Die Facebook-Seite „Historic Austria“ hat vor Kurzem mehrere Bilder öffentlicher Versammlungen in Österreich veröffentlicht. Unter anderem vor prominenten Wiener Sehenswürdigkeiten bekunden die dort zu sehenden Menschen mit Transparenten und Fahnen angesichts einer möglichen US-Invasion (1) ihre Solidarität mit Grönland. Veröffentlicht wurden alle Bilder im Abstand weniger Stunden. Zudem finden sich mehrere Hinweise auf Erstellung mithilfe generativer Künstlicher Intelligenz.
Einschätzung: Entgegen den Bildbeschreibungen, die die Geschehnisse als aktuell verorten, gibt es keine Hinweise, dass in den vergangenen Tagen in Wien Versammlungen in Solidarität mit Grönland stattgefunden haben. Vielmehr deuten einschlägige Fehler und sich wiederholende Muster in den Bildern auf KI-Manipulation hin. Diese finden sich auch in davor auf dem Facebook-Profil veröffentlichten Bildern, die inhaltlich nicht in Verbindung mit den Solidaritätsdemonstrationen stehen. Unklar bleibt die Motivation hinter der Facebook-Seite.
Überprüfung: Österreichs Regierung bekräftigte erst kürzlich „volle Solidarität und Unterstützung für Dänemark und Grönland“ (2). Über Solidaritätsbekundungen im öffentlichen Raum sei bisher jedoch nichts bekannt – zu diesem Thema ist in der österreichischen Medienberichterstattung nichts zu finden (3). Auf APA-Faktencheck-Anfrage erklärte ein Sprecher der Landespolizeidirektion Wien, dass Versammlungen mit Bezug zu Grönland in Wien bisher weder angezeigt noch verzeichnet wurden.
Hinweise auf KI-Manipulation
Laut der dazugehörigen Bildbeschreibung soll eine Solidaritätsbekundung vor dem Wiener Rathaus erst vor kurzem stattgefunden haben. Hinter den Demonstranten sieht man auf dem Bild allerdings Bäume mit grünen Blättern, weshalb die Versammlung nicht im heurigen Jänner stattgefunden haben kann (4). Angesichts der Neuigkeit der Ereignisse ist auch eine ältere Aufnahme auszuschließen.
Eines der veröffentlichten Bilder zeigt eine Menschenmenge hinter der sowohl der Stephansdom als auch das Michaelertor zu sehen sind (5). Die tatsächliche Lage beider Sehenswürdigkeiten macht eine gemeinsame Aufnahme unmöglich. Zumindest theoretisch echt könnte das Bild sein, das eine Versammlung vor einem Bergpanorama mit Polarlichtern am Himmel zeigt. Zum Veröffentlichungszeitpunkt waren tatsächlich auch in Österreich Polarlichter zu sehen (6).
Doch die Argumente für KI-generierte Bilder wiegen zu schwer: Die Bilder der Versammlungen zeigen unterschiedliche Schauplätze, die Gesichter der darauf abgebildeten Demonstrantinnen und Demonstranten haben jedoch auffällige Ähnlichkeit miteinander. Da die jeweiligen Bilder knapp nacheinander in derselben Nacht veröffentlicht wurden, ist es unwahrscheinlich, dass es sich um reale Personen handelt. Verschwimmende Schriften und Objekte, etwa auf den Transparenten und Fahnen der Demonstranten, sind ein Muster, das man bei häufiger Bearbeitung durch KI beobachten kann (7).
Betreiber möglicherweise Bot
Die Facebook-Seite „Historic Austria“ existiert bereits seit 2021 (8). Mit Ausnahme der jüngsten Veröffentlichungen zeigen die Bilder ausschließlich Sehenswürdigkeiten und öffentliche Plätze in Österreich. Wenn auch etwas subtiler als bei den Bildern der Solidaritätsbekundungen, lassen sich auch bei diesen bekannte KI-Muster wie etwa verlaufende Schrift (9) und nicht existente Wörter finden (10).
Die Veröffentlichungen (vor allem der Grönland-Inhalte) folgen einem ungewöhnlichen Muster. Nachts oder in den frühen Morgenstunden werden in kurzen Abständen mehrere einzelne Bilder gepostet, fast immer zur vollen Stunde: etwa um 00:00, 02:00 und 04:00 Uhr. Die mechanische Art, mit der die Facebook-Seite betrieben wird, könnte durch den Einsatz eines Bots erklärt werden (11).
Die hohe Anzahl an Followern, Reaktionen und Interaktionen lassen zusätzlich vermuten, dass es sich dabei um kein natürliches Nutzungsverhalten handelt. Möglich wäre, dass diese durch sogenannte „Klickfarmen“ (12) oder „Botfarmen“ (13) gekauft wurden, mit denen Online-Traffic generiert und suggeriert werden soll.
Die Kontaktadresse – wie fast immer bei Fake-Accounts – wurde über Googles kostenloses Gmail-Service errichtet. Der Versuch einer Kontaktaufnahme mit dem Betreiber der reichweitenstarken Facebook-Seite über die dort angegebene E-Mail-Adresse (14) führte für APA-Faktencheck zu einer Fehlermeldung.
Quellen:
(1) Facebook-Postings mit österreichischer Solidaritäts-Demonstration für Grönland: https://go.apa.at/pQ1newBD (archiviert: https://archive.ph/yQDdz)
(2) „Die Presse“ über Stockers Solidaritätsbekundung zu Grönland: https://go.apa.at/NsKsrVE0 (archiviert: https://archive.ph/LXMd3)
(3) Kein Hinweis über Medienberichterstattung über Solidaritäts-Demonstrationen für Grönland in Österreich: https://go.apa.at/9RFRulhb (archiviert: https://archive.ph/35orl)
(4) Facebook-Postings mit Demonstration vor Wiener Rathaus: https://go.apa.at/wOSLMTvZ (archiviert: https://archive.ph/ioTCM)
(5) Facebook-Postings mit Demonstration vor Stephansdom: https://go.apa.at/BKGWCwwG (archiviert: https://archive.ph/zGVWA)
(6) „orf.at“-Artikel über Polarlichter über Österreich: https://go.apa.at/TolkyT4s (archiviert: https://go.apa.at/0F7QMeJn)
(7) Deutsches Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zu Erkennung von KI-Mustern: https://go.apa.at/g6ku0Nha (archiviert: https://archive.ph/NP4BS)
(8) Facebook-Seite „Historic Austria“ Seitentransparenz mit Erstellungsdatum: https://go.apa.at/Kc72ejMz (archiviert: https://archive.ph/rxEAR)
(9) Facebook-Posting Kitzbühel: https://go.apa.at/Qp4JR6sK (archiviert: https://archive.ph/qiJzN)
(10) Facebook-Posting Innsbruck: https://go.apa.at/8i5C7N2Q (archiviert: https://archive.ph/FEJIQ)
(11) „saferinternet.at“ über Social-Bot-Erkennung: https://go.apa.at/pVnJtGkv (archiviert: https://archive.ph/oHt0H)
(12) „The Guardian“-Artikel über Klickfarmen: https://go.apa.at/V8ngSGzx (archiviert: https://archive.ph/EWhO7)
(13) „f5.com“ über die Gefahren von Botfarmen: https://go.apa.at/3H9BJN83 (archiviert: https://go.apa.at/Fj6eBooF)
(14) Übersicht über Facebook-Profil „Historic Austria“: https://go.apa.at/7skkOFZz (archiviert: https://archive.ph/SNcng)
Wenn Sie zum Faktencheck-Team Kontakt aufnehmen oder Faktenchecks zu relevanten Themen anregen möchten, schreiben Sie bitte an faktencheck@apa.at. Die Texte vieler deutschsprachiger Faktencheck-Teams finden Sie auf der Seite des German-Austrian Digital Media Observatory (GADMO) unter: www.gadmo.eu
Katharina Nieschalk / Stefan Rathmanner