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news/APA/Samstag, 14.05.22, 08:14:17

Wie­ner Fest­wo­chen: 50.000 bei Bil­der­buch und Yung Hurn

Die Wie­ner Fest­wo­chen sind am Frei­tag­abend mit einem ful­mi­nan­ten Eröff­nungs­fest auf dem Rat­haus­platz eröff­net wor­den. Nach Anga­ben der Ver­an­stal­ter kamen min­des­tens 50.000 Besu­cher zu dem Auf­takt, der unter dem Mot­to „Last Night on Earth” stand. Nach­dem die Men­schen bis zum Burg­thea­ter stan­den, wur­de laut Fest­wo­chen zeit­wei­se sogar der Ring gesperrt. Beson­ders bei Auf­trit­ten der Band Bil­der­buch und des Rap­pers Yung Hurn war das jun­ge Publi­kum ordent­lich in Bewegung.
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„Ich muss Sie ent­täu­schen, ich sin­ge heu­te nicht!” So begrüß­te Kul­tur­stadt­rä­tin Vero­ni­ca Kaup-Has­ler (SPÖ) die Gäs­te auf dem dicht gefüll­ten Rat­haus­platz. Nach den Jah­ren der Pan­de­mie-Ein­schrän­kun­gen sei man „wie­der da” und wol­le dies „mit einem gro­ßen Auf­tritt fei­ern. Die­se Stadt kann das! Wir schaf­fen das! Wir wol­len die Arme breit aus­brei­ten für Sie alle.” Es blieb die ein­zi­ge Rede des Abends. Auch auf Mode­ra­tio­nen ver­zich­te­te man gänz­lich – und es klapp­te hervorragend.

Für Kon­zept und Insze­nie­rung zeich­ne­te heu­er David Schal­ko ver­ant­wort­lich, der sich als musi­ka­li­sche Mas­ter­minds Kru­der & Dorf­meis­ter geholt hat­te. Auf der an einen gro­ßen Foli­en­schlauch erin­nern­den Büh­ne, in der zen­tral eine Kugel ein­ge­las­sen war, thron­ten sie an den Turn­ta­bles und beschall­ten den Rat­haus­platz mit einem Set, der allen ein­heiz­te. Dazu gab es die ver­spro­che­nen „fet­ten Visu­als” von „hand mit auge”. Die gesam­te Rat­haus-Fas­sa­de wur­de gra­fisch bespielt und zeit­wei­se in ein Gru­sel­schloss ver­wan­delt. Dass die­ses zwi­schen­durch in sich zusam­men­fiel oder in Flam­men auf­ging, mag ange­sichts des real exis­tie­ren­den Krie­ges weni­ge hun­dert Kilo­me­ter von Wien ent­fernt nicht die glück­lichs­te Bil­der­wahl gewe­sen sein.

Wie über­haupt das Kon­zept „Last Night on Earth” ein wenig ver­wun­der­te. Caro­li­ne Peters, die im Fest­wo­chen-Pro­gramm mit einer Per­for­mance nach der 1909 ver­öf­fent­lich­ten Sci­ence-Fic­tion-Kurz­ge­schich­te „The Machi­ne Stops” von E. M. Fors­ter ver­tre­ten ist, gab in einer Art Spi­der-Woman-Kos­tüm in meh­re­ren Auf­trit­ten das The­ma vor: Die Rake­ten sind auf uns gerich­tet, die Mensch­heit wird in weni­gen Minu­ten Geschich­te sein. „This your last night on earth: Dream!” Eska­pis­mus statt call to action? Sich ins Schick­sal erge­ben statt alle Anstren­gun­gen unter­neh­men, um das Schick­sal zum Bes­se­ren zu wen­den? Gut, dass die­se Bot­schaft schon allein des­we­gen nicht wirk­lich gehört wur­de, weil sie in der lau­ten Musik unterging.

Expe­ri­men­tal-Sän­ge­rin Sofia Jern­berg mit einem Mini-Auf­tritt und die Grup­pe Liquid Loft mit einem leben­den Bild blie­ben künst­le­ri­sches Bei­werk. Der Ton wur­de von Kru­der & Dorf­meis­ter, Bil­der­buch, die einen druck­vol­len 15-Minu­ten-Auf­tritt absol­vier­ten, und dem Rap­per Yung Hurn vor­ge­ge­ben. Der wegen sei­ner Tex­te umstrit­te­ne Musi­ker trat adrett in Anzug und Kra­wat­te auf und wur­de von der Wie­ner Sing­aka­de­mie beglei­tet. Text­zei­len wie „Und ich fahr” durch die Nacht und ich fahr” durch die Stadt” („Fer­ra­ri”) oder „Dein Kör­per, mein Kör­per” („Dia­mant”) schie­nen jeden­falls kei­ne Auf­re­gung wert, inmit­ten begeis­ter­ter Fans wur­de aber auch ein Anti-Sexis­mus-Pla­kat gesichtet.

Am Ende zün­de­ten die Gra­fik-Künst­ler die Rake­ten-Trieb­wer­ke und lie­ßen das Rat­haus in den von Mond und Ster­nen erleuch­te­ten Nacht­him­mel abhe­ben. Und wenn es doch nicht die „Last Night on Earth” gewe­sen sein soll­te, war­ten bis 18. Juni ins­ge­samt 37 Pro­duk­tio­nen bei den Wie­ner Fest­wo­chen auf ihr Publi­kum. Für die ins­ge­samt geplan­ten 159 Vor­stel­lun­gen wer­den cir­ca 36.000 Kar­ten aufgelegt.

Von Wolf­gang Huber-Lan­g/A­PA

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