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blog / Mittwoch 14.01.26

APA Check Avatar Proteste im Iran von KI begleitet

APA/AFP

Im Iran protestieren aktuell zahlreiche Menschen gegen das autoritäre Herrschaftssystem. Aus der Islamischen Republik heraus verbreiten sich beeindruckende Bilder der Menschenmassen. Begleitet werden diese aber auch von mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) generierten Bildern, die sich gerade in diesen politisch brisanten Zeiten mit riesiger Reichweite verbreiten (1,2).

Einschätzung: Die Bilder sind mithilfe von KI generiert worden. Neben den visuellen Auffälligkeiten verweist darauf auch ein Kommentar der ursprünglichen Posterin.

Überprüfung: Derzeit lassen sich sehr viele verdächtige Bilder finden, die angeblich aus dem Iran stammen. Besonders auffällig ist dabei ein Video von einem Lichterzug, das sich auf Instagram extrem stark verbreitete. Begleitet wird es unter anderem mit den Worten „All Eyes On Iran“, was sehr an ein vor etwa einem Jahr mit den Worten „All Eyes On Rafah“ verbreitetes Bild erinnert. Bereits dieser Solidaritätsaufruf für die belagerte Stadt im Gazastreifen war damals mit einem KI-Bild visualisiert worden und hatte große Aufmerksamkeit erfahren (3).

Nicht anders verhält es sich bei dem aktuellen reichweitenstarken Video eines Lichterzugs, das aus zwei verschiedenen Szenen zusammengesetzt worden ist. In der ersten sieht man die angeblich Massenbewegung aus der Vogelperspektive. Sieht man sich einzelne Regionen allerdings genauer an, bewegen sich vor allem die dunklen Flecken doch recht ungewöhnlich. Licht steigt in diesen Bereichen etwas später im Video dann auch plötzlich wie Nebel in die Luft auf. Das Muster der Menschenköpfe geht an manchen Stellen in eine netzartige Struktur über.

Auch die zweite Szene in dem Video ist auf den zweiten Blick schnell enttarnt. Grundsätzlich macht es keinen Sinn, dass man hier mehreren Menschen mit gezückten Smartphones über die Schulter und aufs Display schauen kann, während im Hintergrund zahlreiche Lichtquellen zu erkennen sind, die augenscheinlich ebenfalls von hochgehaltenen Handys stammen. Wäre das der Fall, würden sich hier zwei verschiedene Lichterzüge aufeinander zubewegen. Viele der Menschen halten bloß ihre Hände in die Höhe.

Der deutlichste Hinweis auf die KI-Herkunft stammt allerdings von der vermeintlichen Erstposterin des Videos auf Instagram (1). Unter ihr Reel, das mittlerweile 2,8 Millionen Likes und ein Vielfaches davon an Views aufweist, schrieb sie in der Beschreibung, dass sie das Video mithilfe von KI erstellt habe. Es sei kein Ersatz für die Realität im Iran, aber eine Reflexion davon, um möglichst viele Menschen während des digitalen Blackouts zu erreichen. In dem Land wurde für mehrere Tage das Internet ausgeschaltet (4).

Nicht nur dieses KI-generierte Video erfuhr eine große Reichweite. In der politisch aufgeheizten Stimmung erreichten sich auch andere KI-Videos viele Menschen, etwa angebliche Aufnahmen nach einem Meteoriten-Absturz in Teheran, die schon vor einigen Wochen kursierten (5). In dem Video sieht man etwa ein in die Straße eingeschlagenes extraterrestrisches Objekt. Die abgebildeten Autos im Straßenkrater sind im Vergleich zum Wasserstrahl und den herumstehenden Menschen aber viel zu klein. Aus dem Erdreich treffen zielgerecht weitere Wasserstrahlen auf das Objekt, als handelte es sich um eine beabsichtigte Löschaktion.

Links

(1) Video auf Instagram: https://go.apa.at/0Solae13 (archiviert: https://perma.cc/8PZX-TG3F)

(2) Video auf Instagram: https://go.apa.at/gB0QcomX (archiviert: https://perma.cc/57NQ-DV63)

Video archiviert: https://perma.cc/WP7E-HY9M

(3) Faktencheck zu „All Eyes on Rafah“: https://go.apa.at/9e7Mzub8 (archiviert: https://go.apa.at/NMBJcQWR)

(4) Kurier über Internetsperre im Iran: https://go.apa.at/TxOj6odP (archiviert: https://go.apa.at/J5n80WOe)

(5) Video auf Instagram: https://go.apa.at/vFGh82cA (archiviert: https://perma.cc/9WFH-9RSJ)

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Florian Schmidt / Stefan Rathmanner