Als im April das Bundeskriminalamt (BK) und die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) vermeldeten, einen millionenschweren internationalen Internetbetrug aufgedeckt zu haben (1), wurde es für einige Zeit deutlich ruhiger um Anlagebetrug. Doch nach dem Schlag gegen die Betreiber albanischer Callcenter scheinen sich die Drahtzieher hinter gefälschten Krypto-Portalen neu aufgestellt zu haben. Ein kürzlich neu beworbener Fake-Artikel (2) belegt einige Änderungen.
Einschätzung: Der Artikel ist gefälscht, was an mehreren inhaltlichen und formalen Merkmalen erkennbar ist. Sein Ziel ist es, Internetnutzer in ein nicht lizenziertes Krypto-Trading-Tool investieren zu lassen. Im Vergleich zu früheren Versionen dieses Betrugsversuchs stellte APA-Faktencheck einige Anpassungen fest.
Überprüfung: Ein Artikel über die angebliche Festnahme der Journalistin Corinna Milborn, der auf den ersten Blick dem Online-Auftritt der Gratis-Zeitung „Österreich“ ähnelt, versucht unbedarfte Internetnutzer in ein Krypto-Investment zu locken. Milborn habe in der Live-ORF-Sendung „Zeit im Bild 2“ Kritik am Bankensystem geübt und für eine alternative Investitionsplattform geworben, heißt es darin. Daraufhin sei sie verhaftet und online veröffentlichte Aufzeichnungen der Sendung angeblich „auf gerichtliche Anordnung entfernt“ worden.
Die Webseite zeigt typische Anzeichen für einen Krypto-Scamversuch im Stil des Cyber Trading Fraud (CTF): Verlinkungen führen allesamt auf eine weitere Webseite, die zur Herausgabe persönlicher Daten, insbesondere einer Telefonnummer, animiert. Eine für Medienerzeugnisse verpflichtende Offenlegung oder ein Impressum sind nicht aufrufbar (3).
Zudem ändert sich der Name der Plattform abhängig vom Zeitpunkt des Abrufs dynamisch. Drei verschiedene Archivierungen zeigten drei verschiedene Namen für das Finanztool (2a,2b,2c). Auch die darunter liegende Webseite (2d), die sich etwa aus dem Ausland oder beim Versuch einer Archivierung (4) zeigt, ist ein Täuschungsversuch. Im vorliegenden Fall wird ein Online-Sportportal mit österreichischen Inhalten vorgegaukelt.
Neue Inhalte nach Schlag gegen Betreiber
Spätestens mit der Aushebung des Callcenter-Netzwerks in Albanien durch länderübergreifende Behördenarbeit im Frühjahr 2026 wurde es etwas ruhiger um Krypto-Scam-Aktivitäten in Österreich (5). Schon zuvor sorgte aber eine breite Aufklärungswelle – unter anderem durch Berichte, etwa im ORF-Fernsehen – für eine Sensibilisierung der Bevölkerung (6). APA-Faktencheck veröffentlichte dazu im Rahmen von GADMO, der deutschsprachigen Ausgabe der europäischen Beobachtungsstelle für digitale Medien, eine ausführliche Investigation zum Thema (7).
Die Drahtzieher hinter den betrügerischen Webseiten mussten sich neu aufstellen. Erkennbar ist das etwa an den Inhalten des vermeintlichen Nachrichtenartikels. Zwar geht es darin im Grunde immer noch um Journalisten, die ein angeblich geheimes Finanztool der Eliten entgegen dem Willen der Politik allen Bürgern des Landes zugänglich machen wollen, allerdings hat sich die Tonalität geändert.
Die angebliche Anzeige der Finanzmarktaufsicht (FMA), die zur erdachten Festnahme der Puls4-Journalistin Corinna Milborn geführt haben soll, soll „wegen öffentlicher Empfehlung nicht lizenzierter Finanzdienstleistungen“ erfolgt sein. Damit wird auf einen realen, stetigen Vorwurf der FMA gegenüber solchen Plattformen angespielt (8).
KI-manipulierte Promis und Profiteure
Der üblicherweise am Ende solcher gefälschten Artikel stehende Selbstversuch eines Journalisten des jeweiligen Medienportals wurde im vorliegenden Fall ebenso abgeändert. Nun spricht einer der Profiteure der Trading-Plattform von seiner lebensverändernden Investition.
Auch sein Bild – es soll ihn bei einem Video-Call mit der Redaktion zeigen – ist laut Einschätzung eines Analysetools zumindest zum Teil KI-generiert (9). Der Mann in der Aufnahme ähnelt diversen Darstellungen auf einer Webseite für echte und KI-generierte Porträts (10) und ist unter anderem Nachnamen auch in einem ähnlich strukturierten Beitrag aus der Schweiz zu finden (11).
Zuletzt wurden die Inhalte noch stärker an den österreichischen Markt angepasst. Der Mann soll von Graz nach Wien gezogen sein, seine Frau bei der Supermarktkette Billa arbeiten. Auch der Österreichische Journalisten Club (ÖJC) soll ein Statement abgegeben haben, zudem soll der frühere KTM-Chef Stefan Pierer (der im Artikel noch als CEO bezeichnet wird) vom vermeintlichen Trading-Tool geschwärmt haben. Armin Wolf, in dessen Sendung der Skandal stattgefunden haben soll, warnt seit Jahren vor genau solchem Betrug im Netz (12).
Enorme Verluste und hohe Dunkelziffer
Webseiten wie diese, die meist als Werbung in Sozialen Medien auftauchen, richten seit Jahren erheblichen Schaden an. Das Bundeskriminalamt bezifferte die Verluste privater Anleger durch CTF im Jahr 2025 mit rund 120 Millionen Euro an gemeldeten Schäden – vielmals blieben diese aber seit Jahren aus Scham im Dunklen (13,14). Dass offenbar auch die Betreiber solcher Betrugsmaschen die Inflation zu spüren bekommen, zeigt der Mindesteinlagebetrag: Dieser stieg zuletzt von 250 auf 275 Euro.
Quellen:
(1) orf.at-Artikel zum behördenschlag: https://go.apa.at/0J2GkeYZ (archiviert: https://go.apa.at/AtP1XjN0)
(2) Webseite mit Fake-Artikel: https://go.apa.at/tZb0JXL5
(2a) Archivierung 1: https://perma.cc/YR7M-27T7
(2b) Archivierung 2: https://perma.cc/Q8CR-PPMY
(2c) Archivierung 3: https://perma.cc/9BBX-SNWJ
(2d) Archivierung der darunter liegenden Webseite: https://perma.cc/JM25-6TVS
(3) WKO zu Impressum und Offenlegung: https://go.apa.at/PtJaJex1 (archiviert: https://go.apa.at/5xren6cv)
(4) Archivieren mit Checkbar.at: https://go.apa.at/7b9eHHDV
(5) Presseaussendung der WKStA: https://go.apa.at/d2SN4G6w (archiviert: https://perma.cc/TL63-SRY7)
(6) „Akte Betrug“ zum Thema: https://go.apa.at/VZXHKLq5 (archiviert: https://perma.cc/BEE3-BW4Q)
(7) GADMO-Investigation zu CTF: https://go.apa.at/Cf69Kk0a (archiviert: https://go.apa.at/W6W18UDE)
(8) FMA-Informationen zu Finanzbetrug: https://go.apa.at/z90nAGT3 (archiviert: https://perma.cc/B63B-8F8C)
(9) Einschätzung durch SynthID: https://go.apa.at/c2qKYGE5 (archiviert: https://go.apa.at/Wg6NN0wh)
(10) Webseite mit Porträt-Stockfotos: https://go.apa.at/9R9PJ8Te (archiviert: https://perma.cc/HBP2-E28T)
(11) Blogeintrag mit Schweizer Krypto-Inhalt: https://go.apa.at/0xElSiib (archiviert: https://perma.cc/53F6-ZQ96)
(12) Webseite Armin Wolf zu Betrug im Netz: https://go.apa.at/ytnLKa4x (archiviert: https://go.apa.at/mjXZ0QzT)
(13) Cyber Crime Report 2025: https://go.apa.at/I0ztYWfl (archiviert: https://go.apa.at/eZA8DIWZ)
(14) Magazin „Öffentliche Sicherheit“ 7-8/21: https://go.apa.at/xVlIaRS1 (archiviert: https://perma.cc/5BPQ-BXR4)
Wenn Sie zum Faktencheck-Team Kontakt aufnehmen oder Faktenchecks zu relevanten Themen anregen möchten, schreiben Sie bitte an faktencheck@apa.at. Die Texte vieler deutschsprachiger Faktencheck-Teams finden Sie auf der Seite des German-Austrian Digital Media Observatory (GADMO) unter: www.gadmo.eu
Stefan Rathmanner / Gisela Linschinger / Christina Schwaha