Sieben Jahre nach Jeffrey Epsteins Ableben kommen im Fall des verurteilten Sexualstraftäters neue Informationen über dessen Machenschaften, Komplizinnen und Komplizen ans Licht. Die jüngsten Enthüllungen über das Ausmaß von mutmaßlich kriminellen Aktivitäten und Netzwerken werden von einer kontinuierlichen Flut von Falschinformationen begleitet. Derzeit finden sich im Netz verschiedene Falschbehauptungen, sowohl zu seiner Person als auch zu angeblichen Akteninhalten (1,2,3).
Einschätzung: Die in den vorliegenden Beiträgen aufgestellten Behauptungen sind nicht authentisch. Das verbreitete Bildmaterial wurde mittels Künstlicher Intelligenz (KI) generiert oder manipuliert.
Überprüfung: Aufgrund des im November 2025 beschlossenen „Epstein Files Trancparency Acts“ wurden im Fall Epstein als nicht vertraulich eingestufte Aufzeichnungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht (4). Die durch die US-Justizbehörde veröffentlichten Aktenauszüge enthalten Bildmaterial von sowie Schriftverkehr Epsteins mit diversen prominenten Persönlichkeiten aus aller Welt (5). Die Ermittlungen in der Causa sind noch nicht abgeschlossen. Nur dreieinhalb von circa sechs Millionen Akten sind derzeit einsehbar, der Rest wird weiterhin unter Verschluss gehalten (6). Falschbehauptungen in diesem Zusammenhang sind oftmals nicht so einfach als solche zu identifizieren.
KI-Bilder von Epstein in Tel Aviv
Im Jahr 2019 wurde Jeffrey Epstein laut US-Angaben während seiner Haft in einem New Yorker Gefängnis tot in seiner Zelle gefunden. Eine Autopsie seiner Leiche, die im Zuge einer Untersuchung des US-Justizministerium von unabhängigen Gerichtsmedizinern durchgeführt wurde, ergab Suizid als Todesursache (7). Ungereimtheiten sowie neue Entdeckungen (8, 9) im Zusammenhang mit Epsteins Tod befeuern immer wieder Spekulationen, Epstein hätte sich nicht das Leben genommen (10).
Seit kurzem verbreitet sich in sozialen Netzwerken die Behauptung, der Sexualstraftäter lebe noch und sei in Israel gesichtet worden. Als Beweis dafür werden Bilder angeführt, die angeblich Epstein mit Sonnenbrille, langen Haaren und Bart in der Öffentlichkeit zeigen. Im Hintergrund sind Straßenschilder mit hebräischer Schrift sowie „Tel Aviv“ in lateinischer Schrift zu sehen (1).
Verschiedene Merkmale deuten auf eine Erstellung durch KI-Tools hin: So sind im Hintergrund eines dieser Bilder drei Verkehrsampeln zu sehen, die jeweils unterschiedlich aufgebaut sind. Während bei zweien das rote Stopp-Licht an oberster Stelle angebracht ist, befindet sich bei der dritten das grüne Licht ganz oben (11). Ortsangaben auf israelischen Straßenschildern erfolgen neben Hebräisch und Englisch auch auf Arabisch, was auf einem der Schilder in den Bildern fehlt (12). Zudem sind die hebräischen Schriftzeichen für „Tel Aviv“ auf einem der abgebildeten Schilder nicht korrekt (13). Eine Bildersuche der geteilten „Beweis“-Bilder offenbart ein Wasserzeichen des Google-KI-Tools Gemini. Das Original-Posting stammt aus einem Reddit Forum (14).
Satire-Seite hinter Mamdani-Epstein-Bildern
Derzeit zirkulieren zahlreiche Fotos von Jeffrey Epstein mit prominenten Personen. Eine reine Nennung oder Abbildung in den Akten muss zwar nicht zwangsläufig ein strafrechtliches Vergehen in Verbindung mit Epstein bedeuten. Gemeinsame Aufnahmen könnten allerdings ein Näheverhältnis zu Epstein sowie eine Involvierung in dessen Verbrechen suggerieren. Manche dieser sich im Internet verbreitenden Bilder sind jedoch auch synthetisch generiert.
Darunter auch virale KI-Bilder, welche Epstein zusammen mit Mira Nair, der Mutter des New Yorker Bürgermeisters Zohran Mamdani, in unterschiedlichen Gruppenkonstellationen zeigen (2). Neben prominenten Persönlichkeiten wie Bill Gates, Bill Clinton oder Jeff Bezos sieht man darauf auch immer wieder ein Kind.
Die Bilder weisen keine offensichtlichen KI-typischen Fehler auf (11). Eine Foto-Rückwärtssuche zeigt allerdings, dass sie ursprünglich von einem Satire-Account auf der Plattform X stammen (15). Dies wird auch dadurch deutlich, dass sich entsprechende Wasserzeichen in allen drei Bildern finden lassen, die zum Accountnamen passen (16, 17, 18). Die Postings sind mittlerweile auf X als KI-Produkte gekennzeichnet (16). Mamdanis augenscheinliches Alter auf den viralen Bildern würde mit seinem tatsächlichen Alter zum mutmaßlichen Zeitpunkt der Aufnahme wohl nicht zusammenpassen. Eine Tatsache, die der Account-Inhaber öffentlich kommentiert und auf seine Involvierung in der Erstellung der Bilder hingewiesen hat (19).
Hintergrund für die Erstellung dieser KI-Bilder könnte das Auftauchen von Mira Nairs Namen in den veröffentlichten Epstein-Akten sein. Unter anderem wird in einer E-Mail eine Filmpremieren-Afterparty im Jahr 2019 im New Yorker Haus der Epstein-Vertrauten Ghislaine Maxwell geschrieben. Dort sollen sowohl Nair als auch Bill Clinton und Jeff Bezos anwesend gewesen sein (20).
Auch gefälschte Aussagen über Trump unterwegs
In den Epstein-Akten befinden sich zahlreiche E-Mails, die Jeffrey Epstein verschickt oder empfangen hat. Seit der Aktenöffnung verbreitet sich ein angeblicher Screenshot eines E-Mail-Verkehrs, in dem Epstein eine unbekannte Person auffordert „keine schwarzen Mädchen zu bringen“. Als Begründung wird darauf verwiesen, dass „Trump da sein wird“ und damit ein Problem habe (3). Das kursierende Bild des Schriftverkehrs ähnelt dabei stark den E-Mailauszügen aus den veröffentlichten Epstein-Akten. Datiert ist die mutmaßliche E-Mail-Konversation mit 2013, dessen Empfänger wurde zensiert.
Allerdings deuten hier einige Aspekte auf eine Fälschung hin. Auch wenn US-Präsident Donald Trumps Name vielfache Erwähnung in den Akten findet, ist die besagte E-Mail nicht unter den darunter öffentlich einsehbaren Dokumenten (21). Es gibt auch keine vertrauenswürdige Medienberichterstattung, die über den Fund eines solchen Schriftverkehrs in den Akten berichtet hätte. Zeugenaussagen (22, 23) in den öffentlich einsehbaren Akten belegen zwar entsprechende Äußerungen Epsteins, allerdings nicht in Verbindung mit Trump.
Erstmals wurde das Bild des angeblichen Screenshots laut einem Snopes-Faktencheck (24) von „AF Post“ auf der Plattform X veröffentlicht (25). „AF Post“ wurde in einem Media Bias Fact Check als rechtsextrem und wenig glaubwürdig eingestuft (26). Andere Faktenchecks (27) haben in dem angeblichen E-Mail-Verkehr auch einen Verweis auf eine Domain gefunden, die erst nach Epsteins Tod registriert worden ist (28).
Quellen:
(1) X-Posting Epstein in Tel Aviv: https://perma.cc/P2ZB-WXHS
(2) X-Posting Mamdani und Epstein: https://perma.cc/P437-RV47
(3) Facebook-Posting: https://go.apa.at/arW31PRY (archiviert: https://archive.ph/PdUQV)
(4) US-Congress Beschluss zum Epstein Files Transparency Act: https://go.apa.at/GzKQJztO (archiviert: https://go.apa.at/T8sWCX8G)
(5) Aktenveröffentlichung der US-Justizbehörde: https://go.apa.at/TlO2ZVzb (archiviert: https://archive.ph/Kg7K0)
(6) “The Guardian” über unveröffentlichte Epstein-Akten: https://go.apa.at/kZ6UfANU (archiviert: https://go.apa.at/GsnwBL4o)
(7) Untersuchungsbericht des US-Justizministerium zu Jeffry Epsteins Tod: https://go.apa.at/cqfSdPZ0 (archiviert: https://go.apa.at/EIUyyhYj)
(8) “orf.at” über Mysterien rund um Epsteins Tod: https://go.apa.at/YTgwtLTG (archiviert: https://go.apa.at/YOnM2sEp)
(9) “zeit.de” über neue Entdeckungen zu Epsteins Todesumständen: https://go.apa.at/t4bWf5sw (archiviert: https://go.apa.at/b968aIdQ)
(10) “pbs.org” zu Verschwörungstheorien rund um Epsteins Ableben. https://go.apa.at/Hgpy8L1E (archiviert: https://go.apa.at/DIcDc4uV)
(11) Deutsches Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zu Erkennung von KI-Mustern: https://go.apa.at/g6ku0Nha (archiviert: https://archive.ph/NP4BS)
(12) “Jordan Times” über mehrsprachige Straßenschilder in Israel: https://go.apa.at/CWjmUCH6 (archiviert: https://archive.ph/T0CIf)
(13) Tel Aviv im Hebräisch-Wörterbuch: https://go.apa.at/ksGPTChU (archiviert: https://perma.cc/3JZ6-H5LR)
(14) Reddit-Posting: https://go.apa.at/GXB3IE20 (archiviert: https://archive.ph/2Z7zw)
(15) X-Account hinter KI-Bild Nair Nair, Mamdani und Epstein: https://go.apa.at/SLQJqiGv (archiviert: https://archive.ph/6sGyV)
(16) X-Posting mit KI-Kennzeichnung zu Nair, Mamdani und Epstein: https://go.apa.at/Y2Pzb1WG (archiviert: https://archive.ph/owmqF)
(17) X-Posting zu Nair, Mamdani und Epstein: https://perma.cc/A7YX-6T9J
(18) X-Posting zu Nair, Mamdani und Epstein: https://perma.cc/S94F-GQLH
(19) Kommentar Account-Inhaber unter X-Posting zu Nair, Mamdani und Epstein: https://go.apa.at/BRYXZ3nF (archiviert: https://archive.ph/4Vl48)
(20) Dokument in Epstein-Akten der US-Justizbehörde mit Erwähnung Mira Nair: https://go.apa.at/yUrG6J8X (archiviert: https://perma.cc/GWR2-YSX5)
(21) Suchresultate für “Trump” in öffentlichen Epstein-Akten: https://go.apa.at/z1srqoKH (archiviert: https://perma.cc/83S3-3PAS)
(22) Anonyme Survivor-Befragung in den öffentlichen Epstein-Akten: https://go.apa.at/7mSRPeR5 (archiviert: https://perma.cc/6CL4-XGF6)
(23) Zeugenaussagen in den veröffentlichten Epstein-Akten: https://go.apa.at/iwhBksHJ (archiviert: https://perma.cc/L8AX-JDGB)
(24) “snopes.com” mit Faktencheck zu Original Post: https://go.apa.at/tqA9jv6q (archiviert: https://go.apa.at/TF0BcaUL)
(25) X-Account “AF Post” mit Screenshot von Epstein-Mailverkehr: https://go.apa.at/EF5AX4z5
(26) Media Bias Factcheck über “AF Post”: https://go.apa.at/JMTqy7uK (archiviert: https://go.apa.at/L4gGLEJq)
(27) “leadstories.com” mit Faktencheck zu angeblichen Faktencheck: https://go.apa.at/Nuj6EAqN (archiviert: https://archive.ph/W3alN)
(28) Domain-Registrierung aus angeblicher Epstein-Mail: https://go.apa.at/bK5QgyM4
Wenn Sie zum Faktencheck-Team Kontakt aufnehmen oder Faktenchecks zu relevanten Themen anregen möchten, schreiben Sie bitte an faktencheck@apa.at. Die Texte vieler deutschsprachiger Faktencheck-Teams finden Sie auf der Seite des German-Austrian Digital Media Observatory (GADMO) unter: www.gadmo.eu
Katharina Nieschalk / Christina Schwaha / Florian Schmidt