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news/APA/Donnerstag, 14.10.21, 16:01:07

Tou­ris­mus­wer­bung pumpt Mil­lio­nen in den Win­ter 2021/22

Heu­er geht die hei­mi­sche Tou­ris­mus­bran­che mit Schwung in den Coro­na-Win­ter. Im Vor­jahr mach­te ihr die Pan­de­mie einen gehö­ri­gen Strich durch die Rech­nung – die Hotels und Pen­sio­nen durf­ten die gan­zen Mona­te hin­durch kei­ne Urlau­ber beher­ber­gen. „Die Win­ter­sai­son heu­er wird auf jeden Fall statt­fin­den”, bekräf­tig­te Tou­ris­mus­mi­nis­te­rin Eli­sa­beth Kös­tin­ger (ÖVP) am Don­ners­tag in einer gemein­sa­men Pres­se­kon­fe­renz mit der neu­en Che­fin der Öster­reich Wer­bung (ÖW), Lisa Weddig.
APA/APA/THEMENBILD/BARBARA GINDL

Die Betrie­be sind ange­sichts der mitt­ler­wei­le ein­ein­halb Jah­re andau­ern­den Pan­de­mie leid­ge­prüft und ent­spre­chend froh, wenn sie ihren Geschäf­ten halb­wegs nor­mal nach­ge­hen kön­nen – allen büro­kra­ti­schen Hür­den zum Trotz. Die­se Woche ging wie­der ein Auf­schrei durch die Bran­che, da die Regie­rung die ab 1. Novem­ber gel­ten­den Coro­na-Regeln für das Win­ter­halb­jahr 2021/22 (Novem­ber bis April) vor mehr als drei Wochen zwar bereits gros­so modo öffent­lich bekannt­ge­ge­ben, aber noch nicht in Rechts­form gegos­sen hat – die aktu­el­le Ver­ord­nung mit den Rege­lun­gen im Detail fehlt nach wie vor. „Die­se Regeln wer­den der­zeit vom Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um in einer Ver­ord­nung fina­li­siert und ich erwar­te mir von Minis­ter Mück­stein (Grü­ne, Anm.), dass die­se ehest­mög­lich erlas­sen wird”, so Kös­tin­ger. Das gebie­te der „Respekt vor der Branche”.

Der Gesund­heits­mi­nis­ter spiel­te den Ball spä­ter an die ÖVP zurück: Sein Res­sort habe „zeit­nah einen Ver­ord­nungs­ent­wurf vor­ge­legt und habe län­ger auf Rück­mel­dun­gen aus sämt­li­chen invol­vier­ten Res­sorts gewar­tet – die­se sei­en ein­ge­ar­bei­tet und über­mit­telt wor­den. „Eine Frei­ga­be durch die ÖVP ist aber noch aus­stän­dig”, so Wolf­gang Mück­stein (Grü­ne). Die­se sei aber not­wen­dig, damit die Ver­ord­nung „zeit­nah erlas­sen wer­den kann – im Sin­ne der Tou­ris­mus­bran­che”. Ein poli­ti­scher Schlag­ab­tausch – für die Betrie­be ist das Timing jeden­falls kri­tisch. Die Win­ter­sai­son star­tet am 1. November.

Für die Bran­che über­wie­gend posi­tiv gelau­fen ist jeden­falls der Som­mer 2021. Die heu­ri­ge Sai­son sei ab der Öff­nung am 19. Mai (nach dem mehr als sechs Mona­te lang anhal­ten­den Lock­down) „gelun­gen”, resü­mier­te Kös­tin­ger. Sie ver­wies auf ein Näch­ti­gungs­plus von 19 Pro­zent zwi­schen Mai und Ende August gegen­über dem Ver­gleichs­zeit­raum im Coro­na-Som­mer 2020. Die Beher­ber­gungs­be­trie­be ver­buch­ten den Anga­ben zufol­ge 46 Mil­lio­nen Über­nach­tun­gen. Es hät­ten um fast 25 Pro­zent mehr aus­län­di­sche Tou­ris­ten ihren Urlaub in Öster­reich ver­bracht, aus dem Inland sei­en um 7 Pro­zent mehr Gäs­te gekom­men. „Der August hat unse­re Erwar­tun­gen abso­lut über­trof­fen”, freu­te sich die Minis­te­rin. Mit 20,7 Mil­lio­nen Näch­ti­gun­gen allei­ne in dem Monat sei sogar der bis­he­ri­ge Höchst­wert im August 2019, also vor der Coro­na­kri­se, um 2,3 Pro­zent über­trof­fen wor­den. Ein wohl nur vor­über­ge­hen­der Effekt, der sich im Som­mer 2022 nicht auto­ma­tisch wie­der­ho­len wird. Denn wäh­rend der Pan­de­mie sind die Flug­ka­pa­zi­tä­ten spür­bar beschnit­ten wor­den. Sobald hier wie­der auf­ge­stockt wird, ver­schärft sich der inter­na­tio­na­le Wett­be­werbs­druck der Desti­na­tio­nen sofort wie­der. Wegen Coro­na rei­sen vie­le Urlau­ber mit dem Auto an.

„Wir haben im Som­mer einen ganz kla­ren Fokus gesetzt: Stren­ge Regeln, siche­rer Urlaub. Und genau das wol­len wir jetzt im Win­ter wei­ter­ver­fol­gen”, erklär­te die Minis­te­rin mit Blick auf die kom­men­den Mona­te. In den ver­gan­ge­nen Wochen sei­en die Covid-Infek­ti­ons­zah­len zwar wie­der gestie­gen, doch aktu­ell gestal­te sich die Lage „sehr sta­bil”. Und es gebe „genü­gend ver­füg­ba­ren Impfstoff”.

„Wir sind gerüs­tet für die Win­ter­sai­son – stren­ge Win­ter­re­geln, brei­tes Testan­ge­bot und der Grü­ne Pass”, hielt Kös­tin­ger fest. Die­se Zuta­ten wür­den „einen erfolg­rei­chen Win­ter” garan­tie­ren. Für Seil­bah­nen gel­te die FFP2-Mas­ken­pflicht und ab Novem­ber die 3G-Regel (geimpft, gene­sen oder getes­tet), rief Minis­te­rin die Ankün­di­gun­gen der Regie­rung in Erin­ne­rung. Für Après-Ski sol­len die glei­chen Regeln wie für die Nacht­gas­tro­no­mie gel­ten, also „2G” (geimpft oder genesen).

„Nach dem Total­aus­fall der ver­gan­ge­nen Win­ter­sai­son gehen wir nun mit gro­ßer Zuver­sicht in den kom­men­den Win­ter”, strich auch ÖW-Geschäfts­füh­re­rin Wed­dig her­vor. Die natio­na­le Tou­ris­mus­mar­ke­ting-Orga­ni­sa­ti­on pumpt heu­er den Anga­ben zufol­ge soviel Geld in die Bewer­bung von Öster­reich wie noch nie – unter dem Slo­gan „#Win­ter­lie­be” wer­den 10 Mio. Euro für TV- und Radio­spots, Pla­ka­te, Social-Media-Auf­trit­te und Ver­an­stal­tun­gen für „Influ­en­cer” locker­ge­macht, 2 Mio. Euro davon flie­ßen allei­ne in die Markt­be­ar­bei­tung Deutsch­lands. Von dort kom­men die meis­ten aus­län­di­schen Urlau­ber. Die Win­ter­kam­pa­gne wird in 13 Län­dern lanciert.

Gemäß einer Online-Umfra­ge in sie­ben Nah­märk­ten ortet die Öster­reich Wer­bung allei­ne von dort ein Poten­zi­al von 17 Mil­lio­nen Win­ter­ur­lau­bern für die anste­hen­de Sai­son. Das allei­ne wären schon mehr als im Vor­kri­sen­win­ter 2019/20, als 16 Mil­lio­nen Gäs­te aus den befrag­ten sie­ben Län­dern kamen. Die Ad-hoc-Erhe­bung erfolg­te zwi­schen 6. und 13. Sep­tem­ber und wur­de vom NIT Insti­tut für Tou­ris­mus­for­schung (Kiel) im Auf­trag der Öster­reich Wer­bung durch­ge­führt; pro Land wur­den rund 1.000 bis 2.000 Per­so­nen befragt.

„Die Fern­märk­te sehen wir etwas skep­ti­scher”, räum­te Wed­dig ein. Damit wird den Erwar­tun­gen zufol­ge „erst 2022 wie­der zu rech­nen” sein. Nicht zuletzt man­gels Flug­ka­pa­zi­tä­ten. Außen vor, also mit­ten in der Kri­se, steckt wei­ter­hin die Stadt­ho­tel­le­rie. „Uns feh­len Groß­ver­an­stal­tun­gen, Mes­sen und Kon­gres­se, Kunst- und Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen”, zähl­te Kös­tin­ger auf. An zuneh­men­der Rei­se­frei­heit wer­de inter­na­tio­nal gear­bei­tet. Der Grü­ne Pass soll ein unein­ge­schränk­tes Über­schrei­ten von Lan­des­gren­zen ermög­li­chen. Betref­fend „Green Cer­ti­fi­ca­te” habe Öster­reich mit 15 Län­dern Ver­ein­ba­run­gen getrof­fen – dar­un­ter bei­spiels­wei­se die Tür­kei und Isra­el, „wei­te­re sol­len fol­gen”, stell­te die Minis­te­rin in Aus­sicht. „Das ist für den Stadt­tou­ris­mus wichtig.”