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blog / Mittwoch 02.12.20

APA Check Avatar COFAG wur­de Ende März 2020 gegründet

APA/Stotter

Immer noch kur­sie­ren in Sozia­len Netz­wer­ken Ver­schwö­rungs­theo­rien, wonach der im März 2020 ers­te Coro­na-beding­te Lock­down in Öster­reich bereits län­ger im Vor­feld geplant war. Als Beleg dafür sieht etwa ein Face­book-User, dass „laut Fir­men­buch die Covid-19- Finan­zie­rungs­agen­tur GmbH” bereits am 10. Febru­ar 2020 gegrün­det wor­den sei. Das Pos­ting wur­de über 500 Mal geteilt. „In Öster­reich wuss­te man anschei­nend bereits Anfang Febru­ar bes­tens über den bevor­ste­hen­den Lock­down Bescheid”, schreibt der User. Auch eini­ge ande­re oft geteil­te Posts dazu kur­sie­ren im Netz. (Bei­spiel 1Bei­spiel 2)

Zu über­prü­fen­de Infor­ma­ti­on: Die Covid-19- Finan­zie­rungs­agen­tur GmbH (COFAG) wur­de am 10. Febru­ar 2020 gegründet.

Ein­schät­zung: Der Ein­trag im Fir­men­ABC stimmt zwar, das frü­he Grün­dungs­da­tum der Finan­zie­rungs­agen­tur ist aber auf eine zuvor gegrün­de­te Vor­rats­ge­sell­schaft zurück­zu­füh­ren, die mit Coro­na noch nichts zu tun hat­te. Erst am 27. März 2020 – also ein­ein­halb Wochen nach Beginn des ers­ten Lock­downs (16. März) – wur­de die­se von der ABBAG gekauft und am 31. März 2020 in „COVID-19 Finan­zie­rungs­agen­tur des Bun­des GmbH” (COFAG) umbenannt.

Über­prü­fung: Wie die COFAG der APA auf Nach­fra­ge sag­te, grün­de­te die Kanz­lei Schön­herr am 19. Febru­ar 2020 eine GmbH als SASR Alpha Ein­und­sieb­zigs­te Betei­li­gungs­ver­wal­tungs GmbH („SASR Alpha”) unter der FN 528566. Die­se Num­mer fin­det sich auch im Ein­trag von Fir­men­ABC. Der im Fir­men­ABC ange­ge­be­ne 10. Febru­ar 2020 als Beginn­da­tum der Rechts­form kommt dadurch zustan­de, dass an die­sem Tag die „Erklä­rung über die Errich­tung der Gesell­schaft” erfolg­te, wie sich dem Fir­men­buch-Aus­zug der COFAG ent­neh­men lässt, der der APA vorliegt.

Am 27. März 2020 sei die­se soge­nann­te Vor­rats­ge­sell­schaft dann von der ABBAG gekauft wor­den. Am 31. März 2020 sei der Name dann in „COVID-19 Finan­zie­rungs­agen­tur des Bun­des GmbH” (COFAG) geän­dert wor­den. Zudem sei „die Errich­tungs­er­klä­rung geän­dert” und sie im Fir­men­buch ein­ge­tra­gen wor­den, so die COFAG.

Das bedeu­tet, dass zwar im Febru­ar 2020 eine GmbH gegrün­det wur­de, die­se aber noch nichts mit Coro­na zu tun hat­te. Vor­rats­ge­sell­schaf­ten wer­den gegrün­det, ohne dass zum Zeit­punkt der Grün­dung ein bestimm­ter Unter­neh­mens­ge­gen­stand oder Zweck ver­folgt wird. Die fer­ti­ge Gesell­schaft steht ein­fach zum Kauf bereit, falls es bei­spiels­wei­se schnell gehen muss. „Eine Vor­rats­ge­sell­schaft wird mit dem Zweck gegrün­det, zwar regis­ter­recht­lich ein­ge­tra­gen zu wer­den, (…) jedoch erst dann im Rechts­ver­kehr in Erschei­nung zu tre­ten, wenn ent­we­der Drit­te die Antei­le an der Gesell­schaft erwer­ben (…) oder dies durch den gegen­wär­ti­gen Gesell­schaf­ter geschieht”, heißt es etwa in einer rechts­wis­sen­schaft­li­chen Dis­ser­ta­ti­on über die Ver­wen­dung von Vor­rats- und Man­tel­ge­sell­schaf­ten.

Auch die COFAG bestä­tigt, dass sol­che Vor­rats­ge­sell­schaf­ten in der Regel fer­tig gegrün­det sei­en, im Fir­men­buch ein­ge­tra­gen und bei Bedarf schnell an einen Käu­fer über­tra­gen wer­den kön­nen. Der Hin­ter­grund die­ser Vor­gangs­wei­se: „Das erspart den lang­wie­ri­gen Ein­tra­gungs­pro­zess einer neu­en GmbH, man erspart sich etwai­ge Haf­tungs­ri­si­ken einer Gesell­schaft in Grün­dung und ist in vie­len Fäl­len kos­ten­güns­ti­ger, als eine neue GmbH zu grün­den.” Die COFAG exis­tiert also in ihrer jet­zi­gen Form und mit dem Zweck, den sie ver­folgt, seit dem 31. März 2020.

Auch ein Pres­se­spre­cher von Credit­re­form bestä­tig­te der APA am 1. Dezem­ber 2020 die oben genann­ten Zeit­punk­te der Grün­dung der COFAG.

Unter­neh­mens­ge­gen­stand der COFAG ist die „Erbrin­gung von Dienst­leis­tun­gen und das Ergrei­fen von finan­zi­el­len Maß­nah­men, die zur Erhal­tung der Zah­lungs­fä­hig­keit und Über­brü­ckung von Liqui­di­täts­schwie­rig­kei­ten von Unter­neh­men im Zusam­men­hang mit der Aus­brei­tung des Erre­gers SARS-CoV‑2 und den dadurch ver­ur­sach­ten wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen gebo­ten sind”, so die Gesell­schaft. (§ 2 Abs. 2 Z 7 iVm § 6a Abs. 2 ABBAG-Gesetz).

Die ABBAG fun­giert dabei als Gesell­schaf­ter mit einem Anteil von 100 Pro­zent. Geschäfts­füh­rer der COFAG sind dem Fir­men­buch Aus­zug zufol­ge Bern­hard Per­ner und Marc Schim­pel. Inhalt des oben ange­führ­ten Face­book-Postings war auch die Par­teinä­he der bei­den Lei­ten­den zur ÖVP bzw. den Grü­nen. Tat­säch­lich war Per­ner lan­ge im Kabi­nett des von der ÖVP geführ­ten Finanz­mi­nis­te­ri­ums tätig, Schim­pel arbei­te­te im Büro des grü­nen Vize­kanz­lers Wer­ner Kog­ler, wie der „Stan­dard” und „Die Pres­se” berichteten.

Am 16. März 2020 begann in Öster­reich der ers­te weit­ge­hen­de Lock­down. Ab dem 14. April 2020 gab es ers­te Locke­run­gen, wie in einer Chro­no­lo­gie der Coro­na-Kri­se in Öster­reich der Uni Wien nach­les­bar ist.

 

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Vale­rie Schmid/Florian Schmidt