apa.at
news/APA/Mittwoch, 15.09.21, 13:30:02

Ver­hüll­ter Tri­umph­bo­gen wird am Don­ners­tag eingeweiht

Von einem Jugend­traum zu einer post­hu­men Hom­mage: Das Pro­jekt des ver­hüll­ten Pari­ser Tri­umph­bo­gens hat das Künst­ler­paar Chris­to und Jean­ne-Clau­de ihr gan­zes Leben beglei­tet – und dar­über hin­aus. Wenn das silb­rig-blau ver­pack­te Denk­mal am Don­ners­tag von Frank­reichs Prä­si­dent Emma­nu­el Macron ein­ge­weiht wird, dann schließt sich ein Kreis. „Es war ein ver­rück­ter Traum, der sich nun erfüllt”, sagt And­rey Paou­n­ov, ein bul­ga­ri­scher Fil­me­ma­cher aus dem Team Chris­to im AFP-Interview.
APA/APA/AFP/GEOFFROY VAN DER HASSELT

Sie waren am sel­ben Tag gebo­ren, aber sonst ein unglei­ches Paar: der aus Bul­ga­ri­en geflo­he­ne, staa­ten­lo­se Künst­ler und die Stief­toch­ter eines Charles de Gaul­le nahe­ste­hen­den Gene­rals. Aus dem Fens­ter ihrer Dach­stu­be in Paris konn­ten sie den prot­zi­gen Tri­umph­bo­gen sehen, den Napo­le­on für die getö­te­ten Sol­da­ten in Auf­trag gege­ben hatte.

Eine Idee keim­te auf. Sie foto­gra­fier­ten ein ver­schnür­tes Paket und die Champs-Ely­sées bei Nacht und füg­ten bei­de Auf­nah­men in einer Foto­mon­ta­ge zusam­men. So ent­stand 1962 die ers­te Pro­jekt­skiz­ze zum ver­hüll­ten Triumphbogen.

Zu sehen waren das Paket und die Foto­mon­ta­ge im ver­gan­ge­nen Jahr in einer Retro­spek­ti­ve des Künst­ler­paa­res im Pari­ser Cent­re Pom­pi­dou. Im Zen­trum der Aus­stel­lung stand die Ver­hül­lung der Brü­cke Pont Neuf, für die Chris­to und Jean­ne-Clau­de 1985 aus New York nach Paris zurück­ge­kehrt waren.

Als das Muse­um die Aus­stel­lung plan­te, sah Chris­to plötz­lich die Chan­ce, das lang geheg­te Vor­ha­ben umzu­set­zen – wenn auch ohne Jean­ne-Clau­de, die 2019 gestor­ben war. Da Macron zeit­ge­nös­si­sche Kunst eben­so schätzt wie bild­star­ke Aktio­nen an geschichts­träch­ti­gen Orten, waren die büro­kra­ti­schen Hür­den schnell überwunden.

Doch dann kam es zu Ver­zö­ge­run­gen: erst durch ein paar Fal­ken, die in dem Gemäu­er nis­te­ten, dann durch die Coro­na-Pan­de­mie. Im Mai 2020 starb Chris­to im Alter von 84 Jah­ren. Die Retro­spek­ti­ve hat­te er noch per Video-Anruf anse­hen kön­nen, die Ver­hül­lung des Tri­umph­bo­gens erleb­te er nicht mehr.

„Er wäre sehr glück­lich gewe­sen”, meint Paou­n­ov, der Chris­to für einen Doku­men­tar­film beglei­tet hat­te und der­zeit nahe­zu rund um die Uhr die Ver­hül­lung des Tri­umph­bo­gens filmt. „Für Chris­to gab es kei­ne Gren­ze zwi­schen Leben und Kunst, es war alles eins”, sagt der Fil­me­ma­cher. Sei­ne Kunst bestehe nicht allein in dem fer­tig ver­hüll­ten Monu­ment, das zwei Wochen lang zu sehen sein wird. „Alles gehört dazu, die ers­te Skiz­ze, der Geneh­mi­gungs­pro­zess, der Kampf gegen die Büro­kra­tie”, erklärt er.

Zwei Mona­te dau­er­te der Auf­bau, vier Wochen wird der Abbau dau­ern. Die 25.000 Qua­drat­me­ter Poly­pro­py­len-Gewe­be stam­men aus dem Müns­ter­land, genau wie bei der Ver­hül­lung des Reichs­tags, die damals vie­le Ber­li­ner und Besu­cher ver­zau­bert hat­te. Die Pla­nen sind mit etwa 3.000 Metern roten Sei­len ver­schnürt, so dass der Tri­umph­bo­gen wie ein über­di­men­sio­nier­tes Geschenk­pa­ket mit­ten auf dem rie­si­gen Kreis­ver­kehr steht.

Die ers­ten Reak­tio­nen sind begeis­tert. Als die Pla­nen her­un­ter­ge­las­sen wur­den, gab es spon­ta­nen Applaus der Zuschau­er. „Es wird wie ein leben­des Objekt sein, das sich im Wind bewegt und das Licht spie­gelt”, so hat­te Chris­to eini­ge Mona­te vor sei­nem Tod sein Werk beschrie­ben. Kri­tik kommt allen­falls von Umwelt­schüt­zern, die eine unnö­ti­ge Ver­schwen­dung einer gro­ßen Men­ge Kunst­stoffs bemängeln.

Die Orga­ni­sa­to­ren, unter ihnen ein Nef­fe Chris­tos, ver­wei­sen dar­auf, dass der Stoff wie­der­ver­wert­bar sei und dass das Pro­jekt ohne öffent­li­che Gel­der auskomme.

Und wann ist der schöns­te Moment, das monu­men­ta­le Paket anzu­schau­en? Für Paou­n­ov sind es Son­nen­auf­gang und Son­nen­un­ter­gang. Und da es am Wochen­en­de reg­nen soll, könn­te es über dem stei­ner­nen Bogen auch einen Regen­bo­gen geben.

Macron eröff­net den ver­hüll­ten Tri­umph­bo­gen am Don­ners­tag­nach­mit­tag. Das ver­hüll­te Monu­ment ist dann vom 18. Sep­tem­ber bis zum 3. Okto­ber zu sehen.