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blog / Freitag 17.12.21

APA Check Avatar Behaup­tung über mehr­fa­che Omi­kron-Impf­do­sen unbelegt

APA/AFP/Archiv

Omikron dominiert derzeit die Diskussion rund um die Corona-Pandemie. Die Variante dürfte ansteckender sein und die Impfstoffe dagegen nicht so gut wirken wie zuvor. Zu dem Thema gab der Impfstoffhersteller Biontech zuletzt eine Pressekonferenz. Aussagen daraus werden seither in irreführenden Kontexten verbreitet. Behauptet wird etwa in einem Online-Artikel (1,2), dass nach den drei Dosen der Grundimmunisierung aufgrund von Omikron drei weitere Dosen notwendig seien.

Einschätzung: Davon ist in der Pressekonferenz keine Rede. Auch laut einer Biontech-Sprecherin wurde das nicht behauptet. Studien zur Effektivität der Impfstoffe gegen Omikron werden derzeit noch durchgeführt.

Überprüfung: Der Artikel bezieht sich auf einen Tweet (3), in dem Ausschnitte aus einer Pressekonferenz (4) des deutschen Corona-Impfstoffherstellers Biontech vom 8. Dezember 2021 mit CEO Ugur Sahin, der medizinischen Geschäftsführerin, Özlem Türecivom und dem operativen Geschäftsführer, Sierk Poetting, zu sehen sind. Sahin und Türecivom sagen darin, dass einer vorläufigen Laborstudie zufolge drei Dosen ihres Corona-Impfstoffs für einen ausreichenden Schutz vor der Omikron-Variante notwendig seien. Testzeitpunkt der Studie war ein Monat nachdem die Teilnehmenden die Booster-Impfung erhalten hatten.

Eine Passage in der Pressekonferenz sorgt in Sozialen Medien für Verwirrung. Bei Minute 29 sagt Sahin, dass klar sei, dass ihre Impfung für die Omikron-Variante eine Drei-Dosen-Impfung sein solle. Das deuten einige User so, als seien nach der Grundimmunisierung von drei Impf-Dosen weitere drei Dosen vorgesehen. Dafür gibt es keine Hinweise.

Wie eine Biontech-Pressesprecherin der APA auf Anfrage mitteilte, habe das "niemand behauptet". Wie viele Dosen es bei der Neuimmunisierung aber brauche bzw. ob ein Booster eines an Omikron angepassten Impfstoffs ausreiche, könnten sie aktuell noch nicht sagen. Dazu würden noch Studien durchgeführt werden.

Seit 25. November 2021 arbeitet Biontech an einem an die Omikron-Variante angepassten Corona-Impfstoff. Es würden erst die nächsten Wochen zeigen, ob und wann dieser gebraucht werde. Unklar sei zudem noch, wie lange die Schutzwirkung vor Omikron nach drei Impf-Dosen anhalte. Falls die schützende Zeitspanne zu kurz und die Omikron-Impfung noch nicht verfügbar sei, sei ein zweiter Booster des bestehenden Impfstoffs eine Option.

In der gesamten Pressekonferenz und der am selben Tag veröffentlichten Presseaussendung (5) ist von insgesamt sechs oder wie im Online-Artikel behauptet gar neun Impfungen keine Rede. Medien (6) berichteten ebenfalls nichts darüber.

 

Quellen:

(1) tkp-Artikel: http://go.apa.at/SBb9GzzR (archiviert: https://archive.md/ruekC)

(2) Tweet über tkp-Artikel: http://go.apa.at/JiTUhqul (archiviert: https://archive.md/4FW2f)

(3) Tweet von Disclose.tv: http://go.apa.at/vThFyYrg (archiviert: https://archive.md/p9kux)

(4) Biontech-Pressekonferenz: http://go.apa.at/Rt3AokGE (archiviert: https://perma.cc/BZ3P-C687)

(5) Presseaussendung von Biontech: http://go.apa.at/qH7CzAAO (archiviert: https://archive.md/vNQpZ)

(6) APA/dpa-Medienbericht: http://go.apa.at/5MqXSe6I

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Valerie Schmid / Florian Schmidt