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blog / Donnerstag 18.06.26

APA Check Avatar APA-Faktencheck: KI-Fake vergleicht Selenskyj mit Hitler

APA/dpa/Kay Nietfeld

Seit Jahren streut Russland die Falschinformation (1), die Ukraine sei ein Nazi-Staat. Wie eine Fotocollage (2), die derzeit in Sozialen Medien kursiert, zeigt, hält sich dieser Mythos auch im fünften Jahr des Angriffskrieges. Das Posting zeigt ein Bild des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, wie er zwei Teenagern gegenübersteht und seine Hand zu einem der Burschen ausstreckt. Darunter findet sich ein Foto von Adolf Hitler, in einer nahezu gleichen Pose.

Einschätzung: Das Bild des ukrainischen Präsidenten ist eine Fälschung. Es wurde mit OpenAI-Tools erstellt, die Szene ist nicht echt. Eine Bilderrückwärtssuche ergibt keine Ergebnisse, das Bildmaterial weist zudem KI-typische Auffälligkeiten auf.

Überprüfung: Dass das Bild von Wolodymyr Selenskyj mittels Künstlicher Intelligenz erstellt wurde, lässt sich schnell herausfinden. OpenAI prüft mittels Verifizierungstool (3), ob es Signale dafür gibt, dass eine Abbildung mit Tools dieser Künstlichen Intelligenz generiert wurde. Bei der vermeintlich echten Aufnahme Selenskyjs schlägt das Programm an und verweist darauf, ein SynthID-Wasserzeichen entdeckt zu haben, das von OpenAI stammt.

Bild zeigt typische KI-Auffälligkeiten

Auch ohne das OpenAI-Tool lassen sich Indizien dafür finden, dass es sich um ein KI-generiertes Bild handelt. Verschwommene Stellen und Übergänge (4) sind etwa ein Anzeichen für Fakes. Blickt man auf die Hand Selenskyjs, die in Richtung des Burschen greift, so sieht man unnatürliche Unschärfen beim Daumen des Präsidenten. Aber nicht nur die „innere Logik“ des Bildes, sondern auch die „äußere“ lässt auf eine Fälschung schließen. Dass sowohl die Geste als auch der Hintergrund zum Hitler-Foto fast ident sind, ist nahezu unmöglich.

Eine Bilderrückwärtssuche (5) bleibt im Falle des Selenskyj-Bildes ergebnislos. Auch das ist ein Indiz dafür, dass es sich hier nicht um eine echte Aufnahme handelt. Echte Fotos des ukrainischen Präsidenten lassen sich in der Regel zurückverfolgen. Dass es von dem vermeintlichen Auftritt des Staatsoberhaupts nur ein Foto gibt und keines aus einer anderen Perspektive, ist unrealistisch. Eine erfolgreiche Bilderrückwärtssuche würde Aufschluss darüber geben, wann und wo ein Foto tatsächlich aufgenommen wurde.

Hitler-Foto echt

Im Gegensatz zu dem oberen Bild lässt sich das historische Foto von Adolf Hitler finden – es ist also echt. Konkret stammt es aus dem Jahr 1945 und wurde im Garten der Alten Reichskanzlei in Berlin aufgenommen. Verbreitet wurde die Aufnahme in der „Deutschen Wochenschau“ im März 1945 (6). In der „Wochenschau“ (7) wurden Beiträge über politische, kulturelle, militärische und sportliche Ereignisse veröffentlicht. Sie galt wohl als das wichtigste Propaganda-Instrument der Nationalsozialisten. Die finale Ausgabe (8) der „Deutschen Wochenschau“ war jene, aus der das Foto stammt. Sie zeigt den letzten öffentlichen Auftritt Hitlers: Er verlieh dabei Burschen aus der Hitlerjugend das Eiserne Kreuz – im Garten der Alten Reichskanzlei.

Das Gebäude im Hintergrund

Ein Blick auf die Fotocollage und es wird deutlich: Die Hintergründe bei beiden Bildern sind nahezu ident. Dass dies tatsächlich der Fall wäre, ist so gut wie unmöglich. Dr. Sönke Neitzel, Professor für Militärgeschichte/Kulturgeschichte der Gewalt an der Universität Potsdam, erklärte auf APA-Anfrage, dass er mit hoher Sicherheit ausschließen könne, dass das auf dem Hitler-Foto im Hintergrund sichtbare Gebäude heute noch steht. Die Zerstörungen im Umfeld der Reichskanzlei in den letzten Kriegswochen sowie die spätere Umgestaltung des Geländes nach 1945 würden dagegensprechen. Um welches Gebäude es sich konkret handelt, sei aber anhand des Bildmaterials nicht erkennbar.

Die Ähnlichkeit der beiden Bild-Hintergründe deutet damit nicht auf die Echtheit hin, sondern eher darauf, dass das Hitler-Foto die Basis für das KI-generierte Selenskyj-Bild war.

Ukraine als Nazi-Staat: Kein neues Narrativ

Seit dem Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine im Februar 2022 sind russisch gestreute Desinformation und Propaganda besonders präsent. Als Russland die Ukraine überfiel, streute Präsident Wladimir Putin als Rechtfertigung (9) die Behauptung, die Ukraine „entnazifizieren“ zu wollen. Wie auch das „United States Holocaust Memorial Museum“ (10) in Washington DC anerkennt, verfälscht und missbraucht Putin die Geschichte des Holocausts.

Kurz vor dem Einmarsch Russlands in die Ukraine erklärte Putin in einer Rede (11), mit dem Angriff jene Menschen schützen zu wollen, die vom „Kiewer Regime“ misshandelt und ermorden werden würden. Man bemühe sich um „Entnazifizierung“, zudem fiel immer wieder das Wort „Genozid“.

Wolodymyr Selenskyj selbst ist jüdischer Herkunft (12). Mehrere seiner Vorfahren fielen dem Holocaust zum Opfer, öffentlich sprach er sich zudem bereits mehrfach gegen den Nationalsozialismus aus. Auf dem Kurznachrichtendienst X postete er etwa am 8. Mai 2021 (13) zum Tag der Befreiung. Er verurteilt darin den Zweiten Weltkrieg und den Nationalsozialismus.

Präsident immer wieder im Fokus von Desinformation

Der Angriffskrieg in der Ukraine ist seit Jahren im Fadenkreuz von Falschinformationen. Nicht selten kommt es dabei vor, dass versucht wird, Selenskyj persönlich zu verunglimpfen. Immer wieder kursieren gefälschte Bilder des Präsidenten, wie etwa im vergangenen Jahr, als er fälschlicherweise mit Plateau-Schuhen (14) dargestellt wurde. Häufig werden zudem Falschinformationen über sein angebliches Milliardenvermögen (15) gestreut. Seine offizielle Einkommenserklärung (16) widerspricht den Behauptungen aber klar. Auch seine Frau fiel 2024 einer russischen Desinformationskampagne zum Opfer. Damals wurde eine gefälschte Bugatti-Rechnung (17) verbreitet.

 

Quellen: 

(1) Tagesschau-Artikel zum Nazi-Narrativ: https://go.apa.at/E9TdWg6E (archiviert: https://go.apa.at/gusVFhUc) 

(2) Facebook Reel mit Behauptung: https://go.apa.at/crOmD0rh (archiviert: https://go.apa.at/IbuOFtFL) 

(3) OpenAI-Verifizierungstool: https://go.apa.at/Wx8HdTal (archiviert: https://go.apa.at/AyfbhLVM) 

(4) APA-Informationen zum Erkennen von KI: https://go.apa.at/FLZbFTmk (archiviert: https://go.apa.at/FJQHVYbg) 

(5) APA-Informationen zur Bilderrückwärtssuche: https://go.apa.at/jmdc41ms (archiviert: https://go.apa.at/ca4zjOS4 

(6) Sendung der “Deutschen Wochenschau” vom März 1945 (archiviert: https://go.apa.at/9CcY9K1s)  

(7) MRD-Artikel zur “Deutschen Wochenschau”: https://go.apa.at/iRPIbaFq (archiviert: https://go.apa.at/DnHCXGwu) 

(8) Filmarchiv Austria über die “Deutsche Wochenschau”: https://go.apa.at/i621URAx (archiviert: https://go.apa.at/av4okfJh) 

(9) ORF-Artikel über Putins Nazi-Erzählung über die Ukraine: https://go.apa.at/Bb1pEYpy (archiviert: https://go.apa.at/RRpSYIH1) 

(10) Das United States Holocaust Memorial Museum über die Ukraine: https://go.apa.at/5ZbO45ur (archiviert: https://go.apa.at/X7JYO55W) 

(11) Deutschlandfunk-Artikel über russische Desinformation: https://go.apa.at/AV9xJ9MV (archiviert: https://go.apa.at/UF2P2NxH 

(12) Die Schweizer Nachrichtenagentur Keystone SDA über Selenskyj: https://go.apa.at/3Yh0Qyv5 (archiviert: https://go.apa.at/P5SPKu4z) 

(13) X-Posting von Selenskyj zum Tag der Befreiung 2021: https://go.apa.at/Py186Un9 (archiviert: https://go.apa.at/v5XncNee 

(14) APA-Faktencheck vom 30.10.2025: https://go.apa.at/zIcZJPRQ  

(15) APA-Faktencheck vom 17.06.2025: https://go.apa.at/1nQARTXa  

(16) APA-Faktencheck vom 15.03.2025: https://go.apa.at/uxS1iJTW  

(17) APA-Faktencheck vom 26.07.2024: https://go.apa.at/qWIj8ujo  

 

Eva Cilensek / Christina Schwaha/ Stefan Rathmanner

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