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news/APA/Dienstag, 14.09.21, 17:22:21

Tiro­ler Pink-Pan­ther-Pro­zess: Neun und 4,5 Jah­re Haft

Zwei ser­bi­sche Mit­glie­der der berüch­tig­ten Pink-Pan­ther-Ban­de, die zahl­rei­che Juwe­lier­über­fäl­le in Euro­pa begin­gen, sind am Diens­tag am Inns­bru­cker Lan­des­ge­richt u.a. wegen des Ver­bre­chens des schwe­ren Rau­bes schul­dig gespro­chen wor­den. Der Haupt­an­ge­klag­te (37), der bei elf Juwe­lier­über­fäl­len in Inns­bruck, Kitz­bü­hel, Wien, Linz und Amstet­ten zwi­schen 2011 und 2017 ent­we­der selbst oder bei der Orga­ni­sa­ti­on dabei war, wur­de rechts­kräf­tig zu neun Jah­ren Haft verurteilt.
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Der 35-jäh­ri­ge Zweit­an­ge­klag­te hat­te gemein­sam mit dem 37-Jäh­ri­gen und wei­te­ren Tätern im Jahr 2016 ein Uhren­ge­schäft in Inns­bruck über­fal­len und die Ver­käu­fe­rin­nen mit einer Soft­gun bedroht. Er erhielt vier­ein­halb Jah­re Haft. Die Über­fäl­le der Pink-Pan­ther zeich­ne­ten sich durch bru­ta­les Vor­ge­hen aus: Inner­halb weni­ger Sekun­den bzw. Minu­ten wur­den die Über­fäl­le zum Teil unter Ver­wen­dung von Faust­feu­er­waf­fen oder Attrap­pen und Äxten, mit denen Schau­fens­ter ein­ge­schla­gen wur­den, begangen.

Bei­de Män­ner bekann­ten sich im Pro­zess schul­dig, obwohl sie im Vor­feld Gegen­tei­li­ges behaup­te­ten. Der 37-Jäh­ri­ge wol­le ein­fach einen „Schluss­strich zie­hen”, sag­te sei­ne Ver­tei­di­ge­rin. Man kön­ne nichts „Schön­re­den”, er habe bei den ein­zel­nen Über­fäl­len „unter­schied­lich bei­getra­gen und auch unmit­tel­ba­re Taten began­gen”. Er selbst mein­te am Ende des Pro­zes­ses: „Ich möch­te mich beim Staat Öster­reich ent­schul­di­gen. Ich bereue alles was ich getan habe”. Er wer­de so etwas „nie wie­der” machen. Im Gefäng­nis habe er genug Zeit gehabt, um dar­über nachzudenken.

Der Ver­tei­di­ger des 35-Jäh­ri­gen, dem auch Fahr­zeug­dieb­stäh­le zur Last gelegt wur­den, ver­such­te die Schöf­fen mil­de zu stim­men, indem er argu­men­tier­te, dass bei dem Über­fall in Inns­bruck ledig­lich eine Soft­gun ver­wen­det wur­de und die Scha­dens­sum­me bei 600.000 Euro lag. Er rela­ti­vier­te außer­dem die Ver­wen­dung der Äxte: Jene sei­en nicht dazu mit­ge­bracht wor­den, um jeman­den zu ver­let­zen, son­dern ledig­lich, um die Schau­fens­ter einzuschlagen.

Von einem hohen Maß an Bru­ta­li­tät sprach hin­ge­gen der Staats­an­walt: Teil­wei­se hät­ten die Opfer der Pink-Pan­ther-Über­fäl­le schwe­re Ver­let­zun­gen davon­ge­tra­gen. Im Haupt­an­ge­klag­ten mach­te er auch einen „Kopf” der Ban­de aus, die sich durch einen „hohen Grad an Pro­fes­sio­na­li­tät und Orga­ni­sa­ti­on” aus­zeich­ne. Außer­dem führ­te er die „vie­len Opfer” und die hohen Scha­dens­sum­men ins Tref­fen. Bei den nun ver­han­del­ten Juwe­lier­über­fäl­len ent­stand ein Scha­den von über zwei Mil­lio­nen Euro. Allei­ne bei einem Über­fall in Kitz­bü­hel im Jahr 2016, bei dem der Haupt­an­ge­klag­te direkt dabei war, wur­de eine Beu­te von rund 1,5 Mil­lio­nen Euro gemacht. Wie viel Geld er bei den Über­fäl­len selbst kas­sier­te, konn­te oder woll­te der 37-Jäh­ri­ge am Diens­tag aber nicht sagen.

Die bei­den Fami­li­en­vä­ter wur­den bereits im Jahr 2020 in der Schweiz wegen Raub­über­fäl­len ver­ur­teilt. Daher han­delt es sich bei den nun­meh­ri­gen Urtei­len um Zusatz­stra­fen. Ins­ge­samt muss der Haupt­an­ge­klag­te zwölf Jah­re und sie­ben Mona­te ein­sit­zen. Der Zweit­an­ge­klag­te acht Jah­re und einen Monat. Der Rich­ter führ­te in sei­ner Urteils­be­grün­dung aus, dass die Geständ­nis­se der bei­den als mil­dernd gewer­tet wur­den. Als erschwe­rend erach­te­te der Schöf­fen­se­nat unter ande­rem die Bru­ta­li­tät der Über­fäl­le, dass es meh­re­re Opfer gab sowie die hohe Scha­dens­sum­me. Der 35-Jäh­ri­ge wur­de außer­dem bereits in Däne­mark ver­ur­teilt. Bei­den droh­ten Stra­fen von bis zu 15 Jahren.