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blog / Donnerstag 03.09.26

APA Check Avatar Auch in der Westukraine ist es nicht sicher

APA/AFP/Sergei SUPINSKY

Seit Kriegsbeginn vor mehr als vier Jahren ist die Ukraine häufig im Fokus von Falschinformationen. In Sozialen Netzwerken kursierte kürzlich etwa die Behauptung, der Westen der Ukraine sei bereits seit drei Jahren kriegsfrei, weshalb Flüchtende sich dort niederlassen könnten (1). Die Realität sieht aber anders aus.


Einschätzung:
 


Auch im Westen der Ukraine herrscht Krieg. Die Behauptung, diese Region wäre bereits seit drei Jahren kriegsfrei, ist falsch. Von Sicherheit kann in dieser Region – so bestätigen das auch Experten – keine Rede sein. 
 


Überprüfung:
 


Die Verbreitung von Falschbehauptungen zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ist keine Seltenheit. Seitdem Russland die Ukraine im Februar 2022 überfallen hat, stehen Fake-News und Desinformation dazu beinahe an der Tagesordnung. Oft sind dabei der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, (
2a), dessen Umfeld (2b), die Kriegsführung der Ukraine (2c) oder – wie auch hier – das Thema „Migration“ im Fokus.  


Kriegshandlungen betreffen auch die Westukraine 
 


Dass vor allem östliche Regionen der Ukraine von Kriegshandlungen betroffen sind, stimmt. Nichtsdestotrotz heißt dies im Umkehrschluss nicht, dass der Westen des Landes „kriegsfrei“ ist: Denn auch westliche Städte spüren den russischen Angriffskrieg. 
 


Das bestätigt auch Militärexperte Oberst Markus Reisner auf APA-Anfrage. Die Behauptung, dass diese Region kriegsfrei wäre, sei falsch. Gerade auch der Westen der Ukraine leide seit Beginn des Krieges unter schweren Luftangriffen, so Reisner gegenüber der APA.
 


Angriffe im Westen der Ukraine
 


Auch unterschiedliche Medien berichten immer wieder von Angriffen in der Westukraine. Im November 2025 wurde etwa die Stadt Ternopil zum Ziel von Luftangriffen. Auch Lwiw (dt. Lemberg) und Iwano-Frankiwsk waren betroffen. Laut UNHCR, dem Flüchtlingsnetzwerk der Vereinten Nationen, machten diese Angriffe deutlich, dass es in der Ukraine keine sicheren Gebiete gibt (
3). Und die Lage hat sich auch seit diesem Vorfall nicht verbessert – im Gegenteil. Von Seiten der UNHCR hieß es auf APA-Anfrage, dass sich die Sicherheitssituation in der Ukraine in letzter Zeit sogar nochmals verschlechtert habe. Auch jüngste Angriffe in der gesamten Ukraine, darunter auch auf die westlichen Städte Lwiw und Iwano-Frankiwsk, würden zeigen, dass kein Teil des Landes sicher ist.  


Im März 2026 gab es Berichte über russische Drohnenangriffe, die in mehreren Landesteilen der Ukraine Todesopfer forderten (
4). Besonders betroffen war damals die Stadt Lwiw, deren historische Altstadt seit 2023 auf der UNESCO-Liste des gefährdeten Welterbes steht (5,6). Auch Ende Juli beklagte die Stadt schwere Zerstörungen und Verletzte. In der Nähe der polnischen Grenze seien nach Raketentreffern Brände ausgebrochen (7). 


Die Behauptung, dass irgendein Ort in der Ukraine kriegsfrei sei, sei „absurd“, sagt ORF-Ukraine-Korrespondent Christian Wehrschütz auf APA-Anfrage. Zwar gebe es ein abgestuftes Bedrohungsbild: In Lemberg sei die Sicherheitslage beispielsweise besser als im frontnahen Cherson, und auch der Raum Kiew werde häufiger bombardiert als der Westen des Landes. Sicherheit gebe es aber nirgends. Es bestehe immer die Gefahr, zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort zu sein, so Wehrschütz. 
 


Reisewarnung betrifft die gesamte Ukraine
 


„Vor Reisen in die Ukraine wird gewarnt“, heißt es auf der Webseite des Außenministeriums. Für das gesamte Land – und damit auch für den Westen – gilt eine Reisewarnung der Sicherheitsstufe 4 (
8).  


Die vierte Warnstufe ist die höchste. Hier wird unterschieden zwischen Warnungen für eine bestimmte Region oder für das Land generell, so wie es bei der Ukraine der Fall
ist. Vor Reisen in dieses Land wird also gewarnt, zudem werden österreichische Bürger und Bürgerinnen, die sich dort aufhalten, „dringend ersucht sich unverzüglich mit der zuständigen österreichischen Vertretungsbehörde bzw. der nächstgelegenen Vertretung eines EU-Mitgliedstaates in Verbindung zu setzen“ (9). 


Schutz für Menschen aus dem ganzen Land


Vertriebene aus der Ukraine haben in Österreich ein vorübergehendes Aufenthaltsrecht (
10). Es macht hier keinen Unterschied, aus welchem Teil der Ukraine man kommt.  


Am 15. Juli 2026 haben sich die EU-Länder geeinigt, den vorübergehenden Schutzstatus für ukrainische Flüchtlinge bis zum 4. März 2028 zu verlängern. „Mit der Verlängerung des Schutzes um ein weiteres Jahr wird Klarheit und Vorhersehbarkeit für alle Kriegsflüchtlinge geschaffen“, heißt es von Seiten der Europäischen Union (
11). 


Mit Stand Ende April hatten 4,37 Millionen Menschen, die aus der Ukraine geflohen sind, einen temporären Schutzstatus in der EU inne. Deutschland hat mit über 1,2 Millionen die meisten Menschen aufgenommen, gefolgt von Polen und Tschechien. In Österreich haben diesen Schutzstatus Ende April knapp 88.000 aus der Ukraine geflohene Menschen (
12).  


Da sich die russischen Angriffe zunehmend gegen die zivile Infrastruktur in Großstädten richteten, darunter etwa Energieanlagen und Unternehmen der Lebensmittelversorgungskette, bleibe die Sicherheitslage für die Zivilbevölkerung zunehmend alarmierend, heißt es von Seiten der UNHCR gegenüber der APA. 
 


Quellen: 


(1) Facebook-Posting mit Behauptung:
https://go.apa.at/xtCKxwJ0 (archiviert: https://go.apa.at/0l2ZqDAY) 

(2a) APA-Faktencheck zu Selenskyj/Hitler-Vergleich: https://go.apa.at/c7iUCmPU (archiviert: https://go.apa.at/yBSH1PkG) 

(2b) APA-Faktencheck zu gefälschter Bugatti-Rechnung: https://go.apa.at/qWIj8ujo (archiviert: https://go.apa.at/trHxQlIU) 

(2c) APA-Faktencheck zur Kriegsführung der Ukraine: https://go.apa.at/w7S5L6uI (archiviert: https://go.apa.at/FrQk1xYd) 

(3) UNHCR über Tödliche Angriffe in der Westukraine: https://go.apa.at/vQ0bHafU (archiviert: https://go.apa.at/TmSjYcXt 

(4) „ORF“-Artikel zu Drohnenangriff: https://go.apa.at/w4YJY7M3 (archiviert:  https://go.apa.at/602poKaZ) 

(5) UNESCO: Lwiw auf Liste der „World Heritage in Danger“: https://go.apa.at/9TGXOymh (archiviert:   https://go.apa.at/lgAQdQyT) 

(6) UNESCO: „List of the World Heritage in Danger„: https://go.apa.at/lmEu3Dz1 (archiviert: https://go.apa.at/hl2UOy56) 

(7) „News“-Artikel über Angriffswelle: https://go.apa.at/rmSda7xd (archiviert: https://go.apa.at/QhKma3vD) 

(8) Außenministerium zur Lage in der Ukraine: https://go.apa.at/YLB8rCve (archiviert: https://go.apa.at/SW7vLO0Y) 

(9) Außenministerium zu Reisewarnungen: https://go.apa.at/zr2FFysg (archiviert: https://go.apa.at/g74mJ1Dy) 

(10) Informationen für ukrainische Staatsangehörige: https://go.apa.at/dGERk5r9 (archiviert: https://go.apa.at/Ugj1QQbg) 

(11) Rat der EU: Vorübergehender Schutz wird verlängert: https://go.apa.at/lBaSz43n (archiviert: https://go.apa.at/Hw8tEv9j) 

(12) „eurostat“: Temporärer Schutzstatus: https://go.apa.at/48EcNj1r (archiviert: https://go.apa.at/50GVqymI) 


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Eva Cilensek / Stefan Rathmanner