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Jubiläumsg´schichten

aus 80 Jahren APA – Austria Presse Agentur

Die amüsantesten und interessantesten Anekdoten zur APA – inklusive Einblick in Entwicklungen und Fortschritte der letzten Jahrzehnte.

Credit: APA-Images / Westend61

Außergewöhnliche Szenen aus
80 Jahren Agenturleben

#Regenfälle #Rohrpost #Opernball #Münzfernsprecher #Lange Leitung #Windbreaker #Anfänge des Bilderdienstes

#Regenfälle

Das ehemalige APA-Gebäude in Wien-Döbling war mit seinen 13 Stockwerken für die damalige Zeit nicht nur auffallend hoch, sondern mit einer zweigeschossigen Tiefgarage auch ziemlich tief und zu allem Überfluss auch recht undicht. Bei schweren Regenfällen wurde daher nicht nur die nahegelegene Unterführung der Gunoldstraße unter der Heiligenstädter Brücke bis zur Unpassierbarkeit überflutet, auch die Fahrzeuge der APA-Belegschaft wurden bei besonders heftigen Unwettern durch das Hochwasser buchstäblich ins Freie geschwemmt. Dass solche Ereignisse auch die technische Infrastruktur einer Nachrichtenagentur nicht unbeeindruckt lassen, liegt auf der Hand: Netzwerkstörungen und Verbindungsausfälle waren die unvermeidbare Folge.

Heute wäre dies freilich undenkbar: Erstens ist die APA in ein modernes und dichtes Gebäude an den Wiener Naschmarkt übersiedelt, und zweitens sind auch die technischen Einrichtungen der APA heute vollkommen redundant ausgerichtet, d. h. kommt es bei einem System zu einem Defekt oder Ausfall, übernimmt ein zweites die vollständige Versorgung. Die hochverfügbare Infrastruktur und die technischen Systeme sind ISO-zertifiziert, ausfallsicher – und nicht zuletzt auch trocken.

APA

#Rohrpost

Die Verteilung und Weiterleitung von Meldungen und Poststücken erfolgte im früheren APA-Gebäude in Wien-Döbling (auch APA-Turm genannt) vor allem durch eines der längst gedienten Rohrpostsysteme des Landes, wobei die „Bomben“ so dimensioniert waren, dass vor allem in den Abend- und Nachtstunden nicht nur Schriftstücke, sondern auch Getränkedosen, Gebäck und Süßigkeiten zwischen den Kolleginnen und Kollegen hin- und hergeschickt wurden.

Heute bestehen die digitalen Inhouse-Systeme der APA überwiegend aus Collaboration-Tools/Co-Working-Plattformen auf dem neuesten technologischen Stand, Dokumente wie Videofiles werden in Sekunden verteilt und können transparent gemeinsam bearbeitet werden. Einen großen Nachteil hat die Technologie freilich: Sie kann keine Jause zustellen.

#Opernball

Einen APA-Redakteur erkannte man in den 80er Jahren unter anderem an den markant ausgebeulten Hosentaschen, in denen sich die Schilling-Münzen für die Meldungsübermittlung per öffentlichem Fernsprecher tummelten, was etwa im Falle der Opernballberichterstattung im Frack gar keine gute Figur machte. Telefongespräche mit den zum Teil eigens für das Niederschreiben der „Durchgaben“ von Texten in der Zentrale eingesetzten Sekretärinnen und Sekretären endeten durch schlechte Tonqualität und – etwa beim angesprochenen Faschings-Highlight der Wiener Gesellschaft – auch durch zahlreiche internationale Prominentennamen teilweise in einem qualitativen Desaster: Mireille Mathieu, Wencke Myhre oder Jacky Ickx fanden sich im Basisdienst nur selten in ihrer korrekten Schreibweise.

Heute erfolgt die Übermittlung von Nachrichten in die APA-Zentrale nur noch bei absoluten Breaking News telefonisch. Meldungen, Fotos und Videos werden vielmehr von Laptops, Kameras und Handys direkt in die Systeme übertragen – und zur Not gibt’s für kompliziertere Namen nun auch das Internet.

Ein Foto aus der Vogelperspektive auf den Wiener Opernball
APA-Images / APA / HERBERT NEUBAUER

#Münzfernsprecher

Auch bei großen Gerichtsprozessen war es früher so, dass der bzw. die jeweilige Gerichtsredakteur:in der APA unmittelbar nach dem Richterspruch zum öffentlichen Telefon geeilt ist und den Richterspruch telefonisch durchgegeben hat.

Bei einem großen Prozess in den 1980er Jahren hat sich Folgendes zugetragen: Nach der Urteilsverkündung hat der APA-Redakteur nur den zweiten Platz an der öffentlichen Telefonzelle erreicht und musste warten, bis der Tageszeitungsredakteur vor ihm an seinen Chef vom Dienst den gesamten Prozessverlauf und Richterspruch durchgegeben hat. Mit folgenden Worten hat der Tageszeitungsredakteur geendet: „Aber warte, bis es in der APA steht.“

Und was lernen wir daraus? Um eine Größe des heimischen Journalismus zu zitieren: „Nur wenn es in der APA steht, ist es auch wirklich passiert.“

#Lange Leitung

In den 90er Jahren gestaltete sich die Berichterstattung von Sportveranstaltungen – etwa von Olympiaden – enorm zeitaufwendig und kostspielig: Es musste lange Zeit davor eine Leitung von der APA zum dortigen Presseraum bestellt und an beiden Standorten ein extra Modem installiert werden. Die Leitung wurde von der Post eingemessen, Kabel wurden verlegt und eine Spedition beauftragt. Ein Techniker musste alles aufbauen und vor Ort übernachten, erst danach konnten die Redakteure anreisen und mit ihrer Berichterstattung starten.

Das gleiche Verfahren war auch im Falle von Marketingveranstaltungen zu organisieren, wie z.B. viele Jahre lang beim sogenannten Online-Tag, der zumeist im ORF-Zentrum stattfand, an dem die APA ihre gesamte Angebotspalette in 3-D zur Schau stellte.

Heute sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Laptop vor Ort – und sind somit vollständig ausgerüstet und in real-time mit Recherchetools und Redaktionssystemen verbunden. In wenigen Minuten sind Live-Videos oder Live-Blogs startklar. Auch die Darstellung des Leitungsspektrums der APA ist zu einem großen Teil ins Digitale gewandert.

Ein historisches schwarz-weiß Foto aus der APA, ein Redakteur telefoniert mit einem alten Telefon
APA

#Windbreaker

In grauer Vorzeit wurde im APA-Management tatsächlich der Gedanke ventiliert, Redakteurinnen und Redakteure der Agentur für einen möglichst einheitlichen und der – damals noch gar nicht so genannten – Corporate Identity entsprechenden Auftritt mit einer Art Uniform oder zumindest eigenen Krawatten und Halstüchern auszustatten. Wenig überraschend wurde das Ansinnen mangels Begeisterung der Belegschaft wieder fallen gelassen, wohl aber sorgte die Idee einer Mehrzweckjacke mit APA-Branding für großen Zuspruch. Während die ersten Exemplare eines namhaften Herstellers mit allen nur erdenklichen Außen- und Innentaschen, abnehmbarem Innenfutter und wasserdichtem Überlebenspaket aus Kostengründen nur in geringer Stückzahl aufgelegt wurden, fand das Nachfolgemodell in Form eines simplen Windbreakers breite Akzeptanz und große Auflage.

Und tatsächlich prägten in den Monaten nach der Verteilung graue Jacken mit rotem APA-Logo zwar nicht das komplette Wiener Stadtbild, wurden aber immer wieder auf Einkaufsstraßen und in Fußgängerzonen gesichtet. Allerdings steckten in vielen Fällen keine APA-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter, sondern deren Verwandte, Bekannte und Kinder drinnen. Heute sind Krawatten auch ohne APA-Logo in der journalistischen Arbeit größtenteils verschwunden.

#Die Anfänge des Bilderdienstes

Der damalige Geschäftsführer erteilte 1985 den Startschuss zum Aufbau eines aktuellen Bilderdienstes. Die Ausgangslage war bescheiden. Seit 1976 gab es einen – nicht aktuellen – Bilderdienst mit den Schwerpunkten Kulturbild und Fotofeatures zu chronikalen Themen. Die Fotos wurden gemeinsam mit den Texten per Post verschickt. Pioniergeist war gefragt, denn das Bildbewusstsein der schreibenden Kollegen war erst zu wecken und die APA musste erst einmal Fotografinnen und Fotografen anheuern. Schritt für Schritt wurde in allen Bundesländern ein Netz von Fotomitarbeitern aufgebaut. Die Bilder wurden damals noch mittels Walzensender übertragen, das Senden eines Schwarz-Weiß-Bildes dauerte sieben Minuten, eines Farbfotos gar 21 Minuten. Auf einer Schalttafel war zu sehen, wie viele Zeitungen, meist waren es eher wenige, den noch jungen Fotodienst gerade testen wollten.

Aktuell bildet die APA das tägliche Nachrichtengeschehen in 50.000 Pressefotos pro Jahr (Eigenproduktion) ab – hinzu kommen unzählige Bilder, die von der AFP und anderen Agenturen übernommen werden. Videos und Live-Streams zählen heute ganz selbstverständlich zur täglichen Berichterstattung.

Ein historisches Foto der APA-Redaktion
APA

Danksagung

Wir danken Rüdiger Baumberger, Wolfgang Celeda, Klemens Ganner, Gert Kropiunik, Michael Lang, Gerhard Maierhofer, Wolfgang Mayr, Manfred Mitterholzer, Wolfgang Ptacek und Hans Stadler für ihre APA-Stories.