infrage stellten. Derzeit wird etwa behauptet, dass im Alten Ägypten auf diese Weise Schäden im Gehirn verursacht wurden. "In Ägypten war das eine Strafe für Slaves", wird in einem viralen Sharepic behauptet, dem auch eine ägyptische Illustration beigefügt ist, in welche man tatsächlich das Einführen eines Stäbchens in die Nase interpretieren könnte. Im Text ist auch von der Blut-Hirn-Schranke die Rede, um die bereits bei anderen Verschwörungstheorien einige Mythen kursierten. Das Bild wird von Usern oft gepostet, wie eine Facebook-Suche zeigt. Einige Beiträge (Beispiel 1Beispiel 2) werden auch Dutzende Male geteilt.

Zu überprüfende Information: Ein Bild zeigt absichtliche Schädigungen der Gehirnregion durch die Einführung eines Stäbchens in die Nase. Dies war eine übliche Bestrafung im Alten Ägypten.

Einschätzung: Das ist falsch. Auf der Abbildung ist eine Augenbehandlung zu sehen. Es gibt keine Hinweise, dass es eine derartige Bestrafung im Alten Ägypten gegeben hat.

Überprüfung: Beide im Sharepic verwendete Bilder sind kein Beweis für die Behauptung und wurden aus ihrem ursprünglichen Kontext gerissen. Beim rechten Bild handelt es sich um eine Darstellung, wie Krankheitserreger ihren Weg in das menschliche Gehirn finden können. Die Erreger aus dem Originalbild wurden allerdings abgeschnitten und sind nur noch ansatzweise zu sehen. Eine Google-Bildersuche zeigt, dass das Bild sehr oft im Netz für medizinische Zwecke verwendet wurde.

Auch die ägyptische Darstellung hat nichts mit einer Bestrafung zu tun. Laut weiteren Fundstellen des Bildes in Onlinequellen ist auf dem Bild eine Behandlung im Bereich der Augenheilkunde zu sehen.

Die Abbildung habe nichts mit der Blut-Hirn-Schranke zu tun und die Ägypter wussten davon auch noch gar nichts, bestätigte der Vorstand des Instituts für Ägyptologie und Koptologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Friedhelm Hoffmann, auf Anfrage. Auch laut Hoffmann dürfte es bei dem Bild "um die Behandlung eines Augenproblems" gehen. Möglicherweise sei dem abgebildeten Handwerker ein Holzsplitter ins Auge geflogen.

Bei der Illustration handle es sich allerdings um eine moderne Darstellung. Ihr liege eine originale ägyptische Darstellung aus dem Neuen Reich zugrunde. Die originale Szene befinde sich in schlechtem Zustand im Grab des Ipi. Hoffmann wies darauf hin, dass sich diese Zeichnung unter anderem als Abbildung in einem Fachbuch des Ägyptologen Wolfhart Westendorf zu Medizin im alten Ägypten befände. Die Abbildung ist mit dem Bildtitel "Augenbehandlung auf einer Baustelle: Offenbar wird ein Fremdkörper aus dem Auge entfernt" versehen. Auch online ist diese Abbildung in Fachaufsätzen zu finden.

Auch bei den scheinbar medizinischen Begriffen im Text handelt es sich um keine wissenschaftlichen Termini. Für die Begriffe "Drüse der Blutenzephalitis", "Mondanta Hohl" oder "Hematoenzephalitis" finden sich nicht einmal passende Einträge bei Google-Suchen. Die sprachliche Gestaltung des Texts im Sharepic deutet eher darauf hin, dass es sich um einen automatisiert übersetzten Text handeln könnte.

Bei einer Enzephalitis handelt es sich laut dem Klinischen Wörterbuch Pschyrembel um eine Gehirnentzündung. Normalerweise wehrt die Blut-Hirn-Schranke Erreger ab, die eine derartige Erkrankung auslösen können.

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Florian Schmidt/Valerie Schmid