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news/APA/Samstag, 08.01.22, 06:25:42

Trau­er nach Tod von Sid­ney Poi­tier: „Der Größ­te, der Beste”

Trau­er um eine Schau­spiel-Legen­de und einen Weg­be­rei­ter: nach dem Tod von Sid­ney Poi­tier wür­di­gen Kol­le­gen und Poli­ti­ker den schwar­zen Hol­ly­wood-Star und sein Ver­mächt­nis. Der auf den Baha­mas auf­ge­wach­se­ne Poi­tier starb mit 94 Jah­ren, wie ein Beam­ter im Außen­mi­nis­te­ri­um der Baha­mas am Frei­tag bestä­tig­te. Der Pre­mier­mi­nis­ter des Lan­des, Phil­ip Davis, ehr­te den Schau­spie­ler in einer Anspra­che. Sein Licht wür­de für vie­le Genera­tio­nen wei­ter­leuch­ten, sag­te er.
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„Sid­ney war mei­ne Inspi­ra­ti­on, mein Vor­bild, mein Freund”, schrieb Oscar-Preis­trä­ger Mor­gan Free­man (84) auf Twit­ter. Den­zel Washing­ton (67) wür­dig­te Poi­tier laut „Peop​le​.com” als „sanft­mü­ti­gen Mann”, der Türen, die für Schwar­ze lan­ge geschlos­sen waren, öff­ne­te. Hal­le Ber­ry, die 2002 mit ihrer Rol­le in dem Dra­ma „Monster’s Ball” als ers­te schwar­ze Haupt­dar­stel­le­rin einen Oscar hol­te, pries Poi­tier auf Insta­gram als „iko­ni­schen Vorreiter”.

Als Weg­be­rei­ter für Schwar­ze schrieb Poi­tier Hol­ly­wood-Geschich­te: Er nahm 1964 als ers­ter Schwar­zer den Oscar als bes­ter Haupt­dar­stel­ler für „Lili­en auf dem Fel­de” ent­ge­gen. Der damals 37-Jäh­ri­ge über­zeug­te die Aka­de­mie mit der Dar­stel­lung eines schwar­zen Arbei­ters auf der Farm wei­ßer Non­nen. Vor ihm hat­te nur Hat­tie McDa­ni­el 1940 für ihre Neben­rol­le als Haus­häl­te­rin im Melo­dra­ma „Vom Win­de ver­weht” als Schwar­ze einen Oscar gewonnen.

Der in ärms­ten Ver­hält­nis­sen auf den Baha­mas auf­ge­wach­se­ne Bau­ern­sohn wur­de 1974 von der bri­ti­schen Queen zum Rit­ter geschla­gen. 2002 erhielt er einen Ehren-Oscar für sein Lebens­werk. Der dama­li­ge US-Prä­si­dent Barack Oba­ma ver­lieh ihm 2009 die „Pre­si­den­ti­al Medal of Free­dom”, die höchs­te zivi­le Aus­zeich­nung der USA. Poi­tier habe mit sei­nem ein­zig­ar­ti­gen Talent „Wür­de und Anstand” ver­kör­pert, schrieb Oba­ma am Frei­tag auf Twitter.

„Sid­ney war mehr als nur einer der bes­ten Schau­spie­ler in unse­rer Geschich­te”, teil­te US-Prä­si­dent Joe Biden mit. „Er ebne­te einen Weg für unse­re Nati­on und hin­ter­ließ ein Ver­mächt­nis, das heu­te jeden Teil unse­rer Gesell­schaft berührt.” Poi­tier habe dazu bei­getra­gen, „die Her­zen von Mil­lio­nen zu öff­nen und das Selbst­ver­ständ­nis der Ame­ri­ka­ner zu verändern”.

Zu Poi­tiers Erfol­gen zählt auch, dass er als ers­ter Schwar­zer in einem Hol­ly­wood-Film eine Wei­ße küs­sen durf­te. Die Sze­ne in dem Film „Rat mal, wer zum Essen kommt” wur­de 1967 aller­dings noch ver­schämt durch den Rück­spie­gel eines Taxis gedreht. Ende der 1960er Jah­re galt Poi­tier als einer der best­be­zahl­ten Film­schau­spie­ler. Der Star aus Fil­men wie „Flucht in Ket­ten”, „Por­gy and Bess”, „Ein Fleck in der Son­ne” und „In der Hit­ze der Nacht”, dreh­te 1997 mit dem Action-Thril­ler „Der Scha­kal” sei­nen letz­ten Kino-Spielfilm.

Als „Bes­ter der Bes­ten”, wür­dig­te Schau­spie­le­rin Mia Far­row (76) den Ver­stor­be­nen. „Er hat uns gezeigt, wie man nach den Ster­nen greift”, schrieb Oscar-Preis­trä­ge­rin Who­opi Gold­berg (66, „Ghost, Nach­richt von Sam”) auf Twit­ter. Sie wer­de sei­ne „rie­sen­gro­ße See­le” für immer wert­schät­zen, gab Talk­show-Legen­de Oprah Win­frey an.

Die Oscar-Aka­de­mie ver­öf­fent­lich­te auf Twit­ter ein Foto von 1964, auf dem Poi­tier strah­lend sei­ne Oscar-Tro­phäe fest­hält. Er habe Bar­rie­ren ein­ge­ris­sen und durch sei­ne Kunst den Ras­sen­dia­log in den USA vor­wärts­be­wegt, schrieb die Aca­de­my. „Nur weni­ge Film­stars hat­ten oder wer­den den Ein­fluss von Poi­tier haben, auf der Lein­wand und dar­über hinaus.”