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blog / Freitag 26.06.26

APA Check Avatar Hitze ruft Klimawandelskeptiker auf den Plan

APA/Roland Schlager

Die Hitzewelle, die aktuell für Temperaturrekorde in Österreich sorgt, obwohl sie erst am Wochenende auf ihren Höhepunkt zusteuert, lässt auch Userinnen und User in Sozialen Medien nicht kalt. Viele von ihnen meinen, manche Medien würden in ihrer Berichterstattung über die Hitze übertreiben und damit Panik verbreiten (1). Auch die bereits bekannte Behauptung, mittels Wetterkarten die Temperaturen dramatischer darzustellen als sie eigentlich sind, wird erneut zahlreich geteilt (2,3,4,5,6).


Einschätzung: Klima-Desinformation begleitet jede Hitzewelle so verlässlich wie Temperaturen über 30 Grad. Zahlreiche Beiträge in Sozialen Medien generieren große Reichweite und versuchen so, den wissenschaftlichen Konsens zu widerlegen. Keine der im Rahmen dieses Texts überprüfte Behauptung hält einer kritischen Prüfung stand.


Überprüfung: Die Behauptung, Wetterkarten würden absichtlich manipuliert, um damit Angst zu schüren und Panik zu verbreiten, dient meist dazu, den Klimawandel bzw. den Anstieg der Temperaturen zu relativieren und als etwas darzustellen, “dass es schon immer gab” (1/Kommentare,4). Vieler Userinnen und User machen sich dabei über die “Klima-Apokalyptiker” lustig und teilen etwa KI-generierte Fakes, die eine Wetterkarte der “tagesschau” in Flammen oder mit glühender Lava zeigen soll (5). 


In aktuellen Postings, die sowohl in Österreich als auch in Deutschland große Reichweite haben, wird suggeriert, dass Temperaturen um 32 Grad früher grün oder gelb dargestellt worden seien, heute würde die Wetterkarte schon bei 30 bis 32 Grad rot eingefärbt (2,3,6).


Das Video (2), das als vermeintlicher Beweis dafür angeführt wird, dass die Temperaturkarte früher weit weniger “alarmistisch” war, wurde allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt. Zu diesem Schluss kam “
Mimikama” (7) kürzlich nach eingehender Analyse. APA-Faktencheck verweist an dieser Stelle darauf, dass selbst fortgeschrittene KI-Analysetools jedoch keine hundertprozentig sicheren Ergebnisse liefern können. Allerdings deuten auch andere Aspekte auf die Erstellung durch KI hin: Im Videoausschnitt fehlen Hinweise auf Sender oder Sendungsdatum und die Studiooptik wirkt generisch. 


Wetterkarten in neuem Design


Tatsächlich unterscheiden sich aber einige alte Wetterkarten von den neuen in ihrer Aufmachung. Allerdings aus einem einfachen, weit weniger spektakulären Grund als die Posts auf Social Media vermuten lassen würden. So wurde etwa das Design für die 
Temperaturkarte der ARD-tagesthemen 2020 umgestellt (8), seit es nicht mehr von unterschiedlichen Redaktionen und Firmen, sondern vom ARD-Kompetenzzentrum in Frankfurt zugeliefert wird. Zur besseren Erkennbarkeit wurde das Design der “tagesschau”-Wetterkarten zudem 2005 und 2024 verändert und vereinheitlicht, wie die ARD selbst erklärte (9). Die Farben seien seither kontrastreicher dargestellt, jedoch nicht röter. 


Farbtöne sind nicht zwingend mit einer bestimmten Temperatur verknüpft, erklärte 
Patrick Gensing von der ARD bereits 2019: „Eine Farbskala, die im Sommer und im Winter im Einsatz wäre – also von minus 20 bis plus 40 Grad – hätte keine klar erkennbaren Farbunterschiede mehr.“ Deshalb werden die Farben je nach Jahreszeit angepasst (10). 


Das passiert laut Marcus Wadsak 
auch im ORF, der mit drei Farb-Abstufungen – Frühling und Herbst verwenden dieselbe – arbeitet, um Temperaturunterschiede besser sichtbar zu machen (11). Definiert werden die Farbspektren als Abweichung von den langjährigen Mittelwerten zur jeweiligen Jahreszeit. 


Mehr Tote durch Hitze als im Straßenverkehr
 


Eine weitere Behauptung, die aktuell große Verbreitung findet, ist jene, dass sogenannte Mainstream-Medien “Hitzetote erfinden” würden (1). Dass diese leider nicht erfunden werden müssen, zeigt die aktuelle Situation in Frankreich. Bis Donnerstag wurden dort bereits 
rund 40 Tote nach Badeunfällen im Zuge der Hitzewelle registriert (12). Auch im Wiener Strandbad Gänsehäufel starben am vergangenen Sonntag zwei Menschen bei Badeunfällen. 


Hitze wird als Gefahr für die Bevölkerung immer wieder unterschätzt. Tatsächlich fordert sie in Österreich 
schon seit vielen Jahren mehr Todesopfer als Verkehrsunfälle (13). Bei Badeunfällen ist es häufig der schnelle Wechsel von heiß und kalt, der den menschlichen Körper überfordert und in Gefahr bringen kann (14).


Mehr Hitze bedeutet für die Rettungsorganisationen auch mehr Einsätze, erklärte Kevin Edriss vom Samariterbund kürzlich in einem 
ORF-Interview (15). Diese beschränken sich freilich nicht auf Badeunfälle. Hitze erhöhe laut Verkehrsclub Österreich (VCÖ) auch die Gesamtzahl an Verkehrsunfällen teils deutlich (16). 


Immer mehr Hitzetage pro Jahr
 


Heiß war es schon immer, doch die Intensität und Häufigkeit der vergangenen Jahrzehnte ist laut breitem 
Konsens in der Forschung menschlich beeinflusst (17). In Wien wurden etwa seit 2009 stets mindestens 13 Hitzetage (also Tage mit einem Höchstwert von mindestens 30 Grad Celsius) aufgezeichnet, mit einer Spitze von 45 Stück im Jahr 2024 (18). 


Diese 13 Hitzetage werden 2026 in der Bundeshauptstadt noch vor Beginn der Sommerferien erreicht. 
In einigen Teilen des Landes, etwa Osttirol, Westkärnten und Vorarlberg wurde diese Marke bereits geknackt (19). Besonders auffällig: In diesen Regionen weicht die Anzahl der bisherigen Hitzetage bereits im zweistelligen Bereich vom langjährigen Mittel der Jahre 1991 bis 2020 ab. 


Klima-Desinformation in Sozialen Medien allgegenwärtig


Die öffentliche 
Debatte über den Klimawandel wird stark von Falschinformationen beeinflusst (20). Neben dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, ist das Thema Klima eine der zentralen Zielscheiben von Desinformation. Laut dem europäischen Faktencheck-Netzwerk EDMO (European Digital Media Observatory), dem auch APA-Faktencheck angehört (21), betreffen innerhalb der EU rund fünf bis 15 Prozent aller Online-Falschinformationen das Thema Klima. 


Die Folgen von Klima-Desinformation sind sichtbar. Etwa kann sie dazu führen, dass Menschen die Unterstützung für Klimaschutzmaßnahmen unterschätzen. Zudem trägt sie dazu bei, dass das Vertrauen in Medien, Wissenschaft und Institutionen untergraben wird. Dafür muss das Rad nicht neu erfunden werden. Viele der gängigsten Behauptungen, die den menschengemachten Klimawandel in Abrede stellen wollen, kursieren schon seit Jahren.
 


So wird beinahe jährlich eine alte Schlagzeile aus der deutschen “Bild” verbreitet, die bereits 1957 von 
mehr als 56 Grad Celsius berichtete (4). Das Detail, dass es sich dabei um keine Außentemperatur, sondern eine Messung im Inneren einer Bahnhofsuhr gehandelt hatte, wird allerdings seit vielen Jahren ausgespart (22). 


Auch die angeblich immer bedrohlicher eingefärbten Wetterkarten, die in 
diversen Varianten existieren (3) und damit viele Menschen erreichen, werden schon seit Jahren als Beleg für eine gezielte Klima-Panikmache angeführt, wie frühere APA-Faktenchecks belegen. (11,23) Die Behauptung, dass solche Karten ein Phänomen sein sollen, das es in anderen Ländern wie Italien nicht gibt (6), ist ebenfalls nicht haltbar. Auch in Italien arbeiten Meteorologen nach wie vor mit verschiedenen Arten von Karten (24). Geht es etwa um die Darstellung von Wettersymbolen, sind sie anders eingefärbt als bei reinen Temperaturkarten. 


Auch Starkregen belegt Klimawandel


Dass nicht nur Hitzewellen, sondern auch unbeständiges Wetter Klimawandel-Relativierer auf den Plan ruft, wurde spätestens im vergangenen Sommer deutlich. Der Juli 2025 war nach 
Aufzeichnung der GeoSphere Austria nämlich einer der nassesten der Messgeschichte (25). Es dauerte nicht lange, wurden Fake News verbreitet, die implizieren, dass es die Klimaerwärmung also gar nicht gäbe. Dass Klimawandel aber nicht nur Hitze, sondern eben auch Extremwetter bedeutet, wurde dabei außer Acht gelassen (26).


Quellen: 

(1) AUF1-Beitrag auf Facebook: https://go.apa.at/tusnBjqq (archiviert: https://go.apa.at/V9sVaxaU 

(2) Facebook-Post aus Deutschland: https://go.apa.at/fCGKuZtw (archiviert: https://go.apa.at/Fp9HAqfN, Reel archiviert: https://go.apa.at/XWO4GBpl 

(3) Facebook-Post aus Österreich 1: https://go.apa.at/VjAQTQd4 (archiviert: https://go.apa.at/9KCMlGnV 

(4) Facebook-Post aus Österreich 2: https://go.apa.at/kqs93w0B (archiviert: https://go.apa.at/7ePlw7zg 

(5) Facebook-Post mit manipulierter “tagesthemen”-Wetterkarte: https://go.apa.at/kVDVsOSQ (archiviert: https://go.apa.at/PVMu7982 

(6) Facebook-Post mit Italien-Behauptung: https://go.apa.at/31gDT0AX (archiviert: https://go.apa.at/kzYb9VAZ) 

(7) Mimikama zu Wetterkarten-Vergleich: https://go.apa.at/7ccDsxuj  

(8) ARD-Tagesthemen zu Wetterkarten: https://go.apa.at/kIdI0MCT (archiviert: https://go.apa.at/qRuL2d4s) 

(9) ARD-Faktenfinder zu Desinformation in aktueller Hitzewelle: https://go.apa.at/7UJsOIX8 (archiviert: https://go.apa.at/EASfxwD4 

(10) ARD-Faktenfinder-Beitrag aus 2019: https://go.apa.at/zTOucoVu (archiviert: https://go.apa.at/UUouBh6S) 

(11) APA-Faktencheck aus 2022 zu Temperaturkarten: https://go.apa.at/p4iS17d9 

(12) “orf.at” zur aktuellen Hitzewelle in Europahttps://go.apa.at/BCMGiP6b (archiviert: https://go.apa.at/mOK76hOK 

(13) Seniorenbund zu Hitze- und Verkehrstoten: https://go.apa.at/iPtEu47T (archiviert: https://go.apa.at/XOsVDXJm 

(14) “orf.at” zu Badeunfällen: https://go.apa.at/VcQZkcwC (archiviert: https://go.apa.at/D9Sm3BnB 

(15) ORF-Interview zu Hitze: https://go.apa.at/EeJ0EY5p  

(16) „Krone“ zu Verkehrstoten: https://go.apa.at/XZGHBucl (archiviert: https://go.apa.at/YRJazIjv 

(17) Handbuch zum Klimakonsens: https://go.apa.at/bbMmB7Dj (archiviert: https://perma.cc/7M5E-Z854) 

(18) Wiener Wetter-Statistik: https://go.apa.at/1p3rhMIK (archiviert: https://perma.cc/B49J-PW6V) 

(19) “derstandard.at”-Artikel mit interaktiver Karte: https://go.apa.at/cyzJk3zp (archiviert: https://perma.cc/VBE2-8PQY) 

(20) Klimaministerium zu Klima-Desinformation: https://go.apa.at/3aBeqQLm (archiviert: https://perma.cc/AV7Z-S7YA) 

(21) Übersicht aller EDMO-Hubs: https://go.apa.at/I9iUZlbb (archiviert: https://perma.cc/NF3K-37BE) 

(22) “Volksverpetzer”-Artikel aus 2019: https://go.apa.at/0zFFCaB6 (archiviert: https://perma.cc/JU9D-4V7Y) 

(23) APA-Klima-Faktencheck aus 2023: https://go.apa.at/079cqbjR  

(24) Wetterkarten in “Il Messaggero”: https://go.apa.at/xg6PXQYV (archiviert: https://perma.cc/T34L-F22R) 

(25) Climate Change Centre Austria zu Wetter im Sommer 2025https://go.apa.at/B1SQTQrU (archiviert: https://go.apa.at/Pld0OW2i 

(26) “Wiener Zeitung” zu Klimawandel: https://go.apa.at/l6t86qO6 (archiviert: https://go.apa.at/alZjYiGD)


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Christina Schwaha / Stefan Rathmanner / Eva Cilensek