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blog / Freitag 17.04.26

APA Check Avatar Alte Story um schmuggelnden Diplomaten neu geteilt

APA/AFP/Symbolbild

Riesige Geldflüsse bergen das Risiko der Korruption. So auch, wenn die EU die Ukraine mit Hilfsgeldern unterstützt. Obgleich es Beispiele belegter Korruption gibt, versuchen Kritiker die Situation drastischer darzustellen, als sie ist. Neben irreführenden Behauptungen werden dafür auch alte Ereignisse als neue Erkenntnisse verkauft. Derzeit wird etwa die Geschichte eines ukrainischen Attachés aufgewärmt, der 2021 eine hohe Summe Geldwert nach Polen schaffen wollte (1,2).

Einschätzung: Die Geschichte rund um einen ukrainischen Diplomaten, der Geldscheine und Gold ins Ausland transportieren wollte, ist aus dem Februar 2021. Sie ereignete sich somit ein Jahr vor Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine.

Überprüfung: Im Zentrum der Behauptungen stehen virale Beiträge (1), die Fotos von Geldscheinen und Goldbarren gemeinsam mit der Tatsache teilen, dass ein ukrainischer Botschafter damit an der Grenze geschnappt worden ist. Einige der Texte nehmen auch direkt Bezug auf die Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen Russland und behaupten, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj um Geld bettele, während seine Diplomaten die Gelder selbst einsteckten und vom „sinkenden Schiff“ flöhen.

Doch wenn man die beigefügten Bilder mithilfe einer Foto-Rückwärtssuche (3) im Internet nachverfolgt, lässt sich schnell erkennen, dass es sich um gar keine aktuelle Situation handelt. Der Vorfall ist real, ereignete sich allerdings bereits im Jahr 2021, wie einige Medienberichte zeigen, etwa von der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform, der „Kyiv Post“ oder auch der Deutschen Welle (4,5,6).

Demnach waren mehrere Personen an dem Schmuggel beteiligt, darunter ein Attaché der ukrainischen Botschaft in Polen. An der Grenze zwischen den beiden Ländern wurden bei einer Kontrolle 140.000 Dollar, 67.200 Euro und 11.600 polnische Zloty in bar sowie 16 Kilogramm Gold und rund 8.800 Stangen Zigaretten in deren Auto gefunden, die in die Europäische Union transportiert werden hätten sollen.

Der damalige ukrainische Außenminister Dmitri Kuleba veröffentlichte am 1. März 2021 ein Statement auf Facebook, in dem er die kriminellen Machenschaften verurteilte und erklärte, zwei Mitarbeiter der Botschaft in Polen zurückberufen zu haben. Gegen sie würden Ermittlungen eingeleitet werden (7).

Einem Bericht des ukrainischen Mediums „Kovel Media“ vom 16. März 2022 zufolge wurden die beschlagnahmten Güter ein Jahr nach dem Vorfall in den Staatshaushalt der Ukraine überstellt. Sie könnten dadurch auch für die ukrainischen Streitkräfte verwendet werden. Gegen den betroffenen Diplomaten sei eine Geldstrafe von 26,8 Mio. ukrainischen Hrywnja (ca. 500.000 Euro) ausgesprochen worden (8).

Abgesehen von irreführenden Behauptungen und aufgebauschten Fällen gibt es in der Ukraine tatsächlich immer wieder Korruptionsvorwürfe. Im Rahmen eines „Midas“ getauften Schmiergeld-Skandals im Energiesektor wird gegen mehrere hochrangige Beamte ermittelt, darunter auch gegen den ehemaligen ukrainischen Energieminister Herman Haluschtschenko (9).

 

Quellen

(1) Behauptung auf X: https://go.apa.at/TFDcGZVu (archiviert: https://go.apa.at/xNNOrvCV)

(2) Behauptung auf Facebook: https://go.apa.at/nh0ngdfN (archiviert: https://go.apa.at/7Ax4Lv0A)

(3) Grundlagen Foto-Rückwärtssuche auf CheckBar.at: https://go.apa.at/jmdc41ms

(4) DW-Bericht zu Vorfall: https://go.apa.at/Xg69xOKX  (archiviert: https://go.apa.at/4ZfipSTZ)

(5) Ukrinform über Vorfall: https://go.apa.at/250I7sjb (archiviert: https://go.apa.at/GKZY16Sc)

(6) Kyiv Post über Vorfall: https://go.apa.at/1g4gsJch (archiviert: https://go.apa.at/Cyf2ObuQ)

(7) Statement Kuleba auf Facebook: https://go.apa.at/285D908j (archiviert: https://go.apa.at/OLn0KGpE)

(8) „Kovel Media“ über die Verurteilung: https://go.apa.at/qMBcPWDN (archiviert: https://go.apa.at/2WwoekUO)

(9) ORF-Artikel zu Schmiergeldskandal: https://go.apa.at/aLuqwED6  (archiviert: https://go.apa.at/405Su0VU)

 

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Florian Schmidt / Stefan Rathmanner