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news/APA/Sonntag, 18.10.20, 13:43:38

Weiß­russ­land vor neu­en Mas­sen­pro­tes­ten gegen Luka­schen­ko

Vor neu­en Mas­sen­pro­tes­ten in Weiß­russ­land gegen Staats­chef Alex­an­der Luka­schen­ko haben sich Sicher­heits­kräf­te in Stel­lung gebracht. Das unab­hän­gi­ge Nach­rich­ten­por­tal „tut​.by” berich­te­te am Sonn­tag, dass eini­ge Plät­ze in der Haupt­stadt Minsk mit Metall­git­tern abge­sperrt wor­den sei­en. Die Oppo­si­ti­on hat­te unge­ach­tet neu­er Gewalt­an­dro­hung der Behör­den für den Nach­mit­tag zu neu­en Aktio­nen auf­ge­ru­fen. Bei Demos am Sams­tag waren erneut fast 60 Men­schen fest­ge­nom­men wor­den.
APA/APA/AFP (Archiv)/STRINGER

„Das ist ein Marsch von Men­schen, die nicht bereit sind, Gewalt und Will­kür zu ertra­gen”, hieß es in dem Auf­ruf. Man las­se sich nicht ein­schüch­tern. „Dia­log wird nicht mit Schlag­stö­cken und Schüs­sen auf der Stra­ße geführt”, hieß es wei­ter.

Das Innen­mi­nis­te­ri­um in Minsk hat­te zuletzt offen mit dem Ein­satz von Schuss­waf­fen und schar­fer Muni­ti­on gedroht. Die Behör­den begrün­de­ten dies mit einer angeb­li­chen Radi­ka­li­sie­rung der Oppo­si­ti­ons­be­we­gung. Bei den Pro­tes­ten wur­de bereits min­des­tens ein­mal scharf geschos­sen.

Die mas­kier­ten Sicher­heits­kräf­te gin­gen zuletzt teils bru­tal gegen fried­li­che Men­schen vor. Es gab meh­re­re Ver­letz­te. Bereits zu Beginn der Demons­tra­tio­nen im August hat­te es mas­si­ve Poli­zei­ge­walt gege­ben. Die Demo­kra­tie­be­we­gung ruft stets zu fried­li­chen Aktio­nen auf.

Bei Mär­schen von Frau­en und Stu­den­ten am Sams­tag waren 58 Teil­neh­mer in Poli­zei­ge­wahr­sam gekom­men. Nach Anga­ben der Men­schen­rechts­grup­pe Wes­na waren dies über­wie­gend jun­ge Men­schen. Tra­di­tio­nell gehen Frau­en an den Sams­ta­gen gegen Luka­schen­ko auf die Stra­ße.

Die Demons­tra­tio­nen an den Sonn­ta­gen haben tra­di­tio­nell aber den größ­ten Zulauf. In der Ver­gan­gen­heit kamen zu Spit­zen­zei­ten mehr als 100.000 Men­schen. Es ist bereits das zehn­te Wochen­en­de in Fol­ge mit Demons­tra­tio­nen. Die Men­schen for­dern Luka­schen­kos Rück­tritt, die Frei­las­sung aller poli­ti­schen Gefan­ge­nen und Neu­wah­len.

Seit der Prä­si­den­ten­wahl am 9. August gibt es in Weiß­russ­land täg­lich Pro­tes­te. Das Land steckt in einer schwe­ren innen­po­li­ti­schen Kri­se. Luka­schen­ko hat­te sich mit 80,1 Pro­zent der Stim­men nach 26 Jah­ren an der Macht erneut zum Sie­ger erklä­ren las­sen. Die Oppo­si­ti­on sieht dage­gen die Bür­ger­recht­le­rin Swet­la­na Tich­anow­ska­ja als wah­re Gewin­ne­rin an. Sie war ins EU-Exil Litau­en geflo­hen.