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APA-Value / Donnerstag 15.10.26

Medientage: Wenn KI zur ersten Leserin wird

Was steckt hinter den aktuellen Buzzwords Agentic AI, Liquid Content oder MCP? APA-Chefredakteurin Katharina Schell und Andreas Mauczka, Chief Digital Officer der APA-Gruppe, gaben in einer Breakout Session auf den Österreichischen Medientagen einen kompakten Einblick in die Entwicklungen hinter den neuen Begriffen. Anhand aktueller APA-Initiativen und Praxisbeispiele zeigten die Expert:innen, welche Rolle strukturierter, modularer und maschinenlesbarer Content künftig spielt, wie KI-gestützte Content-Produktion und -Distribution funktioniert und welche strategischen Weichen Unternehmen jetzt stellen müssen.
Horizont/Markus Wache APA-Chefredakteurin Katharina Schell und Andreas Mauczka, Chief Digital Officer der APA-Gruppe, auf den Österreichischen Medientagen.

Journalismus für eine neue User Journey

Medieninhalte müssen nicht mehr nur für menschliche Userinnen und User aufbereitet werden – zunehmend sind es KI-Systeme und digitale Assistenten, die Inhalte finden, verarbeiten und weitergeben. Katharina Schell warf daher eingangs die Frage auf, was KI derzeit konkret für das mediale Kerngeschäft – also das Produzieren und Distribuieren von Content – bedeutet. Die möglichen Use Cases für den Einsatz von KI in Medienhäusern lägen vielfach am Tisch und würden genutzt, skizzierte sie den aktuellen Status, und fasste zusammen: „Wir fragen uns derzeit nicht mehr: ‚Wie kommt KI in den Journalismus?‘, sondern vielmehr: ‚Wie kommt Journalismus in die KI?‘“ – also wie gelangen mediale Informationen in KI-Systeme, so dass diese etwa als Antworten in einem Chatbot ausgespielt werden? Denn „menschliche User:innen werden künftig nicht mehr zwingend die ersten Nutzer:innen einer Nachricht sein, sondern Maschinen.“

Eine Frau spricht mit einem Mikrofon in der Hand
Horizont/Markus Wache

APA-CDO Mauczka stellte anschließend vor, wie ein KI-Agent für den individuellen Nachrichtenkonsum konfiguriert und genutzt werden kann. Als aktuelles Schlagwort in diesem Zusammenhang kristallisiere sich derzeit „Harness“ heraus: Ein „Geschirr“, das einem KI-Modell angelegt wird und diesem die Richtung vorgibt. Es dirigiert also, welches Ergebnis das Modell aus welchen Inhalten liefern soll. Anhand des Beispiels eines Agenten, dessen Content die strukturierten, mit Metadaten versehenen Inhalte des APA-Basisdienst umfasst, zeigte Mauczka mögliche Outputs und dessen Variationen; etwa vom morgendlichen Nachrichtenüberblick bis zu sehr spezifischen individuellen Recherchen.

„Auch die Oberfläche, in der die Nachricht erscheint, kann komplett gestaltet werden. Junge User:innen nutzen diese Konfigurationen, und für Medien besteht hier die Möglichkeit, ganz neue Zielgruppen zu erreichen.“ Man müsse sich jedoch damit anfreunden, dass Content und Funktion auf diesem Weg vom journalistischen Produkt entkoppelt würden, führte Mauczka aus.

Ein Mann spricht mit einem Mikrofon in der Hand
Horizont/Markus Wache

Werden damit Facts in Zukunft wichtiger als Stories?

Das entsprechende Buzzword laute „Liquid Content“, so Schell. Das sind inhaltliche Elemente, die nicht statisch sind, sondern sich in Echtzeit an die aktuelle Situation des oder der User:in anpassen. KI ermöglicht dieses Zuschneiden von Inhalten auf individuelle Vorlieben; Medienunternehmen seien dahingehend zunehmend gefordert, von der Erstellung von Artikeln zu flexibleren Objekten umzudenken, erläuterte Schell. Werden Verlage also künftig keine „Geschichten“ mehr produzieren? Doch, so die KI-Expertin, denn Medienberichte würden eine Reihe von Modulen, also „Facts“ wie Personen, Orte, Aussagen, Ereignisse enthalten. Die Chance läge darin, diese für Maschinen bestmöglich aufzubereiten. „Wir sind dabei, das in unserem neuen Redaktionssystem FIRST umzusetzen“, bot Schell einen Einblick in aktuelle Entwicklungen der APA. Facts würden also nicht wichtiger als Stories, müssten jedoch als zusätzliche Dimension mitgedacht werden.

 

Zusätzliche Wege zu den User:innen

„Es wird auch die anderen Content-Plattformen weiterhin geben. Menschen lesen nach wie vor Print und gehen ins Kino – KI-Plattformen sind aber eine wunderbare Möglichkeit, zusätzlich neue Zielgruppen zu erreichen“, stimmte Mauczka abschließend zu.

Ein Saal, in dem ein Mann und eine Frau vor vielen Personen etwas präsentieren
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